Der Weg zum Glück/Samiel

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Der Weg zum Glück ist in mehrere unabhängige Handlungsstränge gegliedert, die sich im Laufe des Romans verbinden. Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Entdeckung und Überführung des Samiel. Die Handlung spielt nach allem bisher erzählten Geschehen und beginnt mit dem neunten Kapitel auf Seite 1766.[1]

Neuntes Capitel. Der Samiel.

Nahe Oberdorf und auch nahe Eichenfeld liegt der kleine Ort Kapellendorf mit dem Kronenhof, dem schönsten und reichsten des Dorfes nur wenig außerhalb des Weichbildes. Dort leben der Kronenbauer mit seiner zweiten Frau Kathrin, seinem Knecht Fritz Hiller und weiterem Gesinde. Nicht weit vom Dorf liegt die Försterei, in der der Förster Wildach mit seiner Nichte Martha lebt. Das Verhältnis des Bauern zu seinem Großknecht ist ausgesprochen herzlich, beinahe zärtlich, von Fritz aus gepaart mit Mitleid, weil der Bauer seit einem Pulverschuss des Samiel blind ist.

Charakter und Vorgeschichte

Das Verhältnis des Bauern zu Käthe ist eher unklar: einerseits nennt er sie zärtlich Kätherl, andererseits sagt er zu Fritz ganz klar, dass dieser der einzige ist, auf den er sich verlassen kann. Und Kathrin erscheint tatsächlich gleich zu Anfang als scheinheilig:

Wahrlich, Diejenigen, welche sie ein schönes Weib nannten, hatten sehr Recht! Vielleicht war sie eine der schönsten Frauen Bayerns, und das will was sagen, wie Jedermann weiß.
Eigenthümlich war es, daß sie ganz wie ein unverheirathetes Mädchen gekleidet war, ganz gegen die strenge Sitte der Gegend, welche es nicht duldet, daß eine verheirathete Frau sich die Freiheiten des ledigen Standes erlaubt.
Die kurzen, dunkelblauen Röcke, unten an der Kante mit Silberborte besetzt, gingen ihr nur bis halb auf die kräftigen Waden. Das Füßchen war der Fuß eines Kindes. Die runden, vollen Hüften trugen eine Taille, welche fast zum Handumspannen war. Umso mehr traten die vollen Arme, der schlanke und doch fleischige Hals und besonders der herrlich gebildete Busen hervor, über welchem silberne Spangen besorgt zu sein schienen, das Platzen des Mieders zu verhüten. Um den Hals hing eine schwere Silberkette; eine ebensolche war auch um das Hütchen gewunden.
Das Gesicht war von schneeweißer Farbe und tief rosig angehaucht - wie Milch und Blut. Die großen, dunklen Augen hatten einen Ausdruck selbstbewußter Güte. Um die frischen, vollen Lippen spielte ein mildes Lächeln - kurz und gut, die Kronenbäuerin hatte das Aussehen eines jungen Mädchens von achtzehn bis zwanzig Jahren, und doch wußte Jedermann, daß sie die Dreißig bereits hinter sich habe.
[...]
Es schoß wie ein Blitz des Hasses aus ihren Augen auf ihren Mann. Im nächsten Augenblicke aber traf dieser Blick den Knecht mit ruhiger, wohlthuender Wärme. Es gehörte ein scharfer Beobachter dazu, diesen gedankenschnellen Wechsel zu bemerken. Dieses schöne, verführerische Weib war ein Vulkan, auf dessen Gelände Trauben reifen, Orangen glänzen und Rosen duften, in dessen Innern aber eruptive Gewalten ihr unheimliches, beängstigendes Wesen treiben. Wehe dann, wenn der Krater seine verheerende Lava speit. Dann ist es aus mit Blüthe, Duft und Blumenpracht.
[...]
Sie schoß noch einen blitzartigen, stechenden Blick in das Gesicht ihres Mannes, welches jenen wachsartigen Schein hatte, den man bei Blinden so oft beobachtet, und ging dann davon.[2]

Sie möchte Fritz gern als weiteres Spielzeug haben. Nachdem seine erste Frau aus Gram um den Verlust ihres geraubten Kindes und aus – eigentlich fast grundloser – Eifersucht starb, machte der Bauer die Käthe zur Kronenbäuerin. Jetzt ist er - berechtigterweise - auf sie eifersüchtig.

