Rinaldo Rinaldini

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Rinaldo Rinaldini ist ein Räuberroman von Christian August Vulpius (* 1762; † 1827), dem Schwager Goethes.

Hintergrund

Als Vorlage diente Vulpius die Geschichte des wahren Räubers Capitano Angelo Duca, eines sizilianischen Bauern, der 1780 als Bandit in die Berge ging und 1784 hingerichtet wurde.

Die Erstveröffentlichung Rinaldini, der Räuberhauptmann, eine romantische Geschichte unseres Jahrhunderts stammt aus dem Jahre 1798. Rinaldo Rinaldini, Vulpius' 66. Buchveröffentlichung (!), machte seinen Verfasser weltberühmt, die Geschichte wurde in viele Sprachen übersetzt und regte damals vor allem Menschen mit geringerem Bildungsniveau zum Lesen an. Als einer der ersten Romane, die für ein Massenpublikum geschrieben wurden, blieb Rinaldo Rinaldini in seiner Popularität unerreicht. Dieser Trivialroman traf punktgenau den Geschmack des Publikums, erlebte viele Auflagen und auch Nachahmungen. Vulpius selbst schrieb einige Fortsetzungen dazu.

Vulpius wurde mit seinem Hauptwerk zum Erfinder der modernen Trivialliteratur.

Inhalt

[...] der frühere Hirtenjunge und Bauernsohn hat sich nach einer mißglückten Karriere beim Militär in den Apenninen eine Bande zusammengestellt, die vor allem Klöster und reiche Leute ausplündert. Im ständigen Abwehrkampf gegen Polizisten und Soldaten, im andauernden Taumel neuer Liebschaften, die die Handlungsfähigkeit des Räubers erheblich einschränken, weicht Rinaldo stets aus; so wird er von den Apenninen nach Sizilien und Sardinien immer weiter getrieben, wobei er, obgleich auch auf der Flucht vor der eigenen kriminellen Vergangenheit und der ungeliebten Räuberrolle, durch meist unverhoffte Begegnungen mit alten Kameraden bereits aufgeriebener Banden zu ständig neuem Banditentum angeleitet wird. Die Liebe zur schönen Olimpia verstrickt Rinaldo zudem in Umsturzpläne einer korsischen Befreiungsorganisation, die den berühmten Räuberhauptmann in ihrem Kampf gegen das französische Joch für sich gewinnen möchte. Oberhaupt dieser Bewegung ist der geheimnisvolle Alte von Fronteja, der Prinz Nicanor, und, wie sich später herausstellt, Rinaldos tatsächlicher Vater; der Alte ist mit okkulten Mächten im Bund und bleibt dem zaudernden Rinaldo stets auf den Fersen. Von Dianora, Rinaldos ganz großer Liebe, hat der Held einen Sohn. Nachdem der korsische Geheimbund aufgeflogen ist, kehrt Rinaldo zu Dianora zurück, die ihn verstoßen hatte, als sie von seiner unbürgerlichen Existenz erfahren hatte. Das nun scheinbar endlich erfüllte Familienglück für den unglücklichen Rinaldo wird abermals und ein letztes Mal durch das Militär vereitelt: in Dianoras Schloß findet Rinaldo ein melodramatisches Ende. (R. Jeglin in "Die Welt der Ritterbücher war meine Lieblingswelt". Jb-KMG 1982, S. 172)

Rinaldo Rinaldini und Karl May

Rinaldo Rinaldini und andere, ähnliche Geschichten von "edlen Räubern" gehörten nach eigenen Angaben zur bevorzugten Lektüre des Knaben Karl May[1].

Erwähnungen in Karl Mays Werk

Der Begriff Rinaldini als Synonym für einen Räuber oder Räuberhauptmann findet sich auch in einigen seiner Werke wieder:

"Unsicher? Giebt es hier Räuber? Vielleicht einen Rinaldo Rinaldini oder einen Josef Schobri?"
"Glücklicher Weise nicht." (Der verlorne Sohn)[2]

"Wir spielen ganz einfach ein Bischen Schinderhannes oder Rinaldo Rinaldini. Es ist wohl Niemand als der Eselstreiber bei ihm. Mit diesen Zweien werden wir wohl fertig." (Deutsche Herzen - Deutsche Helden)[3]

"Pah! Du giebst ihr mit der Faust Eins auf den Kopf, daß sie ohnmächtig wird."
"Du, das bringe ich nicht fertig. Ich bin kein Rinaldini oder Schinderhans." (Der Weg zum Glück)[4]

Der Anführer war in eine schreiende Phantasieuniform gekleidet und trug kein Abzeichen seines Ranges. So, wie er aussah, konnte man sich einen Rinaldini vorstellen. (Am Rio de la Plata)[5]

