Gotthold Kellermann

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Gotthold Kellermann
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Der Weg zum Glück

Der Peitschenmüller –
Titelbild des KMV

Gotthold Kellermann wird überall nur Thalmüller oder Peitschenmüller genannt. Er lebt mit seiner Tochter Paula in der Thalmühle im Kurort Scheibenbad.

Er ist der reichste Müller im Umkreis von Scheibenbad und der Schwager und Komplize des Silberbauern. Er hat die Gicht und sitzt wenigstens zeitweise im Rollstuhl.

Er war eine starke Gestalt, jetzt aber zusammengefallen und von der Gicht geplagt. Seine Beine waren mit Watte dick umwickelt und die Füße steckten in unförmlichen Filzstiefeln. Auf dem Kopfe trug er eine braunwollene Zipfelmütze, und der Oberleib wurde von einer sogenannten Fitzjacke eingehüllt. Das Gesicht war grob, wie aus Holz zugehackt. Keine Spur von Weichheit war in demselben zu bemerken. Härte, Härte und immer wieder Härte war das Einzige, was man aus diesen Zügen zu lesen vermochte. [...]

Neben sich, an der Armlehne des Stuhles, hatte er eine alte Clarinette hängen, während die rechte Hand mit einer Peitsche spielte, deren Stiel kurz, die Schnur aber desto länger war, so daß sie bis in die entfernteste Ecke reichte.
Diese Peitsche war das Scepter, mit welchem der Müller regierte. Er konnte nicht vom Stuhle auf, also leitete er von demselben aus seinen Haushalt und sein ganzes Geschäft. Die Peitsche war sein Dolmetscher, wenn er es nicht für nöthig hielt, ein Wort zu sprechen. Und alle kannten die Stimme dieses Dolmetschers genau. Vom leisesten Schmitz durch die Luft bis zum stärksten Klatschen und Knallen um die Beine irgend eines lässigen Dienstboten gab es eine Stufenleiter als Ausdruck aller Gefühle des Müllers, von der wohlgefälligen Zustimmung bis hinauf zum höchsten Grimme. In seinem Hause gab es keine Person, welche nicht bereits die Peitsche gekostet hätte. Mancher neu eintretende Dienstbote nahm sich vor, beim ersten Hieb fort zu gehen; aber der Müller zahlte so gute Löhne und die Verpflegung war um so viel besser als in andern Häusern, daß man sich bald an das eigenartige Scepter gewöhnte.[1]

Vor längerer Zeit hatte der Peitschenmüller, damals »schwarz, stark und kräftig mit rohen Zügen«, als Müllerknappe an der unteren Donau die Tochter eines reichen Müllers geheiratet. Um an die Erbschaft seiner Frau zu gelangen, ermordeten er und der Silberbauer den Schwiegervater. Später pachteten er und der Silberbauer mit ihren Familien in der Nähe von Slatina zwei Mühlen. Er war dort der Untermüller. Beide raubten die Baronin Etelka von Gulijan aus, zündeten ihr Schloss an und ließen die Baronin darin - gefesselt - verbrennen. Den kleinen Sohn der Baronin, Curty, verschleppten sie und übergaben ihn dem Zigeuner Barko.

Einige Jahre später, Kellermann lebte schon als Thalmüller in Scheibenbad, seine Frau hatte er »todtgeärgert«, tauchte die Zigeunerin Mylla, die Gefährtin Barkos, mit dem kleinen Baron in Scheibenbad auf. Kellermann erwürgte die Zigeunerin, was der Junge beobachtete, der jedoch aus Furcht schwieg.

Die Morde lassen den Müller später nachts starke Gewissensqualen mit Erscheinungen erleiden.

Der Junge ist wieder alleine.

"Damals hat Niemand das arme Kind annehmen wollen, welchs bereits vorher ein Waisenkind gewest ist. Es ist nämlich mal eine Zigeunerband hier gewest, die den kleinen Bubn hier zuruckgelassen hat. Der Holzknecht hat sich seiner angenommen, und als er von der Eich' erschlagen worden ist, da fand sich Keiner, der den Buben haben wollt. Da ist er dann von Gemeindewegn zum Müller gethan worden. Der hat ihn erzogen, aber wie. Mit der Peitschen, mit Hunger, Durst, Frost und nix weiter sonst."[2]

Er nannte ihn Fex, misshandelte ihn und beutete ihn schon als Kind aus. Später ließ er den Fex als Fährmann ohne Lohn und oft auch ohne ausreichendes Essen für sich arbeