Erich Mühsam

Aus Karl-May-Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Erich Kurt Mühsam (* 6. April 1878 in Berlin; † 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg) war ein anarchistischer deutscher Schriftsteller, Publizist und Antimilitarist.

Erich Mühsam und Karl May[Bearbeiten]

1910 erhielt Karl May eine Karte, die neben anderen Unterschriften auch die Erich Mühsams enthielt. Hetty Heide schrieb darüber am 15. Mai 1910 an Mays zweite Frau Klara:

Die Karte von Erich Mühsam aus der "Torggelstube" (ein beliebtes Weinrestaurant neben dem Hofbräuhaus) halte ich, offen gesagt, für einen sogenannten Bierulk. Es war in letzter Zeit hier geradezu Mode, an Karl May Karten schreiben zu wollen. Ich habe es stets, aus naheliegenden Gründen, abgelehnt. Die Unterzeichneten kennen wir natürlich alle. [...] – Ich halte die Karte für recht amüsant für Sie – aber sonst unverwendbar.[1]

Am 17. Juli 1912 notiert er in seinem Tagebuch:

Frau Klara May, die Witwe Karl Mays schickt mir einen – schon abgesetzten – Aufsatz von Dr. Euchar Schmid „Karl May’s literarischer Nachlaß“. Sie bittet, ihn im „Kain“ zu drucken und ihr 50 Hefte unter Nachnahme zu senden. Lieber nicht.[2]

Am 19. Juli ergänzt er:

Frau Klara May erstickt mich in Drucksachen. Heut kam ein langer Brief von ihr, der von rührender Liebe zu dem verstorbenen Mann zeugt. – Es ist merkwürdig: meine persönlichen Beziehungen zu sehr bedeutenden und berühmten Persönlichkeiten haben mich niemals eitel gemacht. Jetzt aber, wo es sich um einen Toten handelt, der mir in meinen Schuljahren wie ein ganz Großer, wie ein gewaltiger Klassiker vorkam, und ich sehe mich plötzlich als den Vertrauten seines Weibes, das menschlichen Anteil für ihn erbittet, da ist mir ganz eigen zu Mute und ich komme mir vor, als wäre ich aus der Zeit genommen und Vertrauter und Tröster aller Verkannten und aller Generationen geworden.[3]

In der Zeitschrift "Kain" vom April 1912 schrieb er eine längere Betrachtung zu Karl May.

Es mögen wohl zwanzig Jahre her sein, seit ich zuletzt im „Guten Kameraden" Maysche Erzahlungen las. Ich kann mich also nicht mehr erinnern, ob sein Stil zu Einwendungen grossen Anlass gab. Ich nehme an, dass er nicht miserabler war als der der frommen und patriotischen Geschichten der Schullesebücher. Aber ich will eine Kanaille heissen, wenn ich je leugnen sollte, dass mich, als ich Quartaner war, "Winnetou", "Die Sklavenkarawane" und "Der blaurote Methusalem" verdammt mehr begeistert haben, als alle Heldenstudien des Cornelius Nepos zusammengenommen. Wenn es wahr ist, dass Karl May als junger Mensch Räuberbanden organisiert hat, so beweist das garnichts gegen seine schriftstellerischen Fähigkeiten, erklärt aber viel von seiner phantastischen Erfindungskunst und erweist all sein in den Buchern behauptetes Erleben als innerlich wahr. Sein Abenteurertum — meinetwegen nennts seinen verbrecherischen Instinkt — hat sich eben in späteren Jahren vergeistigt, sein Tatendrang hat sich in Phantasie umgesetzt, und wir Jungen hatten den Vorteil froher Erregungen und kühner Vorstellungsbilder davon, die unsere bestellten Padagogen mit der Durchkauung klassischer Dramen nur unter Schweissverlust wieder eliminieren konnten.
Was mögen sich die Leute wohl unter dichterischem Schaffen vorstellen, die May vorwerfen, er sei garnicht in den Ländern gewesen, die er beschrieben hat? Dass das nicht aus der Lektüre seiner Werke hervorgeht, sondern erst durch Nachschnüffelung konstatiert werden muss, wollte, meine ich, jedes Gebelfer gegen sein Talent zum Schweigen bringen. Als wir "Wilhelm Tell" lasen, wurde uns als besonderes Verdienst Schillers gepriesen, dass er nie in der Schweiz war und nur aus der Phantasie seine Kulissen-Landschaften schuf. Schreibt aber heute jemand eine Unterhaltungsgeschichte, deren Helden Sudanesen sind, so hat er vor strengen Richtern zu erweisen, dass er wirklich selber im Sudan gelebt hat. Was alles seine Angreifer gegen May vorbringen, spricht für ihn, und es ist schändliche Undankbarkeit derer, die ihre besten Jungenstunden seinen Mordsgeschichten verdanken, dem Manne, der das Prädikat eines Dichters ohne Einschränkung verdient, nachträglich seine Verdienste zu schmälern.
Ich fühle mich nicht zum Tugendwächter geschaffen, und wenn ich heute vor die Wahl gestellt würde, entweder Mays Erzählungen oder die Entrüstungsartikel gegen Karl May zu lesen, bei Gott! zu den Zeitungsblättern griffe ich nicht.

Werke in Bezug auf May[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]