Mary Meyer

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Mary Meyer, eigentlich Marie Sophie Meyer (* 1851 in Rathenow; † 1928 in Dessau), war Schriftstellerin und Übersetzerin.

Leben

Marie Sophie Meyer machte in den 1870er Jahren eine Ausbildung zur Diakonisse. Erfahrungen sammelte sie in verschiedenen Gefängnissen und Hospitälern in mehreren Ländern und gründete in Berlin eine "Gouvernantenheimat" nach englischem Vorbild. Nach 1900 wohnte Marie Sophie Meyer in Barnim; 1904 zog sie nach Dessau.

Sie war Leserin der Zeitschriften Schacht und Hütte, Unsere Zeit und Feierstunden am häuslichen Heerde. Sie übersetzte eine italienische Broschüre ins Deutsche. Anfang des 20. Jahrhunderts schrieb Mary Meyer für Thekla von Gumperts Töchteralbum sowie für die Times. Erst nach ihrem Tod wurden ihre Memoiren als dreibändige Lebensgeschichte veröffentlicht.

Mary Meyer und Karl May

Erster Briefwechsel 1876

Die erste Nachricht Karl Mays an M. S. M. in Berlin, Swinemünderstraße findet sich in der Rubrik Briefkasten von Nr. 49 (dritte Augustwoche 1876) des ersten (einzigen) Jahrgangs von Schacht und Hütte. Diese Zeitschrift wurde von May redigiert und erschien im Verlag H. G. Münchmeyer. Der kurze Text Mays ist eine Briefkastenantwort auf eine Anfrage Fräulein Meyers und lautet:

Der Schreiber Dieses ist es selbst, nach dem Sie sich erkundigen. Möchten die herzlichen und wohlgemeinten Worte, welche er außer seinen "Geographischen Predigten" besonders für die ersten Nummern von "Schacht und Hütte" schrieb, Verständniß und – Beherzigung finden! Ihr freundliches Urtheil hat uns lebhafte Freude bereitet. Die betreffenden Beiträge müssen wir leider ablehnen; das eingesandte Gedicht aber wird abgedruckt. Dank und herzlichen Gruß![1]

Das vierstrophige Gedicht erschien tatsächlich in Heft 51 (erste Septemberwoche 1876) unter der Rubrik Allerlei. Es hat keinen Titel und beginnt mit den Worten Mutter, bewache deines Kindes Schritte. Unterzeichnet ist es mit Marie Sophie Meyer, Berlin.[2] Es handelt sich dabei allerdings nicht um ein von Meyer verfasstes Werk, sondern um eine von ihr angefertigte Übersetzung eines Gedichts von Mary Ann Kidder.

Der früheste bekannte Brief Karl Mays an Marie Sophie Meyer in Berlin datiert auf den 7. September 1876. Darin riet er ihr ab, Diakonisse zu werden. Weiterhin heißt es:

Kirchenvater Augustin sagt: Des Menschen Herz ist ruhelos, bis es ruhet in Gott! u[nd] ebenso der Psalmist: Meine Seele ist stille in Gott! Es sind dies herrliche Worte, aber ich habe viel über sie gedacht, gesonnen und geträumt, – ehe ich sie verstehen konnte [...] Ich habe viele ungläubige Leute gesehen: sie gingen an ihrem eigenen Hochmuth unter. Ich habe viele fromme Leute gesehen: sie gehen an ihrer süßen Demuth zu Grunde. Ich bedaure Beide!!![3]

Am 19. September antwortete Fräulein Meyer auf Mays Brief und schrieb:

Ich habe [mich] wohl in m[einen] Briefen zu sehr gehen lassen, w[ie] es wohl einem 24jährigen Mädchen einem jungen Herrn gegenüber nicht ziemt. Aber – ja lachen Sie nur! – Sie dürfen nicht zürnen, mir ist es gleich, ob Sie ein junger hübscher Mann von 30 Jahren oder ein alter häßlicher von 70 J[ahren] [sind] – den Denker, der große Geist in Ihnen ist es – den ich liebe – verehre – bewundere.[4]