Nun kann natürlich keine neue Handlung beginnen, ohne dass der Wurzelsepp auftaucht, um sich - und den Leser - zu informieren:

Das Gespräch dreht sich zunächst um den Samiel, einen Räuber, der sich nur im Umkreis von Kapellendorf betätigt und so kaltblütig wie erfolgreich ist. Er hat nicht nur seinerzeit den Kronenbauern blind geschossen, sondern ihm auch einen Brief geschrieben, den der Bauer aber immer verschwiegen hat, weil er auch die Kathrin betrifft. Dem Sepp will er das Papier zeigen, erzählt ihm aber zum Verständnis erst seine ganze Geschichte: er hatte in erster Ehe nur aus Geldgier geheiratet und die Ehe war eine Katastrophe, Freude hatte er nur an dem Sohn. Dann kam Kathrin als sein Mündel auf den Hof und war bald bei allen beliebt, besonders bei ihm. Schließlich hing ihm die Fünfzehnjährige eines Abends am Hals und küsste ihn. – Was zu Lebzeiten seiner Frau jedoch wohl auch das Äußerste war.

Die Bäuerin will mit Fritz zur Kapelle gehen
"Dann kam eine Zeit, in welcher Dinge geschehen sind, von denen ich nicht sprechen will. Meine Frau starb, und ein Jahr nach ihrem Tode hab ich das Kätherl heirathet."[3]

Nun aber erkaltete die Liebe der jungen Frau zusehends, Zärtlichkeiten wies sie zurück und eines Tages erwischte der Kronenbauer sie mit dem Knecht. Dann kam der Tag, an dem der Bauer Fritz mitbrachte, seinen jetzigen Knecht, damals noch ein kleiner Junge.

"Sie hat ihn haßt und haßt ihn noch heut, weil - weil - na, das kann ich nicht sagen; das gehört auch gar nicht zu meiner Verzählungen. Ich will nur sagen, daß sie im Stillen eine Tyrannin gegen ihn gewest ist, und daß wir deshalb noch weiter als vorher ausnander kommen sind. Ich hab mich oft seiner derbarmen mußt, bis ichs endlich so weit bracht hab, daß sie sich gar nimmer um ihn kümmert hat."
"Da war nun endlich Ruh im Haus!"
"Nein, sondern da hat dera Krieg erst recht begonnen. Sie hat sich nicht mehr um ihn bekümmert, aber auch um mich nicht. Sie hat sagt, daß sie zwar die Bäuerin sei, aber nicht mehr meine Frau sein wollt. Von dera Zeit an hat mir die Magd das Essen kochen müssen, und ich bin ein Wittwer worden, trotzdem ich eine junge und schöne Frauen hab."[4]

Der Kronenbauer erwischte sie wieder, diesmal mit dem Jägerburschen. Prügel und Einsperren halfen nichts:

"[...] Dera Förster hat den Burschen fortjagt. Da hat sie bald einen andern Geliebten habt. Ich hab sie oft auf solchen Wegen troffen, doch nie so, daß ich einen Grund funden hätt, mich von ihr scheiden zu lassen. Sie ist spazieren gangen bei Tag und bei Nacht; ich habs endlich nicht mehr hindern können, denn als ich hab denkt, noch strenger sein zu müssen, da hab ich den Briefen erhalten, von welchem ich vorhin sprochen hab."
"Von Samiel?"
[...]
"Ann dem Krohnenpauer hier.
"Wenn Du deunne Vrau niecht inn Rue läst, soh sorch iech davier, das sie Rue erhällt. Iech kanns!
Der Saamiehl."[5]

Sepp hält die Schrift für verstellt und die Fehler für beabsichtigt; er meint, daraus folge, dass der Bauer den Samiel und sogar dessen Schrift kenne. Der Kronenbauer aber traut es keinem in seiner Bekanntschaft zu, keiner habe die Schlechtigkeit und auch die Durchtriebenheit, meint er, einen Einzigen gäb es, der, wenn auch nicht so schlecht und gottlos, aber doch so verwegen sein könnt wie der Samiel – sein verstorbener Schwiegervater. Der sei als Wilderer bekannt gewesen und solle sogar die Kathrin dazu mitgenommen haben, was allerdings ganz ausgeschlossen sei, eine Fünfzehnjährige tauge nicht zum Wildern. Und schießen – meint er – könne seine Frau nicht.

Wieder erwischte er sie im Wald, ihr Liebhaber konnte aber noch unerkannt entkommen, ihr hat er ein paar Schellen geben, daß sie hinstürzt ist. Sie drohte ihm: "Du sollst fortan Deine verdammten Augen nicht mehr da haben, wo sie nicht hingehören! Merk Dirs!"

Wieder erhielt er einen Brief:

"Ann dem Krohnenpauer hier.
"Dein Weip ißt Dier unträu. Wen Du sie errwieschen wiellst, so geh heit Awand grat umm Mietternacht um dem Garrten. Inn der hindren Lauwe wierd sie miet ihm sizzen. Sie hawen sich dort hinn beställt. Jech weis eß ganz genau.
Dein gutter Fräund."[6]

Die Gleichheit von Schrift und Fehlern bemerkte er nicht, er ging zum vermeintlichen Stelldichein, die Laube war leer und als er sie verließ, stand im Vollmond der Samiel vor ihm: sehr klein, wohlproportioniert, ganz in schwarz, mit breitkrempigem Hut und Larve. Mit sehr tiefer Stimme fragte dieser ihn, was er suche, ob er seine Frau suche.

"Kannst sie immer suchen; aberst sehen sollst sie niemals wieder. Dafür werd ich sorgen."[7]

Blitzschnell hob er den Arm und schoss dem Kronenbauern ins Gesicht. Ohne Kugel, doch die Pulverladung ließ den Bauern erblinden. Sepp meint, es habe besser und vortheilhafter für den Samiel sein müssen, dass der Kronenbauer blind weiterlebe.

Die Kronenbäuerin habe angeblich nichts von alledem mitbekommen, sie will fest geschlafen haben – obwohl sie angeblich, als der Bauer fünf Minuten vor dem Schuss nach ihr sah, in ihrer Stube an der Truhe gewesen sei, um Wäsche zu ordnen – und musste erst lange geweckt werden. Sie habe, so glaubt er noch immer allen Ernstes, sich geändert, es habe nie wieder solche Auseinandersetzungen gegeben. Sepp aber macht sich seinen eigenen Reim darauf.

Der Sonntag

Da nun auch Fritz mit dem Essen für Sepp und zwei Bier für diesen und den Bauern kommt, ist das Gespräch beendet.

Fritz, der gerne noch beim Bauern und bei Sepp geblieben wäre, muss aufbrechen, um die Bäuerin vom Gottesdienst abzuholen, wozu sie ihn im Beisein des Bauern ausdrücklich aufgefordert hatte. Sie hatte auf dem Hinweg schon den Förster getroffen und ihn böse beschimpft, weil er sie belogen hatte: er war nachts nicht, wie er behauptet hatte, im Bett gewesen, sondern auf Posten im Wald, um zusammen mit den überall stationierten Soldaten den Samiel zu fangen – was sie sofort entdeckt hatte, als sie als Samiel ausgerechnet in das umstellte Gebiet eindrang und sich sogar den Tabaksbeutel des Försters als Beweisstück mitnahm. Hier erfährt der Leser auch ganz eindeutig, dass tatsächlich sie der Samiel ist.

Sie behauptet, an des Försters Liebe zu zweifeln, da es zwischen Liebenden keine Geheimnisse gebe, auch keine Dienstgeheimnisse. Schließlich verspricht der Förster Besserung und rührt doch gleich wieder mit ein paar abfälligen Bemerkungen über die Chancen gegen den Samiel ihren Stolz an: er erzählt von einer Falle, will aber nicht sagen, welcher Art. Er erwähnt einen Köter, ohne ihn zu spezifizieren. Er verschanzt sich hinter Dienstgeheimnissen, sie trennt sich – scheinbar – von ihm und geht in die Kapelle. Dort beleidigt sie des Försters Nichte Martha und drückt sie schließlich gar aus der Bank, so dass diese die Kapelle verlässt.

Fritz begegnet Martha

So kommt es, dass Fritz nun auf seinem Weg das schöne Mädchen trifft, das er schon so lange schätzt. Auch Martha ist ihm gut, wenngleich sie auch nicht glaubt, dass er sich etwas aus ihr macht. Die beiden sprechen eine Weile miteinander, wobei herauskommt, dass Martha nachts heimlich einer in Not geratenen Familie eines Waldarbeiters Essen bringt und dass Fritz ihr dabei folgte, um sie vor dem Samiel zu beschützen. Er möchte der Familie auch etwas bringen und die beiden verabreden sich für die Nacht.

Unterdessen ist der Gottesdienst aus und als sich die beiden eben trennen wollen, taucht zornig die Bäuerin auf. Sie unterstellt den beiden, ein Liebespaar zu sein, will Fritz vorschreiben, mit wem er Umgang hat und giftet Martha an, sie brauche sich nicht einbilden, den Fritz zu bekommen. Martha antwortet kalt, aus ihrer Hand nähme sie ohnehin keinen, und geht, wobei sie auf ihren Onkel trifft, dem sie von dem Zusammentreffen mit Fritz berichtet und ebenso von der Intervention Käthes, um dann auch gleich noch anzufügen, dass sie um des Onkels nächtliche Rendezvous mit der Bäuerin weiß.

