Erich Sello

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Erich Sello auf dem Deckelbild der M-KMG Nr. 176

Erich Emil Ludwig Eduard Sello (* 29. Februar 1852; † 9. Dezember 1912) war Justizrat in Berlin, Rechtsanwalt und Schriftsteller.

Leben

Erich Sello kam auf Sanssouci bei Potsdam als Sohn des königlichen Oberhofgärtners Emil Ludwig Walther Sello zur Welt. Seine Familie konnte auf eine lange, ununterbrochene Tradition als königliche Hofgärtner zurückblicken und wurde von der königlichen Familie geschätzt. Sello unterbrach sein Studium der Rechtswissenschaften für die Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg. Eine Verwundung verhinderte eine geplante militärische Laufbahn. Nach Studium (erst in Jena, dann in Berlin), Referendariat und Assistenz wurde Sello 1879 Rechtsanwalt, 1884 Notar und 1885 Justizrat. In den folgenden Jahren wurde er ein bekannter und gesuchter Strafverteidiger in Berlin. Den hervorragenden Ruf begründete er besonders durch seine erfolgreiche Verteidigertätigkeit im Neustettiner Synagogenbrandprozess 1883/84.

Im Jahre 1900 verteidigte er den wegen Sittlichkeitsvergehen an Minderjährigen angeklagten Berliner Bankier August Sternberg. 1907 bis 1909 vertrat Sello in einem Beleidigungsprozess den Berliner Stadtkommandanten Graf Kuno von Moltke gegen den mit Sello befreundeten Zeitungsverleger Maximilian Harden, der dem deutschen Diplomaten Fürst Philipp Eulenburg-Hertefeld sowie dem Berliner Polizeipräsidenten von Richthofen homosexuelles Empfinden unterstellt und einen unheilvollen Einfluss dieser "Hofkamarilla" auf den Deutschen Kaiser beklagt hatte. 1910 verteidigte Sello erfolgreich eine Nymphomanin, Herta Antonie Schönebeck, die Frau des Allensteiner Majors Gustav von Schönebeck, die ihren Liebhaber, den Hauptmann Hugo von Göben, dazu getrieben hatte, den eigenen Ehemann umzubringen.

Sellos berufliches Engagement trug ihm aber auch Anfeindungen ein. Bei der Verteidigung Sternbergs wurde er durch Justiz und Presse der Begünstigung und des unsauberen Verhaltens verdächtigt, weil er sich rückhaltlos für den seiner Meinung nach juristisch unschuldigen Angeklagten einsetzte. Diese kompromisslose Haltung trug ihm erhebliche Rufschädigung und Verfolgung ein, und schließlich legte er die Verteidigung nieder.

Neben seiner Verteidigerlaufbahn übte er von 1881 bis 1884 ein Mandat als Reichstagsabgeordneter für die Liberale Vereinigung aus. Ferner war Sello ein hervorragender Literatur- und Shakespearekenner, Kunstsammler und Dichter. Neben zahlreichen Essays veröffentlichte er auch einen Gedichtband "Erntetag".

Erich Sello starb nach vermeintlicher Besserung im Dezember 1912 an Diabetes und Nierenleiden. Eine Biografie Sellos nebst Verzeichnis seiner Schriften ist enthalten in dem Buch "Der Prozeß um den Brand der Synagoge in Neustettin".

Erich Sello und Karl May

Stempelmarke

Sello wirkte als Verteidiger bei zahlreichen Sensationsprozessen der ausgehenden Kaiserzeit mit und war einer der bekanntesten Strafverteidiger Deutschlands.

Unter der Vermittlung von Maximilian Harden übernahm 1911 dessen Freund und Rechtsberater Sello die Verteidigung Karl Mays im Berufungsverfahren gegen das Charlottenburger Urteil im Beleidigungsprozess gegen Rudolf Lebius. Wie oft Anwalt und Mandant im Vorfeld zusammentrafen ist nicht geklärt. Gesichert scheint auf jeden Fall ein Treffen am 9. Dezember 1911 in Sellos Berliner Büro. Die Verhandlung fand am 18. Dezember 1911 statt.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.

Weblinks