Robert Werner

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Ernst Robert Werner (* 31. Juli 1862 in Großthiemig bei Großenhain; † 26. Januar 1932 in Dresden) war Gemeindevorstand von Radebeul.

Leben

Nach seinem Schulabschluss arbeitete Robert Werner im Verwaltungsdienst verschiedener sächsischer Gemeinden. Seine Berufung von Pirna nach Radebeul erfolgte am 1. Februar 1893.[1]

Am 1. Januar 1924 wurde Werner der erste Bürgermeister von Radebeul und Mitglied des Gemeindetages bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand am 30. September 1927. Im gleichen Jahr wurde er Vorsitzender des Verschönerungs- und Verkehrsvereins für die Lößnitz.

Robert Werner war verheiratet mit Emma Werner.

Nach seinem Tode erhielt Robert Werner als erster die Ehrenbürgerwürde der Stadt Radebeul, weiterhin wurde ein Platz dieser Stadt nach ihm benannt.

Robert Werner, Karl und Klara May

Bücherspende

Der erste bekannte Kontakt zwischen Karl May und Robert Werner ist ein Brief Mays an den Gemeindevorstand vom 30. März 1896. Darin löste der Schriftsteller ein Versprechen ein, das er dem Lehrer Kurt Rudolph gegeben hatte, und schenkte der Radebeuler Volksbibliothek als einen gern gegebenen und später fortzusetzenden Beitrag die 16 bis dahin erschienenen Bände seiner Gesammelten Reiseromane.

Zwei Tage später bedankte sich der Ausschuss für die Volksbibliothek für dieses werthvolle Geschenk.[2]

Gebäudeprobleme (1)

Ein amtliches Schreiben schickte Robert Werner am 1. Dezember 1896 an Karl May. Darin wurde er aufgefordert, bis längstens Ende dieses Monats hier nachzuweisen, dass die Straßenbaubeiträge für sein Gartengrundstück an die Kirchgemeindekasse beim Kirchrechnungsführer Oskar Theodor Schaale bezahlt worden seien.[3]

Laut einem Bericht Friedrich Hinnrichs' wurde Karl May seine Freigiebigkeit am 6. Mai 1898 in Gartow zum Verhängnis. Während einer Studienreise hatte May dort ein kleines Mädchen reich beschenkt, sich damit der Hochstapelei verdächtig gemacht (man zog seine Identität in Zweifel) und als Arrestant im Haus festgehalten. Noch am gleichen Tag sandte allerdings der Radebeuler Gemeindevorstand folgende Depesche nach Gartow: Karl May hier wohnhaft, übt sehr gern Wohltätigkeit. Daraufhin ließ man den Schriftsteller wieder frei.[4]

Karl Mays spätere zweite Frau Klara Plöhn beantragte am 2. Februar 1902 bei Robert Werner eine Neuschätzung der Brandversicherungssumme der Villa Plöhn in der Radebeuler Gellertstraße 5. Das Haus gehörte nach dem Tode ihres Mannes Richard Plöhn ihr allein.[5]

Wohnsitzfragen

Am 8. Oktober 1902 verfasste Karl May in Linz an den Radebeuler Gemeindevorstand Werner einen Brief, den er erst zwischen 9. und 11. Oktober in Salzburg aufgab. Darin schrieb er, dass er seine Frau Emma von seiner Villa "Shatterhand" fern halte, um nach verschwundenem Geld zu suchen. Während Mays Abwesenheit hüte Wilhelmine Beibler das Haus, die nötigenfalls vom Gemeindevorstand unterstützt werden möge. Weiterhin heißt es in dem Schreiben:

Das Verhalten meiner Frau hat es mir unmöglich gemacht, länger in Radebeul zu wohnen, wenigstens für die nächsten Jahre [...] Ich selbst aber sehe mich leider gezwungen, mich hiermit bei Ihnen, Herr Vorstand, für das Ausland abzumelden.

