Hans Rost

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Dr. oec. publ. Hans Rost (* 25. Juni 1877 in Bamberg; † 18. April 1970 in Westheim bei Augsburg) war ein Journalist, Redakteur, Publizist, Schriftsteller und Suizid-Forscher.

Bio- und Bibliographisches

Leben

Rost besuchte in Bamberg und in Münnerstadt ein humanistisches Gymnasium. Nach seiner Hochschulreife studierte er in Würzburg, Leipzig und München Germanistik und Staatswissenschaften und promovierte im letztgenannten Fach zum Dr. oec. publ. Er war Mitglied in einer katholischen Studentenverbindung.

Hans Rost erhielt nach seiner Promotion 1903 von der Stadt Augsburg den Auftrag, die Wohnverhältnisse in der Schwabenmetropole zu untersuchen. Durch diese große Wohnungserhebung gelangte er im Jahr 1904 nach Augsburg, wo er sich als Journalist bei der erzkatholischen Augsburger Postzeitung bewarb. Er wurde 1905 eingestellt und arbeitete 30 Jahre lang bei dieser Zeitung. Er leitete die Ressorts Feuilleton, Kulturpolitik und Literarische Beilage.

Hans Rost war durch und durch katholischer Christ und glaubte daran, dass das Papsttum die größte Friedens- und Ordnungsmacht auf Erden sei, wie er es ausdrückte. Andere Religionen und Konfessionen waren ihm gelinde gesagt suspekt. So schrieb er gegen den Protestantismus und das Judentum.

Trotz seiner Judenfeindschaft war Hans Rost ein Gegner des Nationalsozialismus. Schon 1932 warnte er vor Adolf Hitler und den Nazis in der Broschüre Christus – nicht Hitler mit 50.000 Exemplaren Auflage. Das brachte ihm nach der Machtübernahme durch Hitler vier Wochen Schutzhaft ein und viele weitere Vernehmungen durch die Gestapo. Auch die Augsburger Postzeitung mit ihren fast 2.000 kritischen Artikeln zum Nationalsozialismus allein im Jahr 1932 war den neuen Machthabern ein Dorn im Auge und man nötigte Hans Rost 1934, die Zeitung zu verlassen, bevor sie 1935 endgültig verboten wurde.

Von 1933 bis 1940 gab Hans Rost das Jahrbuch für Bücherfreunde Sankt Wiborada heraus und veröffentlichte 1939 Die Bibel im Mittelalter, das z. T. heute noch als Grundlagenwerk zu dem Thema benutzt wird.

Nach der Naziherrschaft war Hans Rost plötzlich wieder gefragt und stellte im Zuge der Entnazifizierung durch die Alliierten etwa 300 Leumundszeugnisse aus. Jetzt konnte er sich auch wieder wie vor der NS-Herrschaft in der Armensorge engagieren und beschäftigte sich als Hobby-Antiquar. Immer wieder schrieb er Bücher und Artikel zu den Themen, die ihn interessierten.

Wirken

Neben seiner journalistischen und sonstigen schriftstellerischen Tätigkeit, die mehr als 40 Bücher umfasste, gab Hans Rost im Jahr 1927 eine Bibliographie des Selbstmords heraus, die 1991 neu aufgelegt wurde und etwa 400 Seiten dick war. Dieses Werk basierte auf seiner Dissertationsschrift aus dem Jahr 1902, die den Titel trug: Der Selbstmord in seinen Beziehungen zu Confession und Stadtbevölkerung im Königreich Bayern.

Zum Thema Selbstmord stellte er ab 1910 auch eine umfangreiche Sammlung von Literatur zusammen, die den Freitod aus ethischer, theologischer, kulturgeschichtlicher, medizinischer, juristischer und gesellschaftlicher Sicht beleuchtet. Mit dieser Sammlung von Literatur wollte er einen Beitrag zur Suizidprävention leisten.

So ist Hans Rost ohne Zweifel zu einem Pionier der Suizidologie geworden. Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) verleiht deshalb seit 1988 unregelmäßig, seit 1995 jährlich im Herbst den Hans-Rost-Preis für besondere wissenschaftliche Leistungen in der Suizidologie und für herausragende praktische Lösungen in der Suizidprävention.

Betont soll auch werden, dass sich Hans Rost gegen Wohnungsnot und studentische Mensuren einsetzte sowie uneheliche Mütter, kinderreiche Familien und karitative Initiativen unterstützte.

Zwei Jahre nach seinem Tod wurde in München die "Deutsche Gesellschaft für Selbstmordverhütung" (DGS) gegründet, die sich 1988 in "Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention - Hilfe in Lebensfragen" umbenannte.