Der Förster schickt Martha heim, um Käthe zur Rede zu stellen. Fritz muss an der Kapelle warten, während Käthe dem Förster entlockt, dass er in der Lotterie dreißigtausend Mark gewonnen und auch gleich erhoben hat, die noch in seinem Gewehrschrank lagern, morgen aber auf die Bank kommen sollen. Dann soll das Haus auch von Soldaten besetzt werden, um den durch Anzeigen aufmerksam gemachten Samiel zu fangen.

Der Förster geht und Käthe lässt sich von Fritz nach Hause begleiten, wobei der sie maßlos ärgert, indem er partout nicht erraten will, dass sie von sich spricht, wenn sie ihm die Möglichkeit einer guten Partie auf dem Hof vor Augen hält. Schließlich fragt sie ihn direkt, ob er sie denn nicht wolle. "Nein!"

Seine Begründung, er könne sie ohnehin nicht bekommen, beruhigt sie ein wenig. Dann aber deutet sie an, man könne ja auch schon vor dem Tod des Bauern... – er zitiert den Dekalog, erinnert an die Verfolgung der Sünde bis in die vierte Generation, zitiert die Bergpredigt, vergleicht ihre Auffassung von "Liebe" mit der Suchtgier nach Alkohol und weigert sich sogar, zu lügen.

Beim Hof angekommen, macht Sepp der Bäuerin den König als Sommerfrischler schmackhaft. Er soll die Zimmer des Offiziers haben, der sich zur Jagd auf den Samiel im Neubau einquartiert hat. Als sie eben einig sind, kommt der Baumeister des Neubaus: er plaudert nicht nur seine Amourositäten mit Käthe überall – und vornehmlich im Gasthaus – aus, sondern übertreibt sie auch noch gewaltig. Seine Unfähigkeit versucht er hinter Arroganz zu verstecken, nachdem er aber Wurzelsepp ein Kamel und einen Bettler genannt und ihm Ohrfeigen angedroht hat, hat er Probleme, dessen Schlag auf seinen Magen zu verdauen. Schließlich zieht ihn die Bäuerin Käthe ins Haus, während der Bauer erzählt, dass Fritz dem Kerl im Gasthaus bereits für seine Prahlerei geohrfeigt hatte.

Im Haus hatte Käthe ihn inzwischen mit den Fakten vertraut gemacht: nicht sie hatte jene Nacht mit ihm verbracht, sondern die schmutzige und ewig ungewaschene Magd Christel, die sie dafür in ihrem Bett schlafen ließ. Da der Baumeister sich weder beim Bauern entschuldigen noch seine Aufschneidereien richtigstellen will, erzählt die herbeigerufene Christel zur allgemeinen Gaudi, was in jener Nacht tatsächlich geschah: Er hatte sie im Dunklen und bei striktem Redeverbot mit der Bäuerin verwechselt, wollte sie wider ihren Willen küssen und erhielt dafür eine Watschen, dass er sich auf den Boden setzte. Dort blieb er, bis am Morgen die Bäuerin die Kammer aufschloss.

Kaum ist der Angeber unter allgemeinem Gelächter gegangen, erscheint hoch zu Ross Herr Oberlieutenant Graf Arthur Wipprecht von Münzer, Hochgeboren, den Sepp aus Gesprächen mit seiner Schwester kennt. Er würde gerne über Sepp an die Leni kommen, hat sich ihretwegen bereits duelliert, weshalb ihm dieser Einsatz – den Samiel zu fangen – nahegelegt worden war, und wettet gar mit der Bäuerin, dass er den Samiel noch in der laufenden Woche fange, wogegen sie fünftausend Mark darauf hält, dass umgekehrt ebenfalls noch in der laufenden Woche der Samiel den Grafen fange.

Als Sepp und Fritz später ins Gasthaus gehen, brüstet sich der Baumeister schon wieder mit den nie erlebten Abenteuern. Nachdem er jedoch aus Angst vor Hieben in aller Öffentlichkeit die Wahrheit gestehen musste, wird er auch dort ausgelacht und darf sich nicht mehr blicken lassen.

Auf dem Heimweg nimmt der Sepp den Fritz beiseite und klärt ihn über seine Abstammung auf. Danach erklärt er ihm, dass – und warum – Käthe der Samiel sein muss. Gemeinsam wollen sie die Bäuerin und ihren Liebhaber und Helfer Bastian beobachten.

