Adolf Nunwarz

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Adolf Nunwarz

Adolf Nunwarz (* 1868; † 1931) war ein professioneller Fotograf und Atelierbesitzer aus Linz-Urfahr. Er war verheiratet mit Maria Nunwarz.

Adolf Nunwarz und Karl May

Erste Kontakte

Der erste bekannte Kontakt Adolf Nunwarz' zu Karl May ist die Einsendung von Fotografien (Porträts von seiner Frau und sich)[1] für Mays Leseralbum am 25. Januar 1895.[2]

Im April 1896 machte der Amateurfotograf Alois Schießer in Radebeul 101 Aufnahmen von Karl May in Zivil sowie in den Kostümen Old Shatterhands und Kara Ben Nemsis. Die Negativplatten dieser Kostümfotos erhielt Adolf Nunwarz[3] später und übernahm den Vertrieb.[4]

Karl May schrieb am 4. Juni an Alois Schießer:

Übrigens geht heut' ein Brief an [Nunwarz] ab, in welchem ich ihn bitte, mich in geschäftlicher Beziehung hier zu besuchen, doch vor dem 15ten nicht, aber gewiß zwischen dem 15ten und dem 20ten. Sie können die Reise dann zusammen machen und mich noch einmal photographisch belinsen.[5]

Tatsächlich war Adolf Nunwarz erst am 24. Juni bei Karl May in Radebeul, vermutlich in Begleitung Schießers. Es wurde ein Vertrag über den Vertrieb der Fotos zwischen Nunwarz und May geschlossen. Später beteiligte sich auch der Linzer Buchhändler Fidelis Steurer an dem Projekt. In einem bald darauf erschienenen Prospekt Adolf Nunwarz' heißt es:

Die Aufnahmen 1–6 sind in den Original-Kostümen, die Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi auf seinen gefahrvollen Weltreisen trug, angefertigt. Jedes Bild trägt die eigenhändige Unterschrift des allverehrten Schriftstellers.[6]

Dies weist darauf hin, dass der Fotograf nur die Bilder verkaufen durfte, die May selbst signiert hatte.

Fotografievertrieb

die Villa Nunwarz in Linz

Im Frühsommer 1896 erschien im Deutschen Hausschatz Karl Mays autobiographische Skizze Freuden und Leiden eines Vielgelesenen, in der auch Nunwarz erwähnt wurde:

Daß der Photograph   A d o l f   N u n w a r z   in Linz-Urfahr Bilder von Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi verkauft, ändert nichts; man will sie umsonst von mir haben.[7]

Ebenso findet sich im Nachwort der ersten Ausgabe der Reiseerzählung Im Lande des Mahdi III folgende Passage:

Endlich sei mir auf zahlreiche Anfragen die Bemerkung erlaubt, daß Photographieen von Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi bei Herrn Photograph Adolf Nunwarz in Linz-Urfahr, Oberösterreich, zu haben sind.[8]

Außerdem wurden Karl Mays Leser in Briefen und in den Briefkastenrubriken des Deutschen Hausschatz und des Guten Kameraden auf diese Fotos und ihren Vertreiber aufmerksam gemacht.[9]

Am 1. Dezember lieh Karl May Adolf Nunwarz 2700 Mark als Geschäftsbeihilfe gegen Zinsen und unterstützte damit den weiteren Vertrieb seiner Kostümfotos.[10] Auf den 4. Dezember sind weitere Fotoporträts Maria und Adolf Nunwarz in Karl Mays Leseralbum datiert.[11]

In einem Brief an den jungen Leser Staden in Amsterdam äußerte May am 15. Februar 1897 Zweifel über die Ehrlichkeit Nunwarz':

Der Photograph in Urfahr-Linz darf nämlich nur Bilder mit meiner eigenhändigen Unterschrift verkaufen; thut er es ohne diese Unterschrift, so betrügt er mich um das Geld. Nun geht aus Ihrem Briefe hervor, daß Sie Photographien ohne meinen Namenszug erhalten haben. Sie können sich meine größte Dankbarkeit erwerben, wenn Sie die Güte haben, mir bei der Entlarvung dieses Betruges behülflich zu sein. Bitte, senden Sie mir die nicht unterschriebenen Photographien sofort ein; ich schicke Ihnen andere dafür.[12]

Ob Staden diese Bitte erfüllt hat, ist ungewiss.