Nach Marie Sophie Meyers späteren Angaben hat sie damals zehn Briefe von Karl May erhalten.[5]

Zweiter Briefwechsel 1905

Fast dreißig Jahre später, am 18. Februar 1905 schrieb Marie Sophie Meyer, die inzwischen Schriftstellerin geworden war und sich "Mary Meyer" nannte, an Karl May einen Brief. Darin berichtete sich davon, dass sie in Kairo einen von Mays Kolportage-Romanen bekam, beim Verlag nachfragte, ob ihr Karl May der Verfasser sei, dies bestätigt bekam und sehr enttäuscht von ihm war. Später aber las sie zunächst Und Friede auf Erden! und dann Am Jenseits und freute sich, dass Karl May sein Adlerflug in die höchsten Geistesregionen gelungen ist. Außerdem bat sie May um ein Foto und zitierte seinem Brief vom 7. September 1876. Weiterhin erbat sie sich ein gewidmetes Exemplar der Himmelsgedanken.[6]

May schickte ihr wohl recht bald das Gewünschte, denn am 25. Februar dankte sie ihm dafür und versprach Karl May, nach Lektüre aller seiner Bücher in der Times über ihn zu schreiben.[7]

Dritter Briefwechsel 1908–1912

Einen Gruß Mary Meyers brachte ihre Freundin Schwester Selma Fehre, die Karl May am 22. Februar 1908 in der Radebeuler Villa "Shatterhand" besuchte und sich in sein Gästebuch eintrug.

Inzwischen stand Mary Meyer mit Karl Mays zweiter Frau Klara im Briefwechsel. Sie schrieb am 30. März 1908 an die Schriftstellersgattin von Karl Mays Operation. Durch Selma Fehre habe sie erfahren, dass es ihm wieder besser ginge:

[...] ich hatte mich unbeschreiblich im stillen gesorgt.[8]

In einem Brief Klara Mays, der vermutlich im Februar oder März 1911 verfasst wurde, erbat sie sich von Fräulein Meyer Karl Mays Briefe aus dem Jahre 1876.[9]

Karl Mays Wohlbefinden war auch Thema des nächsten bekannten Briefes von Mary Meyer an Klara May vom 13. März:

Sehr sehr leid thut es mir, daß Ihr lieber Gatte noch immer leidend ist u[nd] auch daß Ihre Gegner das Inserat aufgegeben haben Wie traurig und gemein! [...] Wenn irgend möglich, komme ich diesen Sommer zu Ihnen [...]

Mays alte Briefe könne sie nicht senden, weil diese in ihr Tagebuch eingeklebt seien.[10]

Klara Mays Antwortbrief erhielt sie wohl am 17. März. Darin heißt es, Karl May habe den damaligen Briefwechsel vergessen. Mary Meyer war darüber wohl verstimmt, und das hatte Folgen, wie ihr nächster Brief vom 20. März darlegt:

Als ich nun Ihren lieben Brief in voriger Woche bekam, worin sie baten, die Briefe zur Einsicht zu senden, da fühlte ich wohl, wie peinlich es für Karl May sei, Briefe aus einer ihm aus dem Gedächtnis entschwundenen Episode nicht zu kennen. Ich habe mir deshalb am Freitag sämtliche Manuskripte und Dokumente in meiner Wohnung geholt und alles, was mit K[arl] M[ay] in Verbindung steht, herausgeschnitten und mit den Briefen verbrannt. [...] Ich hoffe ich habe K[arl] M[ay] damit eine Freude gemacht, u[nd] auch Sie liebste Freundin müssen mir darin recht geben. Seit ich Ihres Gatten Lebensweg so ganz kenne, finde ich mich in den Briefen nicht mehr zurecht – ein ganz anderer Karl May ist es, der damals die herzenstiefen u[nd] geistreichen Gedanken aussprach, so glockenrein – ganz Musik –! Und Frau Emma?! Nein es ist besser, diese Vergangenheit ist tot für uns drei. Und nun Schluß damit.[11]

Der am 13. März für den Sommer angekündigte Besuch Mary Meyers bei Mays in Radebeul fand wohl tatsächlich im August 1911 statt. In Klara Mays Tagebuch heißt es nämlich in diesem Monat:

Ball & Frau – Mary Mayer [sic] – Viel Besuch – Kampf ohne Ende – Herzle[12] erholt sich zuhause wundervoll.