Werke (Auswahl)

  • Der Selbstmord in seinen Beziehungen zu Confession und Stadtbevölkerung im Königreich Bayern. (Dissertation) 1902.
  • Der Selbstmord der sozialstaatlichen Erscheinung. 1905.
  • Der Katholizismus im Kultur- und Wirtschaftsleben der Gegenwart. 1908.
  • Aus der Jugendzeit. Erinnerungen eines Bambergers. 1924.
  • Bibliographie des Selbstmordes. 1927.
  • Christus – nicht Hitler! 1932.
  • Die Bibel im Mittelalter. 1939.
  • Die Bibel in den ersten Jahrhunderten. 1946.
  • Erinnerungen aus dem Leben eines beinahe glücklichen Menschen. 1962.

Hans Rost und Karl May

Mit Lorenz Krapp für Karl May

Im Spätherbst 1906 sandte Karl May ein mit einer Widmung versehenes Exemplar seines Dramas Babel und Bibel sowie verschiedene Materialien zum "Karl-May-Problem" an Hans Rost, der sich dafür am 7. Dezember in einem Brief bedankte. Weiterhin führte er aus:

Ich habe Ihre Zusendungen samt der mir von anderwärts zugeschickten Zeitschriften, Notizen, welche über Sie handeln, meinem Freunde Lorenz Krapp [...] übermittelt.[1]

Schon einen Tag später antwortete Karl May auf dieses Schreiben, versprach die Zusendung etlicher Bände der Gesammelten Reiseerzählungen und lobte Krapps May-Aufsätze in der Augsburger Postzeitung.[2]

May ließ tatsächlich sämtliche 30 bis dahin bei Fehsenfeld erschienen Bände an Rost schicken, wofür dieser sich am 8. Januar 1907 bedankte. Außerdem informierte er May darüber, dass in Lorenz Krapps angekündigter Aufsatzsammlung auch ein ausführlicher Text Das Problem Karl May enthalten sein soll.[3]

Vermutlich am 19. September 1907 reisten Karl und Klara May von München in Richtung Radebeul und machten Zwischenstation in Augsburg. Dort besuchten sie Hans Rost in der Redaktion der Augsburger Postzeitung und lernten den Chefredakteur Jakob Seiwert kennen. Abends besuchten Karl und Klara May zusammen mit Rost, Seiwert und dessen Frau das Augsburger Weinlokal "Weiberschule". In seiner Autobiografie beschrieb Hans Rost dieses Treffen:

Karl May saß auch hinter Gefängnismauern. Er hat mir das offene Geständnis gemacht, daß er sein ganzes Leben lang gerungen hat, aus den Niederungen und Sümpfen seines Lebens auf die Pfade eines edlen Menschentums zu gelangen. [...] Sein Name steht im goldenen Gästebuch der Weiberschule. Bei dem Wirt Lamberger bestellte er eine Flasche besten Weines, der je in meinem Leben durch meine Kehle rann. Er selbst trank dabei keinen Tropfen [...][4]

Mit Karl May gegen Hermann Cardauns

Der nächste Brief Karl Mays an Hans Rost datiert auf den 21. Oktober. Darin berichtete May von seinen Reaktionen auf Hermann Cardauns' Vorwürfe, legte vermutlich ein Foto von sich bei und bedankte sich für das Treffen in Augsburg:

Endlich einmal wahr und edel denkende, muthige Menschen, nach so langem Waten im Schmutze der Gewöhnlichkeit![5]

Zwei Tage darauf antwortete Dr. Rost auf diesen Brief und bedankte sich seinerseits bei May für den Besuch und ein hochgeschätztes Bild mit eigenhändiger Widmung.[6]

Am 13. November schrieb Karl May einen Offenen Brief an den Redakteur, der am 17. in der Augsburger Postzeitung abgedruckt wurde. May antwortete darin auf den am 10. November in der Kölnischen Volkszeitung erschienenen Artikel In Sachen Karl May von Hermann Cardauns.[7]

Dr. Hans Rost schrieb am letzten des Jahres 1907 einen Brief voller Dank und Glückwünsche an Karl May und grüßt ihn sowie Klara auch von seiner Braut.[8]

Sitara und Winnetou IV

Der nächste Brief Hans Rosts an Karl May stammt vom 28. Mai 1909 und beinhaltet eine Einladung nach Augsburg:

Der hiesige kathol[ische] kaufmännische Verein Lätitia würde sich glücklich schätzen, wenn Sie ihm während des Winters 1909/10 die Ehre Ihres werten Besuches zu Teil werden ließen.[9]

Einen Tag später bat Georg Martin, der Vereinsvorstand der Laetitia, Karl May um einen Vortrag in Augsburg, und legte seinem Schreiben ein Programm des Vereins bei.[10] Dieser Brief wurde vermutlich positiv beantwortet.

In Mays Antwort an Hans Rost vom 2. Juni heißt es:

Also einen Vortrag! Ich habe "ja" gesagt, für Dezember, obgleich ich nie wieder öffentlich sprechen wollte. Hauptbedingung: Alles still und ruhig! Ja keine Trompetenstöße für meine Person!

