Der Weg zum Glück/Schauplätze

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Der Weg zum Glück/Schauplätze
im Werk Karl Mays
Weltkarte1911.jpg

Der Weg zum Glück

Die Alm

Zu Beginn fast jedes Handlungsstranges gibt es in Karl Mays Kolportageroman Der Weg zum Glück ein paar Angaben zur Lage eines Ortes, bezogen auf den einen oder anderen bereits vorgestellten Ort, nur bei Murenlenis Alm und bei Scheibenbad fehlt dies – da bleiben alleine die sonst noch im Text verstreuten Angaben, die wie kleine Mosaiksteinchen zusammenzusuchen sind – und die sind es auch, die letztlich überall eine Lokalisierung der Gegend ermöglichen, in der die jeweilige Handlung spielt - wenn man einmal absieht von Wien und Triest, deren Bekanntheit ohnehin vorauszusetzen ist. Von der Alm wissen wir, dass sie in Bayern liegt, aber so nahe an der Grenze zum Salzburgischen, dass der Krikelanton bequem zum Wildern von Österreich aus die Grenze überschreiten kann und – wie wir beim Finale erfahren – auch seine alten Eltern leicht an einem halben Vormittag von Elsbethen in Lenis Dorf laufen können. Von der Alm aus sieht man im Westen die Gletscher. Und die Alm liegt hoch. Ein sehr schmaler und hoher Grat führt von ihr zum Nachbarberg. All das ist nördlich von Salzburg nicht möglich, direkt südlich aber liegt das Berchtesgardener Land, auf welches die Beschreibung mit hinlänglicher Genauigkeit passt. Dort gibt es von Kehlstein – Hoher Göll bis rund ums Große Teufelshorn im Nationalpark Berchtesgarden manche Ecke, in der Lenis Alm liegen könnte und auch Elsbethen ganz gut hinpasste.

Das Mosaik

Etwas komplizierter, vielleicht aber auch genauer wird es bei Scheibenbad: dass ein Wald mit einem Weg einen Berg hinauf und auf der anderen Seite wieder hinabziehen, reicht wohl auch dann nicht zu einer genaueren Ortsbestimmung, wenn noch dabei steht, dass es sich um Nadelwald handelt. Aber es gibt noch andere Mosaiksteinchen bei anderen Orten; die Lage eines Ortes zum anderen und der Abstand zwischen diesen können von beiden Seiten betrachtet werden.

Leider sind nirgends präzise Abstandsangaben zu finden: wir erfahren nur, dass man von Hohenwald aus fünf Stunden mit der Kutsche zu fahren hat. Wären wir an der Mosel, so könnte dies einen Fußweg von einer Stunde bedeuten: eine halbe Stunde steil bergauf und ebenso lange ebenso steil bergab, schon ist der Berg überwunden, der dem Fluss im Wege stand und den zu umgehen die Kutsche entlang des Flusses fünf Stunden braucht. Da lägen die beiden Orte noch keine drei Kilometer voneinander entfernt. Bei einer Steigung von 100 % = 45° ist die Schräge um den Faktor √2 länger als ihre Projektion – und 1,414 mal 3 sind schon 4,242, aus den drei Kilometern wären also schon knapp viereinviertel geworden, die bei dieser Steigung kaum noch in einer Stunde zu schaffen wären, obwohl der selbe stramme Marschierer für drei Kilometer ebenen Talweges gerade mal eines halben Stündchens bedurft hätte. – Ebenso ist natürlich eine geringe Steigung länger bergauf als bergab zu laufen, weil man das Gefälle kaum merkt, aber leicht schnell gehen kann, während die lange Steigung auch einen geübten Läufer schnell stark abbremst.

Das ist jedoch noch lange nicht alles, was bei der Einordnung eines jeden Mosaiksteinchens zu bedenken ist: da heißt es zum Beispiel, dass der Weg zwischen Hohenwald und Steinegg gerade mal eine Stunde betrüge, ein andermal muss man volle zwei Stunden gehen. Woher die 100 % Zulage, wie diese 50 % Kürzung? Nun, an einer Stelle wird da auch noch ein abzweigender Richtweg erwähnt. Der muss natürlich beschwerlicher sein als der normale Weg, da man diesen sonst ja gleich hätte geradeaus führen können. Somit ist er aber auch deutlich kürzer als nur die Hälfte des längeren Weges. Oder er ist schlecht oder schwer passierbar, beispielsweise, weil er streckenweise äußerst schmal ist oder eine zwar nur kurze, aber doch für ungeübte Fußgänger sehr schwere Kletterpartie beinhaltet, weil er über glitschige Steine entlang eines Baches führt oder durch einen flachen, aber doch unangenehmen kleinen Sumpf, vielleicht im Quellgebiet eines Baches. Dies sind – sozusagen - Formen und Farben unserer Mosaiksteinchen.

Der Eckstein

Wer je ein Puzzle gelegt oder ein Haus gemauert hat, der weiß es schon: das wichtigste sind die Ecksteine. Unser Eckstein ist ein Merkmal, das so typisch ist, dass man es so direkt auf der Karte suchen kann: die einzelne Erhebung oder Senke in der Ebene, der einzige Fluss oder die Oase in der Wüste oder etwas ähnlich prägnantes. Doch da gibt es ein Problem: entweder im Text oder auf der Karte ist nichts derartiges zu finden – oder aber es gäbe da schon etwas, aber die Angaben in Text und Karte sind zu unterschiedlich. Oder aber sie entsprechen einander, widersprechen aber eindeutig der Konstellation mit einem anderen, eben so klar zu ortenden Eckstein.

Doch der Autor gibt uns die Lösung schon gleich von Anfang an mit: Geradeso wie seine Reiseerzählungen sind seine "Begebenheiten" keine Dokumentationen oder wissenschaftliche Abhandlungen, sondern einfach nur Erzählungen. Erzählungen, die es dem Autor durchaus erlauben, von seiner künstlerischen und dichterischen Freiheit Gebrauch zu machen. Da stimmt eben nicht immer jedes Detail mit der Natur oder dem Geschichtsbuch überein.

Andererseits wiederum war Karl May ein exzellenter und penibler Rechercheur und ins Detail verliebt. Deshalb finden wir, wenn er von Gegenden erzählt, die er aus eigenem Augenschein oder aus genauer Recherche kannte, immer sehr genaue Beschreibungen, auch wenn die dann nicht so ganz exakt zueinander passen: meist betreffen seine Änderungen Wege, deren zeitliche Länge nicht mehr zu ihrer Geographie passt, weil die Handlung längere räumliche und/oder kürzere zeitliche Distanz verlangt. Oder es werden Eigenschaften und Besonderheiten kumuliert – oder fiktive Orte geschaffen. Da wird dann eingebracht, was der Autor kennt, wenn es nur grundsätzlich passt, das heißt, wenn es dort so sein könnte. Da wird dann innerhalb der größeren Rahmenbedingen einer Landschaft ein Ort oder ein Netz von Orten neu geschaffen. Da passt dann wieder alles – nur ist nichts davon in der Karte verzeichnet. Als Leser müssen wir dann also nicht einen vorhandenen, sondern einen möglichen Eckstein suchen, zum Beispiel eine Klamm an der bayrisch-böhmischen Grenze im weiteren Umkreis von Pilsen und im näheren des Dreiländerecks Bayern – Böhmen – Österreich.

