Deutsche Herzen - Deutsche Helden/In Sibirien

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Deutsche Herzen - Deutsche Helden ist in drei Hauptteile gegliedert. Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Inhalt des dritten Teils, der in Sibirien spielt.

In Platowa

spielt das gesamte I. Unter den Zobeljägern, Lieferungen Nummer 49 bis 80.

Im sibirischen Platowa taucht Florin, zuletzt Bill Newton, davor Derwisch Osman, mit hervorragend gefälschten Papieren als "Peter Lomonow, Kaufmann aus Orenburg" auf. Er lässt sich um 37 Rubel prellen, um seinen Pass vorzulegen, da er Zobeljäger anheuern will. Dabei wird er von Hauptmann Orjeltschasta, Georg von Adlerhorst, Verbannter Nr. 10, erkannt. Als er verärgert aus der Amtsstube tritt, können der Kreishauptmann und sein Sohn, ein Rittmeister, sehen, wie der Kosak (Georg) von Karparla, Ziehtochter eines "tungusischen" Fürsten (so bezeichnete man damals die Ewenken und Teile der Jakuten, letztere sind wohl gemeint), einen Diamantring erhält. Der Rittmeister nimmt ihm den Ring ab und beordert das Fürstenpaar und Karparla ins Amtszimmer, wo das Mädchen erfährt, dass sie ihm anverlobt ist. Sie verachtet ihn als minderwertigen Feigling, der ernten will, ohne gesät zu haben und erklärt den Kosaken zum Helden und Märtyrer, weil er für sie unter dem Verachteten leide.

Der Rittmeister lässt Georg ein wildes Pferd satteln, auf dem dieser sich den Hals brechen soll. Doch am Fluss stoßen sie auf das dort badende Mädchen, das Rittmeister und Leutnant beobachten, bis von der anderen Seite aus Sam Barth dem Rittmeister die Agraffe mit Feder vom Hut schießt. Sam erklärt sich wenig später zum Geheimsekretär des von einem Geheimkurier avisierten Steinbach.

Seine Papiere sind so gut, dass man nichts gegen ihn vermag und er ungestört mit Tim und Jim zum Fürsten, seinem Gastgeber, gehen kann. Auf dem Jahrmarkt erkennt Jim dem Derwisch, der sofort flüchtet: es war ihm gelungen, mit viel Geld den Verbannten Nr. 5 zu engagieren, der dank seines Rufes eine Gruppe Jäger zusammengestellt hatte und zum sofortigen Aufbruch bereit war.

Georg, der Kosak, wird gefangen genommen und von Sam, Jim und Tim befreit, die statt seiner den Kreishauptmann samt Sprössling einschließen, in Teer und Werg verpackt. Auf dem Weg zu den Tungusen erzählt Sam, dass Oskar Steinbach mit dem Kleeblatt einen Verbannten suchen und befreien will und dass dies wohl mit denen von Adlerhorst zusammenhängt, von denen nur noch Georg fehle, der nun zugibt, derselbe zu sein. Karparla lässt ihn von Gisa in ein Versteck am Mückenfluss bringen, wohin sich auch der Derwisch gewandt hat.

Nach dem gegenseitigen Eingeständnis ihrer Liebe muss sie nun erst einmal ausreiten. Dabei stößt sie auf Gökala, die mit Polikeff zum Kreishauptmann reist, und mit der sie sich anfreundet. Sam muss nun noch dem Kreishauptmann das Geständnis entwenden, auf Anweisung Polikeffs Fürst Banda seine Identität als Iwan Saltikoff überlassen und ihn so zum Verbannten gemacht, sich aber fortan Rapnin genannt zu haben.

Als Oskar nachts ankommt, erfährt er von Sam in Kürze das Wichtigste, nämlich dass Georg von Adlerhorst, der Maharadscha, Florin und Alexei Polikeff auf dem Weg zum Mückenfluss sind und der Kreishauptmann des Grafen Verbündeter Saltikoff ist. Karl May ironisiert sich hier selbst:

"Sam Barth, treib keine Comödie!"
"Herr Steinbach, der Teufel soll mich holen, wenn es Comödie ist!"
"Wahrheit kann es nicht sein!"
"Warum denn nicht?"
"Die Personen, welche wir nun in drei verschiedene Erdtheile gejagt haben, sollen sich hier im wilden, fernen Sibirien an einem Orte beisammen befinden!"
"So ists!"
"So Etwas bringt doch kein Romanschreiber zusammen!"
"Das hat er auch nicht nöthig. Das Leben bringt es selbst fertig!"[1]
Dann wird Oskar zur weiteren Überraschung gleich zu seiner Gökala – Semawa geführt, die nun bei ihm bleiben will.
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Er gibt sich als "Assessor im Auswärtigen Amt" aus ohne persönliches Vermögen und mit 4000 Mark Salär, tritt aber gleich danach als Kavalleriegeneral auf, als er die falschen Rapnins verhaftet. Diese hatten bereits die Peitsche erhalten, als sie das Kleeblatt vergiften wollten, und der Rittmeister ebenso, als er freigekauften Soldaten Geld und Papiere rauben wollte. Jetzt dürfen sie mit einer ungleich drastischeren Strafe rechnen...

