Joseph Christian von Zedlitz

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Philipp Gotthard Joseph Christian Karl Anton Freiherr von Zedlitz und Nimmersatt (* 28. Februar 1790 auf Schloss Johannisberg bei Jauernig, Österreichisch-Schlesien; † 16. März 1862 in Wien) war ein österreichischer Offizier und Schriftsteller.

Joseph Christian von Zedlitz und Karl May

Erwähnungen in Karl Mays Werk

Im Erstdruck von Karl Mays Kolportageroman Die Liebe des Ulanen findet sich folgender Dialog zwischen Rittmeister Hugo von Königsau und General Kunz von Goldberg:

"[...] Aber Heine war doch ein halber Franzose; dabei bleibe ich. Ein wirklich deutscher Mann kann kein solches Gedicht schreiben!"
"Meinst Du?"
"Ja."
"Ich kann Dich vom Gegentheile überzeugen."
"Oho! Nenne mir Einen!"
"Den Freiherrn von Zedlitz. Nennst Du auch den keinen Deutschen?"
"Hm! Weiß nicht! Wenn er über Napoleon dichtete, so verdenke ich es ihm sehr!"
"Er betrachtete den Kaiser nicht so subjectiv wie Du. Er war gerechter."
"Was war er denn sonst, außer Dichter?"
"Zuerst preußischer Husarenoffizier –"
"Was? Wirklich?"
"Ja."
"Und dichtet auf Napoleon?"
"Wie Du gehört hast! Später wurde er Ministerresident. Er muß also doch ein guter Deutscher gewesen sein. Nicht?"
"Man sollte es denken!"
"Und demnach dichtete er seine 'Nächtliche Heerschau'. Er erzählt da, daß Nachts um die zwölfte Stunde der Tambour sein Grab verläßt und wirbelnd die Runde macht. Er rührt mit seinen entfleischten Armen die Trommelschlägel, so daß die todten Soldaten in ihren Gräbern erwachen.
Und die im tiefen Norden
Erstarrt in Schnee und Eis,
Und die in Welschland liegen,
Wo ihnen die Erde heiß,
Und die der Nilschlamm decket
Und der arabische Sand,
Sie steigen aus ihren Gräbern
Und nochmals Gewehr zur Hand."
"Eine fürchterliche Phantasie," meinte Königsau. "Es kann Einem gruselig dabei werden!"
"Der Dichter will eben sagen, daß die Macht des großen Todten noch im Grabe wirke. – Aber zu der nächtlichen Stunde verläßt auch der Trompeter sein Grab. Er schmettert in die Trompete, und die todten Cavalleristen gehorchen diesem Rufe.
Es kommen auf luftigen Pferden
Die todten Reiter herbei,
Die blutigen, alten Schwadronen,
In Waffen mancherlei.
Es grüßen die weißen Schädel
Wohl unter dem Helm hervor;
Es halten die Knochenhände
Die langen Schwerter empor."
"Nun muß auf jeden Fall auch der Geist des Kaisers erscheinen. Nicht?"
"Ja, denn des Dichter fährt fort:
Und um die zwölfte Stunde
Verläßt der Feldherr sein Grab,
Kommt langsam daher geritten,
Umgeben von seinem Stab.
Er trägt ein kleines Hütchen;
Er trägt ein einfach Kleid,
Und einen kleinen Degen
Trägt er an seiner Seit'."
"Ganz so, wie er es wirklich gethan hat und wie ich ihn gesehen habe. Weiter, Vetter!"
Der General stand auch jetzt da, nicht recitirend, sondern declamirend. Er folgte der Aufforderung:
"Der Mond mit gelbem Lichte
Erhellt den weiten Plan;
Der Mann im kleinen Hütchen
Sieht sich die Truppen an.
Die Reihen präsentiren
Und schultern das Gewehr;
Dann zieht mit klingendem Spiele
Vorüber das ganze Heer."
"Ah, also die Heerschau! Das Sujet ist ein grausiges."
"Aber der Inhalt dieses deutschen Gedichtes ist in der französischen Uebersetzung von de Charlemagne so in das französische Volk gedrungen, daß der todte Kaiser wirklich jährlich im elisäischen Felde diese Parade über die Geister seiner Krieger abhält. Höre weiter:
Die Marschälle und Generäle
Schließen um ihn einen Kreis,
Der Feldherr sagt dem Nächsten
In's Ohr ein Wörtlein leis.
Das Wort geht in die Runde,
Klingt wieder fern und nah;
Frankreich heißt die Parole.
Die Losung Sanct Helena.
Dies ist die große Parade
Im elisäischen Feld,
Die um die zwölfte Stunde
Der todte Cäsar hält."
Als der General geendet hatte, beobachtete Königsau ein momentanes Schweigen und sagte dann:
"Und diese alten Krieger, wer hat sie niedergehauen?"
"Ihr natürlich!"
"Ja, wir. Sie mögen, wenn sie um Mitternacht vor ihrem Kaiser vorüberziehen, verteufelt grimmige Blicke herüber werfen."
"O nein. Sie überlassen das ihren Nachfolgern."
"Die wir aber wieder so zurücktreiben werden wie jene nächtlichen Gestalten."
"Ich wünsche von ganzem Herzen, daß Deine Ansicht die richtige sei."[1]

Anmerkungen

  1. Karl May: Die Liebe des Ulanen. In: Karl Mays Werke, S. 19246–19250 (vgl. KMW-II.13, S. 2452–2455).

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