Im Radebeuler Adreßbuch von 1903 ist daraufhin unter Kirchstraße 5 zu lesen: May, Carl F., Schriftsteller (Ausland).[6]

Später aber, am 21. Februar 1903, schrieb May an Robert Werner, nachdem angeblich die Polizei nach ihm geforscht hatte:

Ich beabsichtige eine mehrjährige Reise um die Erde, doch hat sich herausgestellt, daß vorerst noch höchst wichtige geschäftliche Angelegenheiten zu ordnen sind.[7]

Das Ordnen dieser Angelegenheiten zogen sich wohl länger hin, denn am 27. März 1909 stellte der Gemeindevorstand eine Aufenthaltsbescheinigung für Karl May aus, die besagte:

Eine Abmeldung seinerseits hat bisher nicht stattgefunden.[8]

Führungszeugnis

Bei der Bestellung des Aufgebots von Karl May und Klara verw. Plöhn am 14. März 1903 auf dem Radebeuler Standesamt wird auch Mays durch Robert Werner unterzeichnetes Führungszeugnis vorgelegt, das dahingehend lautet, dass

nichts Nachteiliges gegen ihn bekannt geworden ist, er sich vielmehr immer tadellos geführt hat. Herr May unterstützt Anstalten und Bestrebungen der Wohltätigkeit in reichlicher Weise.[9]

Die standesamtliche Trauung fand am 30. März um vier Uhr nachmittags im Radebeuler Rathaus in aller Stille statt.[10]

Gebäudeprobleme (2)

Am 13. Juni 1903 wurde im Radebeuler Tageblatt eine Annonce Klara Mays veröffentlicht, in der sie die Villa Plöhn mit schönem Hintergebäude, welches sich auch zur Errichtung einer Bäckerei oder eines sonstigen Geschäfts eignet, zum Verkauf anbietet.[11]

Daraufhin schrieb der Gemeindevorstand Werner am 30. Juni an sie, dass die Einrichtung von Villen zu Geschäftszwecken in Villenstraßen [...] nicht gestattet wird.[12]

In Klara Mays Antwortschreiben vom 6. Juli heißt es:

Wenn ich mein Villengrundstück auf der Gellertstr. für Geschäftszwecke ausbiete, so weiß ich genau, daß die event[uellen] Geschäfte nicht anderer Art sein können, als die schon in der Straße befindlichen.[13]

Über den Termin des Gebäudeverkaufs informierte Robert Werner Klara May am 3. Juni 1904. Dieser fand einen Tag später um halb zwölf Uhr mittags beim Amtsgericht Dresden statt. Klara May verkaufte da die Villa Plöhn für 35.000 Mark an das Ehepaar Rudolf und Marie Louise Atenstädt. Außerdem spendete Karl May – laut Klara Mays Tagebuch – an diesem Tag 300 Mark für ein Radebeuler Obdachlosenasyl und überreichte den Betrag an den Gemeindevorstand.[14]

private Kontakte

Am 10. September 1904 lehnte Robert Werner eine gesellschaftliche Einladung Klara Mays ab, da seine Ehefrau bisher noch nicht Gelegenheit gehabt hat, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen.[15]

Gemeindevorstand Werner dankte Karl May am 23. September für zwei Bücher, die er von Karl May erhalten hat. Darunter befand sich vermutlich die eben erschienene Reiseerzählung Und Friede auf Erden![16]

Schulstiftung

Der am 3. Dezember im Radebeuler Tageblatt erschienene Amtliche Bericht zur Gemeinderatssitzung am 30. November 1904 in Radebeul enthält folgende Notiz:

Endlich teilt der Herr Vorsitzende [Robert Werner] noch mit, daß ihm von Herrn Klagemann ein Brief von Herrn Schriftsteller May hier übergeben worden sei, in welchem letzterer dem Schulvorstand für das Jahr 1905 300 Mark zu Lehrmitteln für die Kinder armer Leute in Radebeul ohne Ansehen der sozialen Parteien zur Verfügung stellt.

Dazu erklärte Vorstand Werner am 15. Mai 1910, dass mit Mays Genehmigung nur die Zinsen dieser Stiftung für Radebeuler Schüler der 1. Bezirksschule verwendet werden.[17]

Über die Schulstiftung schrieb Karl May am 8. Dezember an Robert Werner:

Ihrer Erfahrung darf man, wie Alles, so auch das in die wohlbewanderten Hände legen.[18]

Die Karl-May-Schulstiftung hatte übrigens bis 1923 Bestand.[19]

Nachbarschaftsstreit

Im Herbst 1905 hatte sich Karl May beim Gemeindevorstand Robert Werner über seinen Nachbarn, den Rentier Ludwig Gustav Pohl beschwert, der May durch Klopfgeräusche gestört hatte. Am 4. Oktober wurde deshalb Wachtmeister Benjamin Kiesel zu Pohl geschickt. Der Polizist teilte dem Rentier mit, alles aufbieten zu wollen, daß das Klopfen auf das Notwendigste beschränkt werde u[nd] das Klopfen auf dem Balkon unterbleibe, wie Werner am 6. Oktober an May schrieb.[20]

