Luise Hensel

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Luise Hensel (* 30. März 1798 in Linum in Brandenburg; † 18. Dezember 1876 in Paderborn) war eine religiöse Dichterin.

Luise Hensel und Karl May

Erwähnungen in Karl Mays Werk

Er schlug auf ihn los. Die fürchterlichen Hiebe fielen hageldicht auf den kleinen, unschuldigen Kerl. Dieser weinte nicht; er ahnte oder wußte aus Erfahrung, daß dies den Grimm seines Peinigers nur erhöht haben würde. Aber die Schläge thaten so sehr weh, und die Angst des Kindes war so groß, daß es sich keinen anderen Rath und keine andere Hilfe wußte, als unter jammernder Geberde die kleinen Händchen zu falten und wie im Gebete empor zu heben. In seiner Angst fiel es ihm ein, daß er ein Lied, abermals ein Gebet wisse, welches von Unrecht und von Verzeihung handelte. Es rief also laut und bittend:
"Müde bin ich, geh zur Ruh,
Schließe meine Augen zu.
Vater, laß das Auge Dein
Ueber meinem Bette sein!"
"Was? Schlafen will der Balg?" schrie der Mann. "Zu Bette gehen will er? Das werde ich ihm anstreichen!"
Die Hiebe klatschten von Neuem auf das hilflos dieser Roheit anheimgegebene Kind. Es betete, um sich doch vielleicht zu retten, angstvoll weiter.
"Hab ich Unrecht heut gethan,
Sieh es, lieber Gott, nicht an;
Habe noch mit mir Geduld,
Und vergieb mir meine Schuld!"
"Geduld?" hohnlachte der Kerl. "Ja, die habe ich gehabt! Wahrhaft unmenschliche Geduld! Aber jetzt ist sie alle; jetzt geht sie mir aus! Ich schlage Dich in Stücke, ich schlage Dich todt, wenn Du nicht machst, was ich will! Also, lächle! Lächle, Bube!"
Der Kleine zitterte am ganzen Körper; aber er nahm sich mit wahrhaft bewundernswerther Selbstbeherrschung zusammen, fuhr sich mit den Händchen einmal über die thränenden Augen und versuchte dann, das verlangte Lächeln hervor zu bringen. (Der verlorne Sohn)

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