Hariman Enters

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Hariman Enters
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Winnetou IV

Hariman F. Enters ist ein Sohn von Sander und somit der Bruder von Sebulon Enters.

[Er ist] ein wohlgebauter, glattrasierter Mann im Alter von ungefähr vierzig Jahren. Er machte einen wohlwollenerweckenden Eindruck, ohne grad das Benehmen eines hochgebildeten Mannes zu zeigen. Er trat bescheiden auf, war aber trotzdem dabei auch ein wenig Protz. Das von den traurigen Augen, das stimmte. Lachen schien er gar nicht zu können, und wenn er ja einmal lächelte, so machte das mehr den Eindruck der Qual als der Heiterkeit.

In seiner Familie vererbt sich ein Zwang zum Selbstmord:

Die Mutter hatte Gift genommen. Der Vater war spurlos verschwunden. Von den fünf Kindern, die lauter Söhne waren, lebten nur noch zwei. Sie alle sind verheiratet gewesen, aber von ihren Frauen verlassen worden, weil bei ihren Kindern der Drang zum Selbstmord schon im Alter von neun oder zehn Jahren eingetreten ist und sich derart schnell entwickelt hat, daß nur ein einziges von ihnen das Alter von sechzehn Jahren erreichte.

Die fünf Brüder hatten ein Großgeschäft in Pferden, Rindern, Schafen und Schweinen und sind infolgedessen ziemlich reich geworden.

Hariman kommt nach Radebeul zu Old Shatterhand und gibt sich als Verlagsbuchhändler aus, der den Winnetou-Roman für den amerikanischen Markt kaufen will.

In Wirklichkeit will er das Werk verschwinden lassen, da es seinen Vater belastet. Der Schriftsteller durchschaut ihn, sagt Hariman und seinem Bruder jedoch ein weiteres Treffen im Clifton-Hotel in Kanada zu.

Dort kommt es aber nur zu einer kurzen Begegnung im Prospect-House. Die beiden Enters wollen den Nugget-tsil und das "Dunkle Wasser" sehen und bieten Old Shatterhand an, ihm den Beratungsort der Winnetou-Feinde zu zeigen. Dieser lehnt ab, bietet ihnen aber an, sie in Trinidad zu treffen und zu prüfen.

Es kommt jedoch in Trinidad zu keiner Begegnung. Stattdessen werden die beiden Brüder von Kiktahan Schonka, Tangua, Tusahga Saritsch und To-kei-chun an der Teufelskanzel aufgefordert, Old Shatterhand und seine Frau Herzle in eine Falle zu locken.

Sie treffen Old Shatterhand und seine Begleiter am Nugget-tsil, wo er ihnen die Stätte einer der vielen Untaten ihres Vaters zeigt. Das macht einen niederschmetternden Eindruck auf Hariman; er hilft seinem Bruder, die Tongefäße, die Winnetous Testament enthalten, zu öffnen, in denen die Brüder Gold vermuten.

Hariman ist über den wahren Inhalt weniger enttäuscht als sein Bruder. Unter dem Eindruck der Erlebnisse am Nugget-tsil und der Geschichte von Dschinnistan und dem Clan Winnetou, die der Junge Adler dort erzählt, entschließen sich Hariman und sein Bruder spontan, ebenfalls Mitglieder des Winnetou-Clans zu werden. Dazu müssen sie heimlich der Beschützer eines anderen Menschen sein.

Am Mount Winnetou können die beiden Brüder Antonius Paper und William Evening belauschen und erfahren so, dass sie von Kiktahan Schonka verraten werden sollen. Sie berichten Old Shatterhand alles, was sie wissen, und warnen ihn vor den vier Häuptlingen. Hariman übergibt Old Shatterhand einen Kontrakt, der die Zusammenarbeit der Kommiteemitglieder Paper und Evening mit den Häuptlingen beweist.

Als bei der Festnahme des Nigger dieser auf Old Shatterhand, den Hariman als "Winnetou" beschützen will, schießt, wirft sich Hariman dazwischen und wird tödlich getroffen. Der so Beschützte vergibt ihm und seinem Vater; dann stirbt Hariman F. Enters.

Spiegelung

Sowohl Hariman als auch sein Bruder lassen sich als Selbstspiegelungen Karl Mays interpretieren.[1] Die Parallelen sind dabei sehr weitreichend:

Die Parallelisierung von Realität und Fiktion läßt sich an mehreren traumatischen Schlüsselsituationen festmachen, die für Mays Existenz von gar nicht zu unterschätzender Bedeutung waren. Sie betreffen

  1. seinen Versuch, die Münchmeyer-Neuauflagen zu verhindern und damit seine Vergangenheit zu verheimlichen,
  2. die wichtige Rolle des Geldes in seinem Leben samt dessen Einflüssen auf die schriftstellerische Arbeit,
  3. seine psychische Verfassung zur Zeit der kriminellen bzw. Rehabilitationsphase,
  4. das Verhältnis zu seinen Eltern, insbesondere zum Vater, eine Problematik, die sich ihm gegen Ende des Lebens offenbar verändert und verschärft neu gestellt hatte,
  5. seine Altersperspektive.

Der Roman [Winnetou IV] hält, wie im folgenden gezeigt werden soll, unter literarischer Tarnung schonungslose Abrechnung mit einem gegen Lebensende als falsch erkannten oder geahnten Weg.[2]

Die Enters-Brüder symbolisieren in dieser Interpretation zwei verschiedene Entwicklungsphasen Mays. Hariman ist schon weiter fortgeschritten als sein Bruder, und hofft auf die Erlösung des Vaters durch Old Shatterhand.[3]

Einzelnachweise

  1. Günter Scholdt: Vom armen alten May. Bemerkungen zu "Winnetou IV" und der psychischen Verfassung seines Autors, S. 115-124. In: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1985 (Onlinefassung).
  2. Scholdt, S. 116.
  3. Scholdt, S. 118, 122.

Literatur

Informationen zu Figuren in Karl Mays Werken finden Sie auch im Karl May Figurenlexikon.
Die zweite Auflage dieses Werkes finden Sie online auf den Seiten der KMG.