Im Börsenblatt vom 4. Mai veröffentlichte Fidelis Steurer eine Annonce für die Schießer-Nunwarz-Fotos als Hervorragende Neuheit.[13]

Am 16. September bat Karl May Adolf Nunwarz brieflich um die umgehende Zusendung von 2 Dutzend ausgewählter Fotografien.[14]

Ein Wechsel der Vertriebsfirma der Fotos schwebte May vor, als er am 22. September an seinen Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld schrieb:

Sehr dankbar würde ich Ihnen sein, wenn Sie mir ebenso umgehend die Frage beantworteten, ob Sie vielleicht gewillt wären, den Verlag meiner Photographieen zu übernehmen. Nunwarz in Linz ist kein Geschäftsmann und bringt nicht soviel fertig, wie verlangt werden; auch ist es wegen der Zollwiderwärtigkeiten besser, wenn der Verleger ein Deutscher anstatt ein Oesterreicher ist. Die Platten etc. gehören nicht ihm sondern mir.[15]

Bruch

Obwohl diese Anfrage an Fehsenfeld vermutlich gar nicht oder aber abschlägig beschieden wurde, verfasste Karl May am 28. September 1897 ein Kündigungsschreiben an Adolf Nunwarz:

Da Sie betreffs der Ihnen am 1ten Dez[em]b[er] 1896 geliehenen 2700 Mark bis heut mit Zahlung der Zinsen zögerten, so sehe ich mich gezwungen, Ihnen hiermit dieses Kapital zu kündigen. Ganz in derselben Weise ging in Beziehung auf die verkauften Photographien seit langer Zeit weder eine Zahlung noch die für vierteljährlich vorgeschriebene genaue Berechnung ein, welch letztere ich doch wenigstens erwarten konnte. Aus diesem Grunde [...] kündige ich Ihnen heut auch den von uns am 24. Juni [18]96 verfaßten und unterzeichneten Verlagskontrakt, behalte mir aber dabei vor, [...] unser geschäftliches Verhältnis schon vor dem 1. Januar [18]98 nach meinem Belieben als aufgelöst zu betrachten. Hieran schließe ich die Bemerkung, daß die Platten von allen hier aufgenommenen Bildern nicht Ihnen sondern mir gehören, weil ich sie bezahlt habe, und ich sie in Folge dessen ohne Ausnahme und in gutem Zustande zurückverlangen werde.[16]

Noch am gleichen Tag informierte Karl May Alois Schießer über diese Kündigung. Der Vertrieb der Kostümfotos wurde später von Max Welte übernommen.[17]

Adolf Nunwarz hatte wohl brieflich darauf geantwortet, das Schreiben ging jedoch in der Villa "Shatterhand" verloren, worüber May am 6. November an Nunwarz berichtete, dass der Einschreibebrief

(wahrscheinlich meine Kündigung betreffend) an einem Tage angekommen ist, an welchem ich große Gesellschaft mit Feuerwerk etc. gab:[18] Die Mädchen scheinen diesen Brief, welchen gleich zu lesen, ich keine Zeit hatte, im Troubel mit den Packpapieren der Feuerwerksköper verbrannt zu haben. Ich bitte um Entschuldigung und um eine kurze Wiederholung des Inhaltes, da lange Schreiben unbedingt in den Papierkorb wandern.[19]

Vermutlich schrieb Nunwarz daraufhin einen weiteren Brief an Karl May, der wahrscheinlich die Bitte um Rücknahme der Kündigung enthielt. Denn auf den 11. Januar 1898 datiert ein Brief Mays an Adolf Nunwarz, in dem es heißt:

Meine Kündigung halte ich aufrecht; es ist nichts mehr anzufertigen oder zu verkaufen. Der Wechsel wird Ihnen am 1. März c.[20] präsentiert.[21]

Nunwarz' Antwort darauf ist nicht erhalten, dürfte aber nicht in Mays Sinne gewesen sein, wie sein Brief vom 8. Februar nahelegt:

