Sahahr

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Sahahr
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Ardistan und Dschinnistan I

Sahahr (= der Zauberer) wird der nach dem Scheik zweitmächtigste Mann im Volke der Ussul gerufen. Einen Eigennamen erfahren wir nicht, der Begriff "Sahahr" bezeichnet seine Funktion als eine Art oberster Priester, der in Fragen der Religion mächtigste Mann der Ussul. Wie auch der Scheik steht er unter starkem Einfluss seiner Frau. Eigentlich ist das Priesteramt offenbar eine weibliche Angelegenheit, leitet es sich doch in weiblicher Linie ab von einer Frau, die vor langer, langer Zeit von Marah Durimeh aus Sitara zu den Ussul gesandt wurde.

Der Sahahr kann es seiner einzigen Tochter nicht verzeihen, vom Glauben der Ussul ab- und dem des Dschinnistani, ihres Gatten, zugefallen zu sein. Sie verliert damit die Möglichkeit auf das Priesteramt. Als seine Tochter dann auch noch mit ihrem Mann nach Dschinnistan aufbricht, und den Sohn, den Dschirbani, alleine bei den Ussul zurücklässt, sagt er sich endgültig von seiner Tochter los und errichtet ihr ein Grabmal, womit er sie offiziell für tot erklärt. Der Kummer allerdings treibt ihn zur Verzweiflung und äußert sich als grenzenloser Hass auf seinen Enkel, den Dschirbani, den er unter schweren Bedingungen gefangen hält.

Sein bärtiges Gesicht nahm einen mehr tierischen als menschlichen Ausdruck an; seine Zähne knirschten, und er fuhr fort: "Warum soll ich es Euch nicht sagen! Ihr werdet es doch erfahren und hören! Sie war - - war - - - war meine Tochter!"
"So ist er Dein Enkel?" entfuhr es mir in der Überraschung. "Ja." "Und Du sperrst ihn ein?"
"Ja, ich sperre ihn ein!" antwortete er in unendlich gehäßigem Tone. "Zu den Hunden! Die ihn zerreißen, wenn er zu fliehen wagt!"
Da flammten seine zorneslodernden Augen zu mir herüber, und er rief, als ob man es in weite Ferne hören solle: "Sie mögen ihn zerreißen - - zerreißen! So wie der Zorn, der Grimm und der Kummer mich zerrissen haben, als ich vergeblich mit seinem Vater rang, mein Kind vor ihm und seinem Wahn zu retten! Ich habe nichts mit diesem Räudigen gemein. Er war der Sohn meiner Tochter, also Fleisch von meinem Fleische und Blut von meinem Blute. Aber dieses Fleisch und Blut ist gestorben; es lebt nicht mehr. Er ist mir also fremd, ja fremder noch als jeder Mensch, den ich nie gesehen habe. Die Hunde mögen ihn zerreißen - - zerreißen - - - zerreißen!"[1]

Als Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar den Dschirbani befreien, wird der Sahahr von Hu und Hi, seinen eigenen Hunden, angefallen und schwer verletzt. Das Heilwissen des Dschirbani rettet ihn allerdings.

Anmerkungen

  1. Karl May: Der Mir von Dschinnistan. In: Deutscher Hausschatz 1908/09, 1. Kap., S. 62 f.

Literatur

Informationen zu Figuren in Karl Mays Werken finden Sie auch im Karl May Figurenlexikon.
Die zweite Auflage dieses Werkes finden Sie online auf den Seiten der KMG.