Alwin Risse

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Beste Grüße! Alwin Risse

Clemens Alwin Risse (* 1867; † 1931) war ein Verlags- und Buchdruckereibesitzer in Dresden.

Er war offenbar verheiratet und hatte wohl vier Kinder.

Alwin Risse und Karl May

Offene Briefe

Der erste bekannte mögliche Kontakt Karl Mays zu Alwin Risse waren die beiden Offenen Briefe Mays, die am 29. März und 5. April 1905 unter der Rubrik Sprechsaal in der Wochenschrift Beobachter und Dresdner Justiz-Zeitung veröffentlicht wurden. Das Blatt erschien im Verlag Alwin Risse, der Redakteur war Egon Junghähnel.[1]

Ein Schundverlag

Im gleichen Jahr hatte Karl May die Druckerei Risse beauftragt, seine Streitschrift Ein Schundverlag zu drucken.

Vermutlich am 18. Mai hatte Alwin Risse Karl May vergeblich besucht und eine Nachricht hinterlassen. Am gleichen Tag schrieb Karl Mays Frau Klara an ihn:

Soeben fanden wir Ihre Karte und hörten, daß Sie zwei mal hier waren und morgen um 9 Uhr noch einmal kommen wollen. [...] Bitte, senden Sie die Abzüge sofort, per Post.[2]

Diese Bitte schien Alwin Risse befolgt zu haben, denn bereits am nächsten Tag sandte Karl May ihm die Revision und bemerkte dazu:

Bitte, drucken Sie diesen und auch ferner jeden Bogen sofort fertig, nachdem ich ihn gelesen habe, und senden Sie ihn mir dann umgehend![3]

Am 21. Mai schickte May weiteres durchgesehenes Manuscript an Risse und ergänzte:

Ich bitte dringend um die strengste Discretion! [...] Je schneller Sie meinen Auftrag effectuiren, desto sicherer wird den dabei beschäftigten Leuten ein gutes Trinkgeld von mir sein.[4]

Diese gebotene Eile drückten auch die nächsten Briefe Karl Mays an Alwin Risse aus. Am 22. Mai:

Mein Anwalt [nämlich Rudolf Bernstein] sagt, es sei unbedingt nothwendig, daß bis Sonnabend Abend[5] fünf Bogen vollständig gesetzt und gedruckt seien. Ich hoffe, daß Sie das ermachen können. Setzer finden sich dann leicht, und gedruckt ist es ja schnell. Bis Mittwoch Abend nächster Woche[6] dann wieder 3 Bogen; ich bitte auch dies zu ermöglichen.[7]

Am 23. Mai:

Hier neues Manuscript. Sie wollten doch heut Vormittag kommen und den fertigen Bogen bringen![8]

Am 25. Mai:

Ich habe wiederholt um sofortige Zusendung der gedruckten Bogen gebeten, denn ich muß ca. 10 Stück von jedem sofort einsenden. Es ist noch nichts gekommen, obgleich ich schon seit Sonnabend[9] auf Bogen 1 warte![10]

Inzwischen muss eine Sendung Alwin Risses bei Karl May angelangt sein, denn in Mays Brief vom 27. Mai heißt es:

Besten Dank für das gestern Ueberbrachte! [...] Bitte, senden Sie sofort, wenn etwas fertig ist![11]

Am 29. Mai gab es wieder Probleme, wie Karl Mays Brief zeigt:

Warum sandten Sie von Bogen 3 nur 3 Stück? Ich sagte Ihnen bereits, daß ich sofort nach Erscheinen jedes Bogens ca. zehn Stück brauche.[12]

Vermutlich Anfang Juni 1905 erschien dann Karl Mays Prozess-Schrift Ein Schundverlag als Privatdruck bei Alwin Risse.[13]

weitere Kontakte

Ein Missverständnis über ein vereinbartes Treffen ging einem Brief Mays an Risse am 7. Juli voraus:

Es ist ja gar nicht möglich, daß ich Sie für heut zu mir eingeladen habe, da ich soeben für mehrere Tage verreise. [...] Nach meiner Rückkehr werde ich Sie über meine ersten freien Stunden benachrichtigen.[14]

Über Ziel und Dauer dieser Reise Karl Mays ist allerdings nichts bekannt.

Am 22. Juli, einen Tag nach der Verhandlung erster Instanz in der Beleidigungssache Max Dittrich ./. Rudolf Lebius, schrieb May an Alwin Risse:

Dieser Apfel [nämlich Lebius] ist faul; er fällt ab! O nein, es wäre falsch, ihn vornehm zu ignorieren! Er würde sich rühmen, man fürchte sich vor ihm. Nur drauf![15]
Familie Risse

Wohl im Frühjahr 1906 besuchte Alwin Risse in Begleitung von Georg Zimmermann Karl May in Radebeul. Am 22. Juni erhielt May eine Fotografie der Familie Risse als Postkarte, auf der zu lesen ist:

Recht vielen Dank für zugesandte Liebenswürdigkeiten begrüße ich Sie recht herzlich und freue mich, nächstdem mit Zimmermann abermals in Ihrem Heim erscheinen zu können.[16]

Am 19. August 1907 verfasste Karl May als Reaktion auf mehrere Artikel Hermann Cardauns' die beiden Texte Aus dem Lager der May-Gemeinde und Die "Rettung" des Herrn Cardauns. Beide wurden noch am gleichen Tag in Alwin Risses Druckerei in Dresden gedruckt und versandt.[17]

Für den Prozess gegen Pauline Münchmeyer nahmen Karl May und sein Rechtsanwalt Bernstein im Dezember 1907 die Hilfe des Bücherrevisors Paul Droß in Anspruch. Dieser war May von Alwin Risse empfohlen worden.[18]

Auch die (angebliche) Fortsetzung zu Karl Mays Schundverlag-Text, Ein Schundverlag und seine Helfershelfer, wurde in Alwin Risses Buchdruckerei als Privatdruck angefertigt, und zwar im April 1909.

Werke

  • Winter im Erzgebirge, 1910
  • Unsere Lößnitz, 1912
  • Blasewitz, 1912
  • Dresden, 1917
  • Berg und Tal : Sächsisch-Böhmische Schweiz. Neueste Wegstrecken mit Bildern, 1922

Anmerkungen

  1. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 494 f., 496 f.
  2. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 505.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 505.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 505 f.
  5. Gemeint ist der 27. Mai.
  6. Gemeint ist der 31. Mai.
  7. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 506.
  8. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 506.
  9. Gemeint ist der 20. Mai.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 506 f.
  11. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 507.
  12. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 507.
  13. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 508.
  14. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 515.
  15. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 519 f.
  16. Leseralbum. In: Digitale Bibliothek Band 77: Karl Mays Werke, S. 71434 (vgl. KMW-VIII.6.2, S. 794).
  17. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 247.
  18. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 326.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.