Dschinnistan

Aus Karl-May-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dschinnistan
im Werk Karl Mays
Weltkarte1911.jpg

Ardistan und Dschinnistan I (nur erwähnt)
Ardistan und Dschinnistan II
Mein Leben und Streben

Ardistan und Dschinnistan

Dschinnistan ist ein fiktiver Staat auf Sitara. Er liegt nördlich von Ardistan.

in "Der 'Mir von Dschinnistan"

In Karl Mays Spätwerk Der 'Mir von Dschinnistan (später Ardistan und Dschinnistan I und II) ist der Herrscher des Landes der Mir von Dschinnistan. Er will Frieden mit seinem Nachbarland Ardistan und legt - um dies zu erreichen - den Fluss Ssul trocken, der große Teile von Ardistan mit Wasser versorgt. Marah Durimeh entsendet Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar, um den Krieg zwischen den beiden Ländern zu verhindern.

"Es gibt nur zwei Wege: entweder vom Balkasch-See aus, und der ist entsetzlich weit; oder man reitet durch das ganze Reich von Ardistan, und der ist wohl ebenso weit, aber jedenfalls bequemer."[1]

Der Weg von Ardistan über Schimalistan nach Dschinnistan führt über die Gebirgspässe beim Dschebel Allah durch das Land El Hadd. Karl May deutet an, dass der Schech el Beled von El Hadd eigentlich der Mir von Dschinnistan sei.

"Man behauptet sogar," fuhr er (der Mir von Ardistan) fort, "daß es nur guten Menschen möglich sei, von Ardistan aus über den Dschebel Allah nach El Hadd und Dschinnistan hinüberzukommen. Wenn ein Böser es wage, sich den Übergang mit List oder mit Gewalt zu erzwingen, so sei er unbedingt verloren. Entweder verschwinde er in den Abgründen des Grenzgebietes, oder er ertrinke in den Fluten der Wasserfälle von El Hadd."
"Von denen habe ich gehört. Sie kommen von Dschinnistan herab?"
"Ja. Sie sind die größten, die es auf Erden gibt. Sie stürzen sich vom hohen Dschinnistan herab und bilden einen gewaltigen See, dessen Tiefe noch niemand ermessen hat. An diesem See liegt das Schloß des Schech el Beled von El Hadd; aber noch kein Mensch, der nicht nach El Hadd gehört, hat es je betreten dürfen."[2]

Dschinnistan ist ein schönes und fruchtbares Land mit glücklichen Bewohnern.

Diese Berge zeigten sich nur auf der nach Ardistan gerichteten Seite als steril, auf der nach Dschinnistan liegenden aber als außerordentlich wohlbewässert. Es gab unzählige Kanäle und Kanälchen, welche das bewegende, treibende und befruchtende Naß allüberallhin leiteten, wo es vonnöten war. Es mußte hoch oben in den Bergen, woher diese Gräben und Kanäle kamen, einen unerschöpflichen Reichtum an Wasser geben. Wir ritten stundenlang durch Wälder, deren Bestand nur durch diese Leitungen ermöglicht wurde. Wir sahen grünende Wiesen und Weiden, die sich hoch über ihnen erhoben; sauber blinkende Häuser mit wohlgepflegten Gärten und Feldern; Bergwerke, welche Gold, Silber, Kupfer, Eisen und andere Metalle in Menge lieferten. Im Osten gab es Bäche, in denen man eine sehr lohnende Perlenfischerei betrieb. Die Seitenstraße, der wir jetzt folgten, vermied es, größere Ortschaften zu berühren, aber bewohnt, bebaut und benutzt war jeder Berg, jedes Tal, jede Stelle und jeder Winkel, wohin man nur immer schaute. Ruhiger Fleiß grüßte von rechts und links. Behaglicher Wohlstand glänzte von allen Seiten. Das Glück saß vor jedem Hause. Eintracht und Zufriedenheit wandelten Hand in Hand auf allen Wegen und Stegen.[3]

Jenseits von Dschinnistan sollen die Tore zum Paradies liegen.

in "Das Märchen von Sitara"

Im "Märchen von Sitara" in Karl Mays Autobiographie "Mein Leben und Streben" liegt Dschinnistan auf dem einzigen Kontinent des Planeten Sitara, einem Gegenstück unserer Erde auf der anderen Seite der Ekliptik.

Das Hochland hingegen ist gebirgig, gesund, ewig jung und schön im Kusse des Sonnenstrahles, reich an Gaben der Natur und Produkten des menschlichen Fleißes, ein Garten Eden, ein Paradies. Man nennt es Dschinnistan. Dschinni heißt Genius, wohltätiger Geist, segensreiches unirdisches Wesen, und bildlich bedeutet es den angeborenen Herzenstrieb nach Höherem, das Wohlgefallen am geistigen und seelischen Aufwärtssteigen, das fleißige Trachten nach Allem, was gut und was edel ist, und vor allen Dingen die Freude am Glücke des Nächsten, an der Wohlfahrt aller derer, welche der Liebe und der Hilfe bedürfen. Dschinnistan ist also das Territorium der wie die Berge aufwärtsstrebenden Humanität und Nächstenliebe, das einst verheißene Land der Edelmenschen.[4]

Von Ardistan aus gelangt man über Märdistan (mit der Geisterschmiede im Wald von Kulub) nach Dschinnistan.

Sonstiges

Karl May will das Märchen von Sitara von seiner Großmutter gehört haben, die es ihm aus dem Buch "Der Hakawati" vorgelesen habe.[5] Die tatsächliche Existenz dieses orientalischen Märchenbuches konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Anmerkungen

  1. Karl May: Der 'Mir von Dschinnistan. Deutscher Hausschatz, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1908, 1. Kap., S. 7.
  2. Der 'Mir von Dschinnistan. 9. Kap., S. 297.
  3. Der 'Mir von Dschinnistan. 10. Kap., S. 311.
  4. Karl May: Mein Leben und Streben. Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld, Freiburg 1910, 1. Kap., S. 2.
  5. Mein Leben und Streben. 2. Kap., S. 22.