Karl May und Mary Meyer begegneten sich dabei zum ersten Mal; Klara May macht Fotos von diesem Besuch.[13]

Am 17. September schrieb Mary Meyer einen Dankesbrief an Karl und Klara May für die Gastfreundschaft und für schöne Erinnerungsbilder:

Dank, warmen herzinnigen Dank für die köstlichen Stunden die ich mit u[nd] bei Ihnen verleben durfte. Es war unvergeßlich schön.[14]

Über einen Monat später, am 22. Oktober, erkundigte sich Fräulein Meyer nach dem Prozess gegen Rudolf Lebius:

Waren Sie lange in Berlin, u[nd] wo sind Sie jetzt? Ist der Prozeß zu Ihren Gunsten entschieden, oder haben die Widersacher gesiegt? War die Reise nach Würtemberg [sic] von Erfolg gekrönt? Ach ich möchte soviel wissen u[nd] wünsche manchmal ich hätte Flügel u[nd] könnte zu Ihnen fliegen in Ihr trautes Heim u[nd] alle Fragen persönlich stellen u[nd] gleich Antwort hören.[15]

Der letzte bekannte Brief Mary Meyers an die Mays datiert auf den 24. Februar 1912. Darin schrieb sie:

Bekannte von mir wohnten der Berliner Gerichtsverhandlung bei, u[nd] schrieben mir seinerzeit ein recht abfälliges Urtheil über Ihre Gegner. [...] Es kann ja unmöglich so weiter gehen. Sie gehen Beide zugrunde.[16]

Tatsächlich starb Karl May etwa einen Monat später.

Sonstiges

In einem Brief an Hans Zesewitz bezeichnete Euchar Albrecht Schmid am 1. Februar 1937 Mary Meyer als "eine zweite (oder dritte) Jugendliebe"[17] Sie habe - so Schmid - "früher öfters an Frau [Klara] May geschrieben, und zwar recht eigenartig". Die Briefe sind nicht erhalten. Fritz Prüfer kannte Mary Meyer und ermittelte, dass "Karl May [...] die Dame, gleich nachdem er nach Dresden zu Münchmeyer kam, dadurch kennengelernt [hat], daß er in ihren Kreisen aus seinen Schriften vorlas."[18] Euchar Schmidt schreibt, dass - nach der Meinung von Ludwig Patsch - Mary Meyer eine der beiden Töchter der in Mays Autobiographie erwähnten "Pfarrerswitwe" sei. Hans-Dieter Steinmetz hält das für unwahrscheinlich.[19]

Anmerkungen

  1. Karl May: Briefkasten. In: Schacht und Hütte. 1. Jg., Nr. 49, S. 392. (Onlinefassung)
  2. Allerlei. In: Schacht und Hütte. 1. Jg., Nr. 51, S. 408. (Onlinefassung)
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 218 f.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 219.
  5. Hatzig: Charly May und Mary Meyer, S. 13.
  6. Hatzig: Charly May und Mary Meyer, S. 13 f.; Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 462.
  7. Hatzig: Charly May und Mary Meyer, S. 14; Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 465.
  8. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 512.
  9. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 431.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 431.
  11. Hatzig: Charly May und Mary Meyer, S. 14; Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 433 f.
  12. Gemeint ist Karl May.
  13. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 483.
  14. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 483, 492.
  15. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 505 f.
  16. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 557.
  17. Steinmetz: Der Karl-May-Forscher Hans Zesewitz, S. 91
  18. Steinmetz: Der Karl-May-Forscher Hans Zesewitz, S. 91
  19. Steinmetz: Der Karl-May-Forscher Hans Zesewitz, S. 91

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.