Die aber sind bereit unterwegs: der Oberleutnant ist auf dem Weg ins Forsthaus und die beiden Samiels fangen ihn ab, rauben ihn aus und binden ihn an einen Baum. Als sie zurückgekommen sind, hört Sepp die eben erst gestohlene Uhr (!) in Käthes Tasche, was diese bewegt, sie sofort zu verstecken. In einem Fuder Mahd versteckt beobachten Sepp und Fritz Käthe durchs Fenster. So erfahren sie, dass die Annahme richtig war und auch, dass es einen Weg durch den Kleiderschrank gibt.

Zurück am Tisch im Garten hören beide den fernen Hilferuf des Überfallenen, der inzwischen wohl wieder zu sich gekommen war. Er wird befreit und von einem der Tagelöhner zum Förster begleitet, alle anderen gehen zurück zum Hof. Sepp macht dabei der Bäuerin Andeutungen, die sie zu Unvorsichtigkeiten und anderen Fehlern verleiten sollen. Dann geht man angeblich zu Bett, um jedoch gleich schon wieder draußen zu sein: die Samiels müssen observiert werden. Sepp und Fritz entdecken das Geheimnis der Strickleiter, nicht aber das der verborgenen Tür.

Fritz eilt zum Treffpunkt mit Martha, doch die verspätet sich; statt ihrer kommt die Bäuerin, die ebenfalls zu warten hat: Durch die Ankunft des von dem Hieb unerwartet stark mitgenommenen Offiziers ist der ganze Zeitplan durcheinandergeraten. Schließlich aber kommt der Förster und kaum hat dieses Paar sich entfernt, so ist auch schon Martha da, die ja erst nach dem Förster aufbrechen konnte. Gemeinsam gehen beide zur Holzknechtfamilie, wo ihre Gaben – Essen, Kleider und Geld – größte Freude bereiten. Dabei erweist sich die "Krankheit" des Mannes schließlich als Lungendurchschuss vom Samiel, der verboten hatte, darüber zu sprechen. Die vereiterte Wunde hat bei der Mangel- und Unterernährung natürlich keine Heilungschance. Fritz will deshalb dem Sepp davon erzählen, damit der den Medizinalrat darauf ansetzen soll.

Fritz und Martha bei der Holzknechtshütte

Auf dem Rückweg gestehen Fritz und Martha einander ihre Liebe und treffen gleich darauf auf Förster und Bäuerin, vor denen sie sich verstecken und die sie so belauschen. Als diese sich trennen, bringt Fritz seine Martha noch ganz langsam bis ins Forsthaus. Dort war inzwischen die Bäuerin als Samiel aktiv: sie hatte dem Förster die Schlüssel vertauscht, sich umgezogen und sich mit Bastian in die Kammer des Försters geschlichen, wo der Graf schlief. Der wurde gefesselt und durfte zusehen, wie die Bäuerin des Försters Lotteriegewinn stahl. Die beiden Samiels verlassen das Haus gerade in dem Moment, in dem sich Fritz und Martha voneinander verabschieden wollen. Bastian will Martha, Fritz zerschlägt ihm die Nase, die Bäuerin schießt auf Fritz, die beiden Samiels fliehen, Martha hat Fritz fast aus der Schusslinie gerissen und hindert ihn an der Verfolgung. Münzer tut, als habe er im Schlaf nichts mitbekommen und versucht gar, den anderen Vorwürfe zu machen. Martha verbindet Fritzens Streifschuss, dann wird das Haus ohne Ergebnis durchsucht: durch den Gebrauch der Schlüssel ist dem Gewehrschrank die unbefugte Öffnung so wenig anzusehen wie – bei geschlossener Tür – der Diebstahl, so kehrt Fritz heim.

Der Montag

Da er nicht schlafen kann – der Sonntag war zu lange und zu aufregend – ist Fritz schon sehr früh auf und an der Arbeit, wodurch er Bastian weckt, dessen Nase von seinem Hieb zu einer Birne angeschwollen ist, was Bastian auf einen angeblichen Sturz zurückführt. Gleich darauf macht sich Sepp an Bastian heran, um ihm zum Vergleich mit den Samiel-Bekennerschreiben einen Autograph abzuluchsen: er erzählt, er habe von einem gemeinsamen Lottogewinn geträumt. Tatsächlich schreibt Bastian die erwünschte Losbestellung.