Nun wird aufgebrochen zum Mückenfluss, wo nicht nur die restlichen Gesuchten sind, sondern auch beim Hofgut Dobronitsch eines der Verstecke der Verbannten liegt.

Bei dem Hofgut Dobronitsch

spielt das gesamte Zweites Capitel: Auf der Flucht, Lieferungen Nummer 81 bis 96.

Familie Dobronitsch: An der Mündung der Kika, des "Mückenflusses", in den Baikalsee, "ein paar Werst nördlich von Werchnei Udinsk" (Ulan Ude), liegt das Hofgut Dobronitsch. In ein Gespräch von Mila mit dem Zobeljäger Alexius Boroda, Anführer von etwa zweihundert entflohenen Verbannten, platzt Wachtmeister Wassilei, der sich zunächst einmal von Mila eine Abfuhr holt. Boroda, der von einem der Kosaken erkannt wird, kann es leicht mit ihnen aufnehmen und entkommt. Peter Dobronitsch vertreibt sie, als er heimkehrt, mit Wasser aus dem Löschschlauch. Er erzählt den Seinen, dass er den Hof verkauft hat und dass der ungeliebte, Frömmigkeit heuchelnde, arrogante Nachbar um Mila freien will.

Noch ist Peter nicht mit seinem Bericht fertig, da erscheint jener schon und wird nach einigen Frechheiten und Beleidigungen mit einen heftigen Korb bestraft. Auf dem Heimweg trifft er auf Wassilei; die beiden verabreden sich, ihren Rachedurst nachts durch das Auffinden des Zobeljägers im Hofgut und die Verhaftung aller zu stillen. Treffpunkt soll eine äußerst hohe Tanne sein.

Als sie sich trennen, treffen sie auf Gisa und Georg. Der gibt sich als Kaufmann Skobeleff aus Jekatarinenburg aus, Vetter des gleichnamigen Generals, und will zu Peter Dobronitsch. Dennoch wird er als Nr. 10 erkannt und zum Gut begleitet. Gisa aber kann unbemerkt vorauseilen, Peter warnen und wieder verschwinden. Wassilei muss abermals beschämt abziehen und Mila bringt Georg gleich in das Versteck. Dieses befindet sich hoch oben im Felsen, eine große, wohnlich eingerichtete Höhle mit Platz für über zweihundert Menschen und ausreichend Proviant. Der Eingang ist von einer riesigen Pechtanne verdeckt, der Ausgang führt in einen Krater, von dessen Zinne aus man die ganze Umgebung überblicken kann.

Georg gelingt es, nachts unter der Tanne Wassilei und Polikeff zu belauschen, die dann in die Räucherkammer einsteigen. Wieder an der Tanne trifft er auf Boroda, dem er die Lage schildert. Mit Peter können sie die Halunken unauffällig einschließen und mit dem Schlauch die Räucherkammer fluten, bis den Einbrechern in des Wortes wahrstem Sinne das Wasser bis zum Halse steht.

Noch in der Morgendämmerung kommt Peter Lomonow, der Derwisch, an und verlangt in seiner überheblichen Weise Verpflegung für Jäger und Pferde sowie für sich ein gutes Zimmer und Zärtlichkeiten von Mila; Peter gesteht die Verpflegung zu, weist ihn aber im Übrigen zurück. Unterdessen erscheint auf der Suche nach Nr. 10 Polikeff, doch Peter lässt sich weder durch sein unverschämtes Auftreten noch durch seine Kosaken einschüchtern. Nur mit Höflichkeit kann der Offizier erreichen, dass er eingelassen wird, wenn auch nicht das Ungeziefer.

Bei der Haussuchung werden der Nachbar Sergius Propow und der Wachtmeister Wassilei gefunden und als Einbrecher erkannt. Kaum haben sie ihre Schuld eingestanden, kommen dreißig berittene Kosaken. Ein Krebsfischer der benachbarten Stanitza (Grenzwehrdörfer mit Kosaken) hatte nachts die große Schar Verbannter gesehen und verraten; nun sind ihnen 160 Kosaken auf den Fersen zuzüglich Polikeff, Florin und "dessen" 30 Kosaken.