Dadurch, daß Sie trotz meines Verbotes meine Photographien noch jetzt ausbieten und verkaufen, zwingen Sie mich, gerichtlich gegen Sie vorzugehen und auch in anderweiter Beziehung auf die Ihnen gegenüber beabsichtigte Milde zu verzichten. Beweise habe ich in den Händen. Durch Ihre wiederholten, versteckten Drohungen haben Sie natürlich grad das Gegentheil erreicht![22]

Diese Ankündigung scheint gefruchtet zu haben, denn am 4. Juli schrieb Karl May an Friedrich Ernst Fehsenfeld:

Wie mir mitgeteilt wird, liefert weder der Photograph [nämlich Adolf Nunwarz] noch der Linzer Buchhändler [nämlich Fidelis Steurer] die Bilder mehr [...][23]

Bereits vier Tage später heißt es in einem weiteren Brief Mays an seinen Buchverleger:

Haben Sie etwa, ohne daß ich davon wußte, die Absicht, auch die Photographieen zu verlegen? Das wäre mir sehr lieb. Platten bekommt natürlich nur der Verleger vom Photographen. Bitte Antwort! Nunwarz in Linz ist geschaßt. Meine Lieben[24] teilten mir mit, daß er mich betrügt; sie dictierten mir seine ganze, heimliche Buchführung und klärten mich auch über alle andern Heimlichkeiten auf. Da reiste ich hin,[25] überführte ihn und nahm ihm den Verlag. es stimmte Alles, was sie mir gesagt hatten; er ist ein Lump.[26]

Ausklang

Während des letzten Teils einer Rundreise, den Karl May mit Klara Plöhn unternahm, fuhren sie am 8. Oktober 1902 nach Linz, wo sie sich im Hotel "Roter Krebs" einquartierten. Vermutlich noch am selben Tag besuchte May Adolf Nunwarz, mit dem er im Morgengrauen des 9. Oktober die Bleiplatten der 101 Fotografien in die Donau versenkte.

Weitere Kontakte zwischen Nunwarz und May sind nicht bekannt. Bald darauf gab Adolf Nunwarz sein Geschäft auf und war bis zu seinem Ableben 1931 als Privatbeamter tätig.[27]

Fotos in Mays Leseralbum

Rezeption

Am Haus in der Linzer Fischergasse 13, in dem sich Nunwarz' Atelier befand, wurde 1986 eine Gedenktafel aus Marmor angebracht. Sie enthält ein Karl-May-Porträt als Bronzerelief von Laszlo Bota sowie die Inschrift:

Karl May
1842–1912
besuchte hier
seine Photographen
Alois Schiesser
Franz Nunwarz
American Express  L. Bota 1986[28]

Anmerkungen

  1. Leseralbum, S. 71450 f.
  2. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 520.
  3. Seine Firma hieß F[ranz] Nunwarz. Es ist nicht sicher, ob es ein weiterer Vorname Adolf Nunwarz' oder der seines Vorgängers war.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 519 f.
  5. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 525.
  6. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 526.
  7. Karl May: Freuden und Leiden eines Vielgelesenen. In: Karl Mays Werke (Digitale Bibliothek), S. 70196 f. (Onlinefassung)
  8. Karl May: Im Lande des Mahdi III. Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld Freiburg i. Br. 1896, S. 571. (Onlinefassung)
  9. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 530, 539, 541.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 542.
  11. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 543.
  12. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 14.
  13. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 28.
  14. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 85.
  15. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 86.
  16. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 87.
  17. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 87.
  18. Ein Feuerwerksfest fand am 10. Oktober in Karl Mays Garten statt.
  19. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 94 f.
  20. Vermutlich lateinisch currendi anni, des laufenden Jahres.
  21. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 104.
  22. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 110.
  23. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 151.
  24. Gemeint sind die in spiritistischen Sitzungen zitierten Geister.
  25. Ein solcher Aufenthalt bei Nunwarz ist nicht belegt, könnte aber während der Rundreise 1898 stattgefunden haben.
  26. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 152.
  27. Mittermayer: Beziehungen, Nachdruck in: Österreich, S. 81.
  28. Wilhelm Brauneder: Ergänzung des Herausgebers. In: Österreich, S. 87.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.

Weblinks