Gerade mit dem Bastian fertig wird Sepp von Käthe zwecks Aushorchens zum Kaffeetrinken eingeladen, in welches der Förster mit Staatsanwalt und Gendarmen platzt. Da Sepp nur wegen der Befreiung des Oberleutnants vernommen wird, ist er bald zurück und wettet mit Käthe, dass er den Samiel binnen zwei Wochen dingfest machen wird. Da kommt auch schon Ludwig Held auf dem Weg von seiner Mutter zum Kerybauern. Auch er setzt sich für einen Augenblick und erzählt dabei, dass die rund sechstausend Mark Nachzahlung jetzt beim Pfarrer liegen und morgen auf die Bank kommen.

Als er sich verabschiedet, kommt gerade der König, um sein neues Quartier zu beziehen. Der Bauer, der vor geraumer Zeit geträumt hatte, er werde durch eine Operation wieder sehen können, erkennt des Königs Stimme sofort als die des einen der beiden Herren aus seinem Traum. Dann wird Sepp zum König gerufen, dem er zu dessen gelindem Entsetzen erst einmal alles über den Samiel offenbaren muss, was er in den gerade mal 24 Stunden erfahren hat und was der König noch kaum glauben kann; Sepp muss erst die ganze Geschichte des Kronenbauern im Zusammenhang berichten.

"Sepp, es ist wahr, Du hast nicht geträumt. Es ist entsetzlich, wirklich entsetzlich, Deinen Worten glauben zu müssen, aber es ist auch unmöglich, daran zu zweifeln."
"Sepp, Du hast nicht geträumt!"
Und wieder ging er hin und her. Seine Stirn lag in Falten und die Augen hielt er finster zu Boden gerichtet.
"Ist es möglich, ist es denn wirklich möglich, daß es solche Menschen geben kann?" sagte er.
"Ein Weib -" antwortete der Geheimrath. "Damit ist Alles gesagt."
"Ein Weib!" wiederholte er. "Und welch herrliche Anschauungen verbindet man mit dem Worte Weib! Ein Weib ist das Herrlichste, das Reinste, das Erhabenste, Zarteste und Empfindlichste, was es geben kann und -"
Er hielt inne; der Arzt fügte hinzu:
"Und doch ist ein gesunkenes Weib häßlicher und abscheulicher als ein gesunkener Mann. Ein Mann kann in den tiefsten Schlamm der Sünde, des Verbrechens sinken, er kann sich ebenso gut wieder erheben. Ein Weib aber, welches einmal gesunken ist, erhebt sich niemals wieder."
Ludwig setzte seinen Gang durch das Zimmer fort; dann wendete er sich an Sepp:
"Geh hinab zu diesem armen, beklagenswerthen Mann und warte, bis ich Dir vom Fenster aus winken werde. Dann bringst Du ihn herauf. Es soll untersucht werden, ob der Zustand seiner Augen ein hoffnungsloser ist."[8]

Sepp tut, wie ihm geheißen und da die Untersuchung so günstig ausgeht, wird auch gleich die Operation vorgenommen. Unter Lokalanästhesie werden die Pulverkörner aus den Auge entfernt und der Bauer erhält bis Dienstagabend eine Binde, damit sich das Gewebe beruhigen kann und danach das Auge vor dem hellen Tageslicht geschützt ist: erst im Dunkel der Nacht, bei Mond- und Kerzenschein, soll es seine Tätigkeit wieder aufnehmen.

Fritz, der zur Vernehmung mit ins Forsthaus musste, kehrt zurück und beschimpft die Bäuerin wegen ihres nächtlichen Rendezvous mit dem Förster. Sepp nimmt ihn beiseite, berichtet von der Operation, von der Anwesenheit des Königs, der zu beschützen sei, und von dem geplanten Einbruch beim Oberdorfer Pfarrer, den es zu vereiteln gelte. So eilen die beiden abends auch den beiden Samiels voraus, informieren den Pfarrer und lassen ihn das Geldcouvert gegen eines austauschen, in dem ein vom Sepp geschriebener Zettel liegt mit "Pah!!! Der Wurzelsepp." Sie beobachten noch, wie die Samiels mit diesem Umschlag wieder abziehen und eilen heim. Dort kommt prompt nach kurzer Zeit die Bäuerin zornglühend und wutschnaubend in Fritzens Schlafkammer gestürmt, in der auch Sepp schläft, schickt Fritz hinaus und will Sepp regelrecht ins Verhör nehmen. Der aber sagt ihr offen ins Gesich, dass sie verspielt hat:

"[...] Weißt, wir wollen keine unnütze Reden machen. Mit Dir ists halt aus. Ich habs dem Fritz verzählt, daß er dera Sohn ist. Er weiß Alles. Er hat Dich gestern als Samiel erkannt. Er ist auch vorhin mit in Oberdorf gewest. Dera Pfarrer hat das Geldl in die Taschen steckt und Dir das Couvertl mit meiner Schrift hinlegt. Wir wissen Alles, Alles! Für Dich giebts keine Rettung mehr!"
Sie blickte ihm starr in das Angesicht. Sie hatte das Gesicht einer Leiche.
"Schau, wiest derschrickst!" sagte er. "Die Straf kommt bereits jetzt. Wie wirds erst dann später sein. Es wird Alles über Dich zusammenbrechen. Dera Bauer thut mir leid. Ich bin sein ältester Freund und möcht ihm gern die fürchterliche Schand dersparen. Darum will ich Dir einen guten Rath geben."
Sepp und Bäuerin
[...]
"Es ist nur ein kleines Wörtle. Das lautet: Stirb!"
[...]
"Ja, Dir sage ich es. Ich will Dir auch noch Zeit geben, Deine Sach in Ordnung zu bringen. Du sollst noch einen Tag und eine Nacht leben können. Mach da so viel wie möglich gut. Wannst aber dann am Morgen noch nicht todt bist, so - - -"
"So - - nun, was soll dann geschehen?"
"So laß ich Dich arretiren!"
"Das klingt gar wunderbar! Die Kronenbäuerin soll arretirt werden!"
[...]
"[...] Ich wiederhols Dir nochmals: Stirb, dann kann man die Sach vielleicht vertuschen, und Du erhältst ein ehrliches Begräbniß. Willst das nicht, nun, so kommst in das Gericht und in die öffentlichen Verhandlungen. Dann kannst stolz darauf gewest sein, daßt Du Kronenbäuerin gewest bist."[9]

Fritz hat erst Bastian, der horchen wollte, im Stall eingeschlossen und sich dann in Käthes Stube verstreckt. Als Käthe nun zurückgeht, hört sie Bastians Klopfen und nimmt ihn gleich mit. Sie erklärt ihm, dass er Sepp und Fritz ermorden muss, weil beide ihr gemeinsames Geheimnis kennen. Bei Sepp hat Bastian Vorbehalte wegen der Lotterie, wobei ihm einfällt, dass der Brief ja noch gar nicht weg ist. Dadurch kann Käthe sich nun auch ausrechnen, worum es Sepp gegangen war. Bastian sieht das ein und sie beschließen, dass beide in der folgenden Nacht von Bastian mit einem gestohlenen Beil erschlagen werden sollen, während sie Herrn Ludwig ausraubt. Sie will diesen zum Abschluss wecken, damit er sehen möge, dass der Samiel den Hof heimgesucht hat, und dann in den Garten fliehen, wo Bastian auf sie warten und ihre Verkleidung ins Versteck mitnehmen soll.

Käthe bringt Bastian bis in den Stall zurück und schließt ihn wieder ein, damit Fritz nichts merkt. - Der verlässt währenddessen sein Versteck, schleicht sich hinaus und in die Felder, um von dort, wo die beiden ihn vermuteten, zu kommen. Er schließt die Stalltür auf, geht in seine Kammer und berichtet Sepp, was er alles erlauscht hat.

Der Dienstag

Bis zum Morgen sitzen die beiden und haben doch noch eine dritte schlaflose Nacht vor sich – es ist ja überhaupt erstaunlich, welch eiserne Konstitution Karl Mays Protagonisten genießen dürfen, wenn sie nicht gerade krank sind. So sind sie auch heute wieder putzmunter: Sepp berichtet Seiner Majestät und der König lässt ihn einen Wagen besorgen, um sich von Fritz in die Stadt fahren zu lassen.

Am frühen Nachmittag kommt, kaum dass der Förster sich auf seinem Weg in die Stadt niedergelassen hatte, ein fremder, höherer Gendarm vorbei, der angeblich zum Förster will, um ihm die Festnahme des Samiel mitzuteilen, was Käthe in falscher Sicherheit wiegt. Zugleich inspiziert der Herr die Orte der bereits geplanten neuen Verbrechen.

Der Rest des Tages verläuft ruhig: Sepp schnitzt aus Melonen Köpfe, die statt seiner und Fritz im Bett liegen sollen, damit die Beilhiebe Bastians nachts keinen Schaden anrichten, und führt, während die anderen zu Abend essen, zehn Polizisten auf den Hof, fünf zum König und fünf in eine Rumpelkammer, in der sie sich einschließen sollen, bis er sie herausbittet.