Die Karte

Eine Klamm verlangt unbedingt steile Felswände und einen Bach. Wie hoch die Wände, wie breit und tief der Bach, das ergibt sich aus dem von unserer Phantasie geschaffenen Gelände. Hier treffen die Schmuggler aus Böhmen die aus Bayern, man kommt von beiden Seiten an die Grenze, tauscht dort die Waren aus und schleicht sich zurück. Daraus folgt, dass die Wege so beschaffen sein müssen, dass man möglichst schnell und zugleich möglichst heimlich vorwärts kommt und unterwegs möglichst gut und leicht ungesehen ausweichen kann. Man wird auch nicht das gefährliche Schmuggelgut unnötig entlang der Grenze spazierentragen, sondern darauf achten, diesen Bereich so wenig und so kurz wie möglich zu durchwandern. Diese Schmuggelpfade laufen also so weit senkrecht wie möglich zur Grenze. Einige Textstellen geben weitere Auskunft:

Bis zu dem Dorfe, in welchem die Osecs wohnten, hatte man [von Slowitz aus] eine gute Stunde zu gehen. Zu Wagen gelangte man in einer halben hin, selbst jetzt bei Nacht, da der Weg ein guter und dem Geschirrführer wohl bekannt war.[1]
Bedenke, daß es bis zum Felsenklamm von hier aus [bei den Osecs] fast drei Stunden sind.
"[...] beim Pfarrer in Felsberg." […] "Von da an haben wir dann am Donnerstag Abend nur eine halbe Stunde bis zur Grenze und drei Viertelstunden bis zum Felsenklamm."[2]

Haben wir nur erst die ungefähren Entfernungen berücksichtigt, so dürfen wir die Karte unter Beibehaltung der geographischen, der landschaftlichen Charakteristik der vorgegebenen Gegend frei formen. Weitere Ortslageangaben finden sich im Text und in den jeweiligen Ortsartikeln.

Fazit

WzG-Skizze

Nehmen wir die Orte gemäß Text und setzen sie auf Papier, so kommen wir zu WzG-Skizze: sie berücksichtigt die Lage- und Zeitangaben (meist Fußweg) soweit, als es der Grenzverlauf erlaubt. Das heißt: so könnten die Orte liegen.


Dreiländereck

Die Karte Dreiländereck zeigt das tatsächliche Gelände, einige reale Orte und die Grenzen. Hier findet jeder Betrachter für jeden beschriebenen Ort mindestens einen Fleck auf der Karte, für den die Landschaft mit der Beschreibung übereinstimmt.


Kombination

Die Kombination zeigt, dass dies dann nicht mehr stimmt, wenn wir beides kombinieren: die mit so viel Fleiß herausgesuchten Orte liegen an ganz anderen Plätzen. Doch die Suche war nicht vergebens, sie hat und die Landschaft näher gebracht, in welcher der Roman wirklich spielt: die Landschaft, die Karl May beim Schreiben vorschwebte!


Übersicht

Die Übersicht ist wieder eine echte Karte: sie zeigt im Westen das Gebiet mit Elsbethen und der Alm, im Norden das Dreiländereck, im Osten Wien und im Süden Triest mit Miramare. Unterstrichen sind außerdem die im Text genannten Städte München, Regensburg und Pilsen.


Es fehlen die Ostgebiete: die Karte würde zu groß, wollte man die riesigen Gebiete bis zum Nordosten der Ukraine mit dazu nehmen. Slatina ist im Artikel beschrieben; wer mehr sehen möchte, dem sei der Wikipedia-Geohack empfohlen und in Erinnerung gerufen, dass an der unteren Donau keineswegs eine Lage an der unteren Donau bedeutete, sondern vielmehr nur, dass die Länder an der unteren Donau lagen – was soviel bedeutete wie "an der Donau unterhalb ihres Laufes in der k.u.k.-Monarchie". In Erinnerung gerufen sei auch die wechselvolle Geschichte Polens, seine Verknüpfung mit der Ukraine und seine wiederholten Teilungen, durch die weite Teile Polens und der Ukraine ins Zarenreich und zu Habsburg kamen – nur so ist zu verstehen, dass Graf Senftenberg sich dem Kapellenbauern gegenüber so treffend als Landwirt mit Gütern in Russland, Österreich und Bayern ausgibt: er war Landwirt, wenn auch nicht hinter dem Pflug. Weil aber diese Gegenden keine Schauplätze des Geschehens darstellen, können wir hier wohl auf entsprechende Karten verzichten.