Sam Barth: "Nr. 5", der Maharadscha Banda, Anführer der von Polikeff angeheuerten Jäger, schickt seine Kameraden zum Fluss und reitet selbst zu Boroda, um ihn zu warnen. Auf dem Rückweg trifft er an der Fähre auf das Kleeblatt, das sich sofort engagiert. Sam übernimmt die Führung. Den Kosaken werden die Pferde auf einem Flügel weggeschossen, so dass den Flüchtlingen der Weg über den Hof zum Versteck frei wird.

Die nun fünfzehn Jäger halten mit vereinzelten Schüssen auf weitere Pferde die Kosaken auf Distanz, bis Mila Entwarnung gibt. Die Jäger ziehen sich auf den Hof zurück, wo sie völlig unbeteiligt erscheinen. Verblüfft müssen die Kosaken feststellen, dass die Flüchtigen, die sie in die Enge getrieben hatten, sich in dieser verflüchtigt haben.

Der kommandierende Major will sich an den Gutsbesitzer halten, doch Sam dreht den Spieß um und der platowasche Oberleutnant verabschiedet sich nach einer Warnung bezüglich Sams und dessen Papieren vom Major. Es kommt zu einigen amüsanten Szenen, in deren Folge Florin in der Räucherkammer sitzt und, weil kein Versteck aufzufinden ist, das ganze Gut weiträumig umstellt wird, so dass mit Sicherheit niemand entkommen kann.

Sam trifft im Versteck auf seinen Bruder und erfährt so, dass Alexius sein Neffe ist. Er bemerkt auch dessen Gefühle für Mila.

Er düpiert den Major so, dass der all seine Leute an der falschen Stelle zusammenzieht, führt die Flüchtlinge außer Georg und der Familie Barth in die Stanitza, lässt den neuen Anführer, Gardemajor Sendewitsch, im Haus des Kosakenmajors die auf der weiteren Flucht nötigen Befehle ausschreiben, räumt mit den Flüchtlingen das Zeughaus aus und schickt sie in Uniformen und mit Pferden der Kosaken den Tungusen und Oskar Steinbach entgegen, damit sie dort die nötigen Waffen erhalten und als scheinbar ordentliche Kosakentruppe zur Begleitung einer hochgestellten Familie quer durch Sibirien und Russland ziehen können. Anschließend entdeckt er dem Major, dass der getäuscht worden ist und die Verbannten entkommen sind. Während der Major sofort sein ganzes Augenmerk nach Süden auf die Grenze richtet und die Verbannten nach Norden ziehen, bereitet Sam auf dem Rückweg zum Gut Peter auf die Verlobung Milas mit Alexius vor und darauf, nach Deutschland zu ziehen.

Oskar Steinbach: Die Entkommenen treffen eine halbe Stunde oberhalb des Gutes auf die Tungusen und erhalten die Waffen, die Tungusen ziehen zum Hof. Oskar, die Frauen und der Fürst werden im Haus herzlich willkommen geheißen. Sam berichtet, Oskar besichtigt kurz Florin und führt Maharadscha Banda mit Nena und Semawa zusammen. Um Vater und Tochter nicht zu stören, begibt er sich in die Wohnstube. Als Polikeff auf den Hof reitet, instruiert Steinbach Sam und hält sich dann im Nebenraum bereit.

Unverändert dreist verlangt der Schurke die Pferde des Gutes, wird aber einmal mehr zurückgewiesen und will daher Militär holen, doch Sam hält ihn auf. Es kommt zu einer wunderschönen Szene, in der dem Grafen all seine Verbrechen vorgehalten werden, die er völlig sinnlos bestreitet. Als er gerade abgeführt werden sollte, trifft auch noch der Major ein, der vergeblich auf die Pferde wartete.

Erbost will er eine ganze Sotnie Kosaken holen und kann es nicht fassen, dass Peter auch dann noch sein Eigentum verteidigen will: "Ich schieße jeden nieder, der ein Pferd anrührt." Als der Schwerstverbrecher Polikeff behauptet, die Deutschen hätten den Bauern aufgestachelt, diktiert er diesen die Knute zu und arretiert alle. Der Schurke soll die Kosaken holen.

