Stollberg

Aus Karl-May-Wiki
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Stollberg/Erzgebirge ist heute eine Große Kreisstadt im Erzgebirgskreis in Sachsen (Deutschland) und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Stollberg (Erzgebirge).

19. Jahrhundert

Stollberg war zu Karl Mays Lebzeiten eine Stadt in der sächsischen Kreis- und Amtshauptmannschaft Chemnitz und Knotenpunkt der Staatsbahnlinien St. Egidien-Stollberg, Stollberg-Chemnitz u. a. Stollberg hatte zwei evangelische Kirchen, ein neues Rathaus, ein Denkmal des Königs Albert, eine Realschule mit Progymnasium, ein evangelisches Schullehrerseminar, Amtsgericht, Oberförsterei, bedeutende Strumpfwarenfabriken, Fabrikation von Bürsten-, Holz- und Schuhwaren, Kartonnagen, Knochenmehl, Strumpfmaschinen, Stuhlnadeln, Watte, Wäsche und Zigarren, Eisengießerei, Dampfsägewerke, Holzhandel und im Jahre 1905 7.373 meist evangelische Einwohner. Zu Stollberg gehörte das Dorf Hoheneck mit Schloss (damals Landesgefängnis für Männer) und 1.726 Einwohnern.

Karl May und Stollberg

In Mays Biographie ist die erzgebirgische Stadt eng mit der "Stollberg-Affäre" verbunden, die sich 1878/79 in und um Stollberg abspielte.

Karl May hatte den etwas mysteriösen Tod Emil Eduard Pollmers, des Onkels seiner Braut Emma, untersuchen wollen und sich dabei in Niederwürschnitz und Neuoelsnitz als Regierungsbeamter ausgegeben.

Bald stellte sich heraus, dass jener Beamte der vorbestrafte Karl May war. Ein Dorfpolizist namens Ernst Oswald stellte Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Chemnitz und denunzierte May als Socialdemokrat durch und durch. Daraufhin wurden Zeugen befragt und die Aussagen vom Gerichtsamt Stollberg nach Chemnitz gesandt.

May nahm am 11. und 20. Juni 1878 in Dresden zu dem Vorwurf der Amtsanmaßung Stellung. Er bestritt alle Vorwürfe ebenso wie die Behauptung, Sozialdemokrat zu sein. Auch diese Aussage wurde nach Chemnitz geschickt.

Das Bezirksgericht Chemnitz beschloss daraufhin, eine regelrechte Untersuchung gegen May einzuleiten, verwies die Untersuchung aber an das Gerichtsamt Stollberg. May verzichtete auf einen Anwalt und verfasste nur eine längere Defension (Verteidigungsschrift). Dieser legte er sein patriotisches Gedicht Rückblicke eines Veteranen am Geburtstage Sr. Majestät des Königs Albert von Sachsen von 1875 bei.

Am 15. Oktober 1878 konnte er endlich in Stollberg vernommen werden, am 25. Oktober wird er mehreren Zeugen gegenübergestellt. Er bestritt wiederum sämtliche Vorwürfe und wollte selbst Zeugen finden. Das gelang ihm allerdings bis zum 23. November nicht, woraufhin die Untersuchung vom zuständigen Richter für geschlossen erklärt wurde. Die Akten wurden Anfang Dezember wieder nach Chemnitz zur Bekanntmachung des Actenschlusses weitergeleitet.

Am 9. Januar 1879 verhängte dann das Amtsgericht Stollberg eine Strafe von drei Wochen Gefängnis und Bezahlung der Untersuchungskosten. Das Urteil wurde an das Gerichtsamt Hohenstein-Ernstthal und die Staatsanwaltschaft in Chemnitz geschickt. (Von der Bezahlung der Kosten wurde wegen der Armuth Mays letztlich abgesehen.)

Das Urteil wurde am 12. Mai in zweiter Instanz bestätigt. Vom 1. bis zum 22. September 1879 verbüßte Karl May im Arresthaus seiner Heimatstadt seine letzte Haftstrafe.

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