Wien

Wien ist bekannt, wenn sich auch nur selten jemand klar macht, wie weit im Osten es tatsächlich liegt. Das Erstaunliche am Vordringen der Türken bis nach Wien war nicht gewesen, dass diese so weit nach Westen kamen, sondern dass ein mitteleuropäisches Zentrum so weit im Osten liegt.

Wien 1:7550
Wien ist verständlicherweise geprägt durch die lange Zeit als Residenzstadt der Kaiser – geprägt auch architektonisch und bezüglich seiner Gliederung. Und natürlich auch durch die Donau. Um sich nicht dauernd mit den Überschwemmungen und den schlammig-sumpfigen Ufern herumärgern zu müssen, haben die Wiener einen der versandeten Altarme zum Kanal ausgebaut, auf dem sie die Schiffe mitten durch die Stadt leiten und mitten in der Stadt be- und entladen konnten. Damit sind automatisch auch die Hofburg und der Donaubogen als die beiden Zentren festgelegt. Ursprünglich am Rande der Stadt als Befestigung und als natürliches Hindernis der Verteidigung dienend wurde die Hofburg das Zentrum des Adels und der Donaubogen das des Handels. Daraus ergibt sich auch die "Vornehmheit" einer Adresse: Die des adligen Kommerzienrates ist ein hervorragendes Beispiel: Als Adliger mitten im Zentrum, als dem Handel entstammender Parvenu nahe den Kais wohnt er in der Asperngasse hervorragend. (Das Hotel de l'Europe hat die Hausnummer 2, ist also das nördlichste Haus auf der Westseite der kurzen Straße). Graf Senftenberg hingegen wohnt am Kärntnerring (nicht mit der Kärntner Straße verwechseln!), also deutlich näher an der Hofburg.

Entweder unglücklich gewählt oder durch Neubau verfälscht ist das Verhältnis Mohrengasse – Zirkusgasse: eine Möglichkeit, von einem Haus der einen über dessen Hof in das gegenüberliegende der anderen Straße zu gelangen, gibt es nur entweder in der kleinen Mohrengasse oder in Parzellen, die so groß sind, dass es bereits Innenhöfe und Hinterhäuser gibt, so dass man nicht in einer Wohnung gleichermaßen Fenster nach vorne und nach hinten haben kann. Von der kleinen Mohrengasse aber gibt es keinen vernünftigen Weg am Eingang zur Praterstraße vorbei in die Asperngasse (noch höhere Auflösung des Stadtplans auf der Homepage der Stadt Wien).

Vorsicht geboten ist bei der Interpretation von "Straße", "Gasse" und "Ring": der Ring ist ein großer, ungefähr hufeisen- bis halbkreisförmiger Boulevard vom Donaukanal um die Hofburg herum zum Donaukanal zurück - er heißt aber nach jeder Biegung anders: Park- oder Stubenring sind nur Abschnitte. Die "Gassen" waren vielleicht vor Jahrhunderten mal so eng und klein, wie die Bezeichnung glauben machen will, sind aber heute zumeist breite Straßen, oft breiter als so manche einst vergleichsweise breite Straße, die noch in ihren alten Abmessungen erhalten ist und uns nun vergleichsweise schmal vorkommt. - Wie vorteilhaft diese Beibehaltung der alten Bezeichnungen ist, zeigt schon allein die Tatsache, dass wir heute auf dem allerneuesten und als Vektorgrafik digitalisierten Stadtplan problemlos Lokalitäten finden können, die uns im vorletzten Jahrhundert bezeichnet wurden!

Anmerkungen

  1. Karl May: Der Weg zum Glück – Höchst interessante Begebenheiten aus dem Leben und Wirken des Königs Ludwig II. von Baiern. Erstausgabe Verlag H. G. Münchmeyer Juli 1886 bis August 1888, S. 1435. (Onlinefassung)
  2. May: Weg zum Glück, S. 1439 f. (Onlinefassung)

siehe auch