Doch wieder wird Polikeff aufgehalten und der Major muss erfahren, dass keiner seiner Befehle gilt - ganz anders die Worte Steinbachs. Zudem erscheint Sam mit Georg und Alexius. In des Majors Freude über den vermeintlichen guten Fang mischt sich der Zorn darüber, dass auch dies wieder auf Anordnung Steinbachs geschah. Er verurteilt alle summarisch zum Tod, verweigert ein ordentliches Gericht und sogar ein Gnadengesuch – und merkt nicht, dass er zum Besten gehalten wird. Stattdessen dringt er mit der Peitsche auf Oskar ein, der den Mantel abwirft und "nun in der Uniform eines Generallieutenants der russischen Gardekavallerie" dasteht.

Der Major, der ihn eben noch hatte knuten wollen, auch in Anwesenheit eines sehr hohen Vorgesetzten, der ihm "den Rücken hinauf kriechen" könne, steht starr vor Erstaunen und kann nur noch um Vergebung und Gnade flehen. Beides stellt ihm Oskar in Aussicht, um dann aber erst mal "Kleineres zu ordnen": Georg wird nicht begnadigt, sondern als zu unrecht verurteilt befunden, vom Hauptmann direkt zum Oberstleutnant befördert mit Pensionsanspruch und Nachzahlung des rückständigen Soldes. Sams Bruder Karl ist sofort zu entlassen und in die Lage zu versetzen, in die Heimat zu reisen, sein "confiscirtes Besitzthum ist ihm dort zurück zu erstatten sammt den Zinsen, welche es getragen hätte" und sollte er geflohen sein, so "ist ihm und allen Personen, welche ihm dabei halfen, die darauf ruhende Strafe zu erlassen und Alles, was sich dabei begeben haben könnte, als völlig ungeschehen zu betrachten."[2] Mit dieser genialen Formulierung sind auch Alexius und Sams Aktionen amnestiert, die ja auch noch zeitlich vor dem Ukas lagen und im "inneren Zusammenhang" mit eben dieser Flucht standen. Sogar die Familie Dobronitsch wäre damit amnestiert, falls ihr jemand etwas anlasten wollte.

Nun wird Florin eröffnet, dass Russland ihn ausliefere und er Oskars Gefangener sei. Seine russischen Papiere werden als auf unrechtmäßige Weise in seine Hände gekommen erkannt.

Polikeff unternimmt einen Mord- und Fluchtversuch und erhält als Dank den vom Justizminister persönlich unterzeichneten Haftbefehl präsentiert, gefolgt von einem Ukas bezüglich Bandas:

"Der zu ewiger Verbannung in die Zobelwälder verurtheilte Inhaftat Nummer Fünf soll, sobald es sich herausstellt, daß er der Maharadscha Banda von Nubrida ist, sofort entlassen werden. Es ist seine Reise nach Petersburg an den kaiserlichen Hof zu verfügen, wobei ihm alle Ehren zu erweisen sind und dafür zu sorgen ist, daß die Reise mit der Bequemlichkeit geschieht, welche seinem hohen Stande angemessen ist.
Die Untersuchung wird ergeben, auf welche Weise ein so außerordentlicher Fall ermöglicht werden konnte. Doch hat bereits jetzt die Vorbestimmung in Kraft zu treten, daß ihm für jedes Jahr seiner Verbannung ein Lak Rupien auszuzahlen sind, welche Summe der Graf Polikeff zu tragen hat. Aus diesem Grunde sind die Güter des Letzteren augenblicklich mit Beschlag zu belegen."[3]

Die allgemeine Freude nutzt der Major, um nochmals auf die benötigten Pferde zurückzukommen, doch ohne Ergebnis. Allerdings verspricht Steinbach, üble Folgen abzuwenden und so findet der Tag nur dergestalt noch ein blutiges Ende, dass einiges Schlachtvieh sein Leben lassen muss, um gebraten als Milas Verlobungsmahl zu dienen.

Doch der Tag ist noch nicht zu Ende: Steinbach findet auch noch heraus, dass Karparla die leibliche Tochter der Barths ist, was zwar für ihre Zieheltern ein gewaltiger Schock ist, wie aber später zu sehen sein wird, sie endgültig dazu bewegt, erst einmal mit nach Deutschland zu reisen, wo Karparla die Schwägerin ihrer Freundin Mila werden wird.

Anmerkungen

  1. Karl May: Deutsche Herzen - Deutsche Helden. Erstausgabe, Münchmeyer, 16. Januar 1886, S. 1872, hier online.
  2. May, Herzen – Helden, S. 2276 f., hier online.
  3. May, Herzen – Helden, S. 2284, hier online.

siehe auch

Link-Liste aller Personen und Handlungsorte