Hatte mein Anzug schon während der langen Fahrt und der vorherigen Erlebnisse bedeutend gelitten, so war ihm nun vorhin in der schlammigen Grube der "letzte Rest" gegeben. Mein Aussehen war nichts weniger als gentlemanlike. Dazu meine Bewaffnung! Ich hatte nämlich von den Waffen, welche wir an uns genommen hatten, drei Flinten überhängen und vier Pistolen im Gürtel stecken – ein Rinaldini in Lehm! (Im Lande des Mahdi II)[6]

Der Inhalt aber wurde von den Lesern immer wieder von neuem verschlungen, und ich muß der Wahrheit die Ehre geben und zu meiner Schande gestehen, daß auch ich, nachdem ich einmal gekostet hatte, dem Teufel, der in diesen Bänden steckte, gänzlich verfiel. Was für ein Teufel das war, mögen einige Titel zeigen: Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann, von Vulpius, Goethes Schwager. Sallo Sallini, der edle Räuberhauptmann. Himlo Himlini, der wohltätige Räuberhauptmann. Die Räuberhöhle auf dem Monte Viso. Bellini, der bewunderswürdige Bandit. Die schöne Räuberbraut oder das Opfer des ungerechten Richters. Der Hungerturm oder die Grausamkeit der Gesetze. Bruno von Löweneck, der Pfaffenvertilger. Hans von Hunsrück oder der Raubritter als Beschützer der Armen. Emilia, die eingemauerte Nonne. Botho von Tollenfels, der Retter der Unschuldigen. Die Braut am Hochgericht. Der König als Mörder. Die Sünden des Erzbischofs u.s.w. u.s.w. (Mein Leben und Streben)[7]

Mag Goethe noch so viel über die Herrlichkeit und Unumstößlichkeit der göttlichen und der menschlichen Gesetze dichten und schreiben, so hat er doch unrecht! Recht hat nur sein Schwager Vulpius, denn der hat den Rinaldo Rinaldini geschrieben! (Mein Leben und Streben)[8]

Das allgemeine Rechtsgefühl war irregeführt. Man bewunderte die Falschspieler, wie man die Rinaldo Rinaldini's und die Himlo Himlini's der alten Leihbibliothek bewunderte, deren Bände man verschlang, weil sie die einzige war, die es in den beiden Städtchen gab. (Mein Leben und Streben)[9]

Die dritte Gestalt, natürlich nicht körperliche, sondern seelische Gestalt, war mir direkt widerlich. Fatal, häßlich, höhnisch, abstoßend, stets finster und drohend; anders habe ich sie nie gesehen, und anders habe ich sie nie gehört. Denn ich sah sie nicht nur, sondern ich hörte sie auch; sie sprach. Sie sprach oft ganze Tage und ganze Nächte lang in einem fort zu mir. Und sie wollte nie das Gute, sondern stets nur das, was bös und ungesetzlich war. [...] Heut sah sie aus wie Rinaldo Rinaldini, morgen wie der Raubritter Kuno von der Eulenburg und übermorgen wie der fromme Seminardirektor, als er vor meinem Talgpapiere stand. (Mein Leben und Streben)[10]

Anmerkungen

  1. Karl May: Mein Leben und Streben, Kapitel 3. Keine Jugend.
  2. Karl May: Der verlorne Sohn. In: Karl Mays Werke, S. 23286 (vgl. KMW-II.18, S. 2526).
  3. Karl May: Deutsche Herzen, deutsche Helden. In: Karl Mays Werke, S. 24527 (vgl. KMW-II.20, S. 132).
  4. Karl May: Der Weg zum Glück. In: Karl Mays Werke, S. 34675 (vgl. KMW-II.31, S. 3175).
  5. Karl May: Am Rio de la Plata. In: Karl Mays Werke, S. 46609 (vgl. KMW-IV.7, S. 176).
  6. Karl May: Im Lande des Mahdi II. In: Karl Mays Werke, S. 49498 (vgl. KMW-IV.10, S. 555).
  7. Karl May: Mein Leben und Streben. In: Karl Mays Werke, S. 70718 (vgl. KMW-VI.3, S. 73).
  8. Karl May: Mein Leben und Streben. In: Karl Mays Werke, S. 70722 (vgl. KMW-VI.3, S. 76).
  9. Karl May: Mein Leben und Streben. In: Karl Mays Werke, S. 70733 (vgl. KMW-VI.3, S. 84 f.).
  10. Karl May: Mein Leben und Streben. In: Karl Mays Werke, S. 70768 (vgl. KMW-VI.3, S. 112).

Literatur

Weblinks