Unterstützung für Schulen

Am 26. Februar 1906 dankte Richard Weise, der Direktor der Radebeuler Bürgerschule, Karl May für ein (nicht näher bekanntes) wertvolles Bild, das unserem Zeichensaale ein prächtiger Schmuck sein wird. Auch Robert Werner bedankte sich am nächsten Tag dafür.[21]

Bei der feierlichen Einweihung der neuen Realschule in Radebeul wird durch dem Gemeindevorstand Werner Karl May als Mäzen genannt. Ob May bei der Feierstunde anwesend war, ist allerdings nicht belegt.[22]

Rudolf Lebius

Karl Mays ärgster Gegner Rudolf Lebius sandte am 29. März 1909 seinen Artikel Ein spiritistisches Schreibmedium als Hauptzeuge der "Vorwärts"-Redaktion aus seiner Zeitschrift Der Bund vom 28. März an die Gemeindeverwaltung. Robert Werner schickte den Artikel sofort an May weiter, um diesem damit Gelegenheit und Unterlagen zu weiterem gerichtlichen Vorgehen zu geben, wie er in dem Begleitbrief schrieb.[23]

Eine Anfrage über das Geschäftseinkommen des verstorbenen Richard Plöhn in den Jahren 1894 bis 1898 beantwortete Robert Werner am 17. April 1909 mit einem Zeugnis, das besagt, dass Plöhn zuletzt ein steuerpflichtiges Einkommen von 13.400 Mark hatte.[24]

nach Karl Mays Tod

Noch am Abend nach Karl Mays Ableben am 30. März 1912 schrieb Klara May einen Brief an den Gemeindevorstand Robert Werner. Darin informierte sie ihn nicht nur über den Tod ihres Gatten, sondern lud ihn auch zu einem Gespräch über die Grablegung für den nächsten Vormittag ein:

Sein Wunsch war, in seinem Garten begraben zu werden. Und da das Haus einer Stiftung gewidmet werden soll, denke ich, wird es gehen. Ich möchte mit Ihnen darüber sprechen.[25]

Dieses Gespräch fand dann am 31. März in der Villa "Shatterhand" statt, wo Werner auf zu erwartende Schwierigkeiten bei der Erfüllung von Karl Mays Wunsch hinwies.[26] Klara May ließ anfangs trotzdem nicht von ihrem Willen ab, wie sie in einem undatierten Brief an Robert Werner schrieb:

Ich habe mich nun doch entschlossen dem Wunsche meines Mannes zu entsprechen und ihn hier in seinem Garten wieder rüber zu holen. Bitte veranlassen Sie Alles um diesen Wunsch zu verwirklichen.[27]

Die Erlaubnis dazu wurde allerdings durch die Amtshauptmannschaft Dresden nicht erteilt, woraufhin Werner den Vorgang am 2. April an den Radebeuler Pfarrer Kurt Schmidt, der später auch die Trauerfeier abhalten sollte, abgab.[28]

Am 4. April informierte Schmidt den Gemeindevorstand über die Zustimmung Klara Mays dazu, daß ihr Gatte Karl May [zumindest vorerst] in dem auf dem hiesigen Friedhof befindlichen Mausoleum beigesetzt werde.[29] Dort ruht Karl Mays sterbliche Hülle noch heute.

Werner wurde am 30. April 1912 als Pfleger für die - noch zu errichtende - Karl-May-Stiftung bestellt.[30]

Anmerkungen

  1. Biografische Daten nach: Steinmetz: Die Villa »Shatterhand« in Radebeul. In: JbKMG 1981, S. 24 Fn. 13
  2. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 519.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 542 f.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 142 f.
  5. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 15.
  6. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 122.
  7. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 210.
  8. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 510.
  9. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 218.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 234.
  11. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 251.
  12. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 253.
  13. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 257.
  14. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 347.
  15. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 377.
  16. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 387.
  17. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 429 f.
  18. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 434 f.
  19. Hoffmann: Karl Mays Beziehungen zur Lößnitzstadt, S. 24.
  20. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 550.
  21. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 18.
  22. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 289.
  23. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 511.
  24. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 521.
  25. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 601 f.
  26. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 602.
  27. Steinmetz: Karl Mays Grabmal, S. 36.
  28. Steinmetz: Karl Mays Grabmal, S. 36.
  29. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 603 f.
  30. Schreiben vom 11. Mai 1912 - nach M-KMG Nr. 100 S. 9

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.


Weblinks