Weiterhin lobte Karl May in diesem Brief Rosts Buch Der Katholizismus im Kultur- und Wirtschaftsleben der Gegenwart, berichtete von seinem Erfolg gegen Rudolf Lebius und kündigte die neue Reiseerzählung Winnetou IV an, die in der Augsburger Postzeitung als honorarfreier Vorabdruck erscheinen soll.[11]

Am 21. August bat Rost in einem Brief an May darum, erst Anfang Oktober mit dem Abdruck dieses Werks beginnen zu dürfen. Zu diesem Termin startete der neue Jahrgang, der neue Abonnenten mit sich bringen würde. Weiterhin bat er um die Zusendung des Manuskripts:

Da ich die Redaktion der Beilagen und Unterhaltungsblätter habe, freue ich mich schon sehr über die baldige Lektüre und Prüfung. [...] Wünschen Sie das Originalmanuskript wieder zurück, oder könnten Sie damit den Unterzeichneten zum Glücklichsten aller Menschen machen?[12]

Drei Wochen später hatte Hans Rost noch kein Manuskript von May erhalten und mahnte am 11. September vorsichtig einen kleinen Teil Ihres Romans an:

Ich beabsichtige nämlich als Einleitung des neuen Bandes eine kurze Schilderung von Wesen, Inhalt und Bedeutung des hochbedeutsamen Winnetou Ihrem Winnetou Iv. zur Einführung für die Leser vorauszuschicken.[13]

Karl May antwortete auf diese beiden Briefe am 14. September und erklärte, dass das Manuskript zuerst zum Druck von Band 33 der Reiseerzählungen nach Stuttgart geschickt werden müsse, bevor es nach Augsburg kommen und dort verbleiben könnte. Weiterhin störte er sich an Rosts angekündigter Prüfung des Manuskripts:

[...] die Absicht der Prüfung setzt auch die Absicht der "Verbesserung" voraus, und da meine Arbeiten mit all den Fehlern, die ich ihnen gebe, gedruckt werden müssen, bin ich auch hierdurch gezwungen, das Original erst nach Stuttgart gehen zu lassen.

May versprach in diesem Brief, den Anfang der Handschrift am 20. September zurück zu bekommen und postwendend zu Rost zu schicken.[14]

Am 6. Oktober erschien dann pünktlich mit Jahrgangsbeginn der der erste Teil des Vorabdrucks Winnetou, Band IV. Reise-Erzählung von Karl May in Lueginsland. Unterhaltungsblatt zur "Augsburger Postzeitung". Jeden Mittwoch und Sonnabend erschienen neue Teile in dieser Beilage, in Ausnahmefällen auch montags.[15]

Am 5. Dezember 1909 erschien in der Augsburger Postzeitung eine Anzeige zu Karl Mays Vortrag, der am 8. Dezember, abends 81/4 Uhr, Schießgrabensaal stattfinden sollte.[16]

Karl May reiste am 7. Dezember in Begleitung seiner Frau Klara nach Augsburg und hielt tatsächlich am 8. Dezember den Vortrag, bei dem Hans Rost als Mitorganisator anwesend war. Ob sich Mays bis zu ihrer Abreise am 9. Dezember ein weiteres Mal mit Rost getroffen haben, ist nicht überliefert.[17]

Den letzten bekannten Kontakt zwischen Karl May und Hans Rost stellt ein Brief von Rost an May vom 26. März 1910 dar. Darin bedankte sich der Redakteur beim Schriftsteller für den letzten Teil des Winnetou IV-Manuskripts und wünschte dem Ehepaar May frohe Ostern.[18] Der letzte Teil der Reiseerzählung erschien am 27. April 1910 im Lueginsland.[19]

Anmerkungen

  1. Schmid (Hrsg.): Augsburger Vortrag, S. 8.
  2. Schmid (Hrsg.): Augsburger Vortrag, S. 8 ff.
  3. Schmid (Hrsg.): Augsburger Vortrag, S. 12.
  4. Hans Rost: Erinnerungen aus dem Leben eines beinahe glücklichen Menschen. Zitiert nach: Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 280.
  5. Schmid (Hrsg.): Augsburger Vortrag, S. 11, 13.
  6. Schmid (Hrsg.): Augsburger Vortrag, S. 13.
  7. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 318 f.
  8. Schmid (Hrsg.): Augsburger Vortrag, S. 13.
  9. Schmid (Hrsg.): Augsburger Vortrag, S. 14.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 529.
  11. Schmid (Hrsg.): Augsburger Vortrag, S. 14, 15-17.
  12. Schmid (Hrsg.): Augsburger Vortrag, S. 20.
  13. Schmid (Hrsg.): Augsburger Vortrag, S. 21.
  14. Schmid (Hrsg.): Augsburger Vortrag, S. 18-20, 21.
  15. Hainer Plaul/Gerhard Klußmeier: Illustrierte Karl-May-Bibliographie, S. 340 f., Nr. 483.
  16. Karl May und Augsburg, S. 34.
  17. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 596-600.
  18. Schmid (Hrsg.): Augsburger Vortrag, S. 22.
  19. Plaul/Klußmeier: Illustrierte Karl-May-Bibliographie, S. 340 f., Nr. 483.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.


Weblinks