Kümmelblättchen

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Das Spiel Kümmelblättchen ist ein in Bauernfängerkreisen weit verbreitetes Betrugsspiel. Die Bezeichnung des Spieles rührt nicht von dem Gewürzkümmel her, sondern von dem jiddischen Wort "kimel", was gleichbedeutend mit "gimel", dem hebräischen Zeichen für 3, ist, da es auch nur mit drei Karten gespielt wird. Im Prinzip ähnelt es dem "Hütchenspiel".

Im Wilden Westen war hierfür auch die Bezeichnung "Three card monte" oder "Find the lady" gebräuchlich.

Spielregeln

Gespielt wird das Spiel zwischen zwei Leuten, dem Geber (auch genannt der "Werfer") und dem Spieler (oder der "Setzer"), und mit drei Karten, von denen zwei die gleiche Farbe haben (meistens schwarz). Dies sind die "Verlustkarten". Die dritte Karte ist die sogenannte "Trumpfkarte" oder "Gewinnkarte" (häufig eine Dame, daher auch der englische Name des Spiels: Find the Lady). Die Karten sind oft leicht gewölbt, damit sie sich besser aufnehmen lassen.

Der Geber hält mit Daumen und Zeigefingerspitzen in jeder Hand eine Verlustkarte und zeigt sie dem Spieler. Dann nimmt er mit Mittelfinger und Daumenspitze einer Hand die Gewinnkarte auf und zeigt sie ebenfalls dem Spieler. Nun wirft er die Gewinnkarte auf den Tisch, die beiden Verlustkarten neben sie und beginnt sie schnell zu verschieben, so dass sie ihre Plätze tauschen.

Hiernach wird der Spieler aufgefordert, auf die Gewinnkarte zu tippen, wofür er aber einen Geldbetrag setzten muss, den er doppelt zurück erhält, wenn er richtig liegt.

Dieses Verfahren wird einige Zeit lang angewendet, um den Spieler wagemutiger zu machen. Wenn er beginnt, höhere Einsätze zu machen, wendet der Geber unterschiedliche Techniken an, um die Position der Gewinnkarte beeinflussen zu können; man spricht davon, dass er "scharf wirft". Der Spieler ist jetzt nicht mehr in der Lage, die richtige Position der Gewinnkarte auszumachen, und verliert. Deshalb wird Kümmelblättchen rechtlich nicht als Spiel, sondern als Betrug angesehen.

Meist arbeitet der Geber mit mehreren Leuten zusammen:

  • Spitzel warnen den Geber frühzeitig vor den Ordnungshütern
  • Lockvögel machen Einsätze und zeigen dem wirklichen Opfer, wie leicht das Spiel scheinbar zu gewinnen ist
  • Muskelmänner passen auf, dass keiner sein Geld zurück verlangt

Andere Namen für das Spiel sind: Three Card Monte (USA), Find the Lady (England), Bonneteau (Frankreich).

Das ähnlich aufgebaute "Hütchenspiel" ist wahrscheinlich ein naher Verwandter.

zeitgenössische Presse

Eisleber Tageblatt, Donnerstag, den 11. Juli 1901:

Kümmelblättchenspieler
Dem auf der Wanderschaft befindlichen Fleischergesellen K. schloß sich am 8. des Monats hinter Riestedt ein angeblicher Bäcker an, denen sich weiterhin noch ein dritter unbekannter Mann gesellte. Man kam auf das Kartenspiel zu sprechen und die Fremden schlugen dem Fleischergesellen vor, es einmal mit dem Kümmelblättchenspiel zu versuchen, worauf auch eingegangen wurde. Zuerst wurde um nichts, dann um eine "Runde" und endlich um eine Tonne Bier gespielt, wobei der Fleischer, um ihn sicher zu machen, jedesmal gewann.
So setzte jeder 20 Mark, die, wie vorauszusehen war, der Fleischer verlor. Da dieser anderes Geld nicht mehr besaß, so wurde mit dem Spiel aufgehört und einer der Fremden entfernte sich nach Riestedt zu, während der Bäcker mit dem um seine Barschaft Erleichterten ein Stück des Weges weiter ging, bis wieder ein Fremder ihnen begegnete, der den Bäcker zur "Arbeit" bei seinem Schwager in O.-Röblingen a/H. anwarb. Diese beiden schlugen den Weg nach Riestedt ein und ließen den gerupften Fleischer allein seine Straße ziehen. Offenbar haben sich die drei Unbekannten zusammengethan, um unerfahrene Leute mittels des edlen Kümmelblättchens auszuplündern.
Darum sei vor dem sauberen Kleeblatt gewarnt.

bei Karl May

Dieses betrügerische Kartenspiel spielt in der Erzählung Der Brodnik von Karl May eine handlungsrelevante Rolle. Und die Handlung entspricht fast dem oben geschilderten Ablauf.

Das Spiel ist auch (in englischer Bezeichnung) Namensgeber für die Erzählung Three carde monte.

Weblinks