Dann beobachtet er Bastian, als der das Beil stiehlt, und geht danach sofort zu Fritz, um sich ins Bett zu legen. Erst nachdem Bastian ihre Anwesenheit kontrolliert hat, können sie die Strohpuppen in die Betten legen und die "Köpfe" daran befestigen; dann eilt Fritz zum Bauern, um den zum König zu führen, und Sepp zur Rumpelkammer, um zu melden, dass, wer nach ihm käme, der Mörder sei. "Sobald er in die Kammer ist, schleichens hin, und wann er die Kürbissen dermordet hat, da nehmens ihn fest." Dann geht auch er zum König.

Unterdessen ist Bastian bei der Bäuerin, die nochmals den ganzen Plan mit ihm durchgeht, besonders das Timing, damit er ja auch bloß zur Zeit im Garten ist, um die Maskerade fortzuschaffen. Dann wartet sie noch ein wenig, um ihm auch genügend Vorsprung zu geben, ehe sie sich durch Schrank und Wand am weggerollten Ofen vorbei zum König schleicht. Die Pretiosen steckt sie schnell alle ein und ebenso ein gut gefülltes Portemonnaie.

Ehe sie den Schläfer weckt, um sich ihm zu zeigen, muss sie nun den Fluchtweg öffnen, um dann nur noch die Türen hinter sich verschließen zu müssen. Doch im nächsten Raum ist es nicht wie erwartet dunkel, sondern hell, und ihr Gatte sitzt dort im Sessel und teilt ihr mit, dass sie nicht weiter komme, da von außen verschlossen sei. Noch immer merkt sie nicht, dass er sie sehen kann, so will sie wieder zurück durch die Geheimtür. Doch nun tritt ihr Fritz entgegen, der doch längst tot sein sollte. Sie will ihn erschießen, doch Fritz ist schneller, er entreißt ihr die Waffe und wirft sie weg, die zweite folgt. Da fällt ihr von hinten schwer des Bauern Hand auf die Schulter und nun erst, als sie dessen Blick sieht, erkennt sie, dass er erfolgreich operiert wurde und wieder sehen kann. Fritz reißt ihr Hut und Larve vom Kopf, sie reißt sich los, schnellt sich zu den beiden Pistolen hin und schießt auf ihre beiden Widersacher. Die aber werden trotz der geringen Entfernung noch nicht einmal verwundet, aber von hinten drängen nun zehn Polizisten mit dem in Ketten gelegten Bastian zur Tür herein.

"Dera Samiel?" rief sie. "Den wollt Ihr arretiren? Nein, den bekommt Ihr noch lange nicht. Lebendig läßt er sich von Euch nicht anrühren!"
Sie erhob, ehe man sie zu hindern vermochte, die Hand mit der Pistole, hielt sich die Mündung vor den Kopf und schoß beide Läufe zugleich auf sich ab.

Waren die Papierpfropfen, die sie auf Fritz und ihren Mann geschossen hatte, trotz der vielleicht zwei Meter Entfernung ungefährlich, so hatte sie sich nun aus allernächster Nähe die Augen für immer zerstört.

"Gott läßt sich nicht spotten. Sie hats gewollt!"
Der Bauer aber faltete die Hände und stöhnte:
"Wanns eine göttliche Gerechtigkeit gäb, so müßt dera Samiel so blind werden wie Du! So hat sie sagt! O mein Herr und mein Gott, sei gnädig und barmherzig mit ihr, so wie ich ihr auch vergeb!"[10]

Sonstiges

Titelbild des KMV
Der KMV hat die Handlungsstränge später zerrissen, bearbeitet und in eigene Bände gepackt; Der Wurzelsepp (GW68) enthält auch die hier beschriebenen Ereignisse.

Anmerkungen

  1. Karl May: Der Weg zum Glück – Höchst interessante Begebenheiten aus dem Leben und Wirken des Königs Ludwig II. von Baiern. Erstausgabe Verlag H. G. Münchmeyer Juli 1886 bis August 1888. (Onlinefassung)
  2. May: Weg zum Glück, S. 1770 f. (Onlinefassung)
  3. May: Weg zum Glück, S. 1783. (Onlinefassung)
  4. May: Weg zum Glück, S. 1784. (Onlinefassung)
  5. May: Weg zum Glück, S. 1785. (Onlinefassung)
  6. May: Weg zum Glück, S. 1787. (Onlinefassung)
  7. May: Weg zum Glück, S. 1790. (Onlinefassung)
  8. May: Weg zum Glück, S. 2036 f. (Onlinefassung)
  9. May: Weg zum Glück, S. 2069 f. (Onlinefassung)
  10. May: Weg zum Glück, S. 2098 f. (Onlinefassung)

siehe auch