Offene Briefe eines Gefangenen

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Offene Briefe eines Gefangenen ist ein kurzes Fragment, das vermutlich 1868 während Karl Mays Haftzeit als Gefangener Nr. 171 in Schloss Osterstein (1865 bis 1868) entstanden ist.[1]

Inhalt

Aufgrund der vorangestellten Notiz und des einleitenden Briefes an eine Bertha, der nach ca. zwei Seiten mit dem Satz So kam ich nach Lugnitz. abbricht, wird vermutet, dass an einen Roman über das Gefängnisleben gedacht war, der möglicherweise in der Form eines Briefromans entstehen sollte.[2] Welche Absichten May dabei verfolgte, lässt sich aus dem kurzen Fragment nicht erkennen.

Die Anfangsnotiz lautet:

Einleitung
1.) Verbrechen, Strafe, Sühne und Besserung
2.) Systeme. Coll.[3] Isolir. Irische
3.) Beleuchtung. Beköstigung. Reinigung. Heizung. Bekleidung. Disciplin. Krankenpflege.
4.) Direction. Arbeit. Seelsorge. Unterricht.

Sonstiges

Die Offenen Briefe Mays enden laut Plaul[4] mit dem Satz: So kam ich nach Lugnitz. Dass der Ortsname bei der Veröffentlichung des Fragments im Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1971 "Lungwitz" geschrieben wird,[5] beruht laut Plaul auf einem Lesefehler.[6] Die – nach Plaul falsche – Schreibweise "Lungwitz" wurde zunächst auch im Abdruck der Offenen Briefe in Band 79 von Karl May's Gesammelten Werken[7] übernommen, in späteren Auflagen aber durch "Lugnitz" ersetzt.[8] Den Ortsnamen Lugnitz sieht Plaul als Hinweis, dass sich May mit dem Buch Der Landrichter beschäftigt hat, das vom Zwickauer Zellenhausinspektor Alexander Krell für den Verein zur Verbreitung guter und wohlfeiler Volksschriften verfasst worden war und in Lugnitz spielt.

Der Punkt 3.) Beleuchtung. Beköstigung. Reinigung. Heizung. Bekleidung. Disciplin. Krankenpflege. weist Parallelen zu den Kapitelüberschriften bzw. Kapitelunterteilungen Beköstigung, Bekleidung, Wäsche und körperliche Reinigung, Heizung, Beleuchtung (in Kapitel III. Die Wirthschaft und V. Die Krankenpflege) im Jahresbericht über Zustände und Ergebnisse bei der Strafanstalt Zwickau auf, die unter 4.) genannten Stichpunkte Direction. Arbeit. Seelsorge. Unterricht. weisen Parallelen zu den Kapitelüberschriften III. Die Arbeit und V. Seelsorge und Unterricht des in Das Zellenhaus bei der Strafanstalt Zwickau veröffentlichten "Bericht[s] an das Königl. Sächsische Ministerium des Innern, erstattet am 1. November 1861" auf.[9] Diese beiden Texte wurden ebenfalls von Alexander Krell verfasst, Karl May war diesem zu dieser Zeit als Schreiber und Mitarbeiter zugeteilt und an der Erstellung der Berichte beteiligt.[10]

Anmerkungen

  1. Hainer Plaul: "Besserung durch Individualisierung", S. 174 f.
  2. Lothar und Bernhard Schmid: Fragmente aus der Frühzeit Karl Mays, S. 254.
  3. "Coll." für Kollektivhaft. Das gelegentlich genannte "Dell" ist ein Transkriptionsfehler.
  4. Plaul: "Besserung durch Individualisierung", S. 175.
  5. Plaul: "Hinter den Mauern" und andere Fragmente aus der Haftzeit, in: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1971, S. 128.
  6. Plaul: "Besserung durch Individualisierung", S. 198, Anm. 155.
  7. Old Shatterhand in der Heimat, 1.–20. Tsd., S. 260.
  8. Old Shatterhand in der Heimat, 36. Tsd., S. 260.
  9. Plaul: "Besserung durch Individualisierung", S. 174 f.
  10. Gerhard Klußmeier/Hainer Plaul: Karl May und seine Zeit, S. 95.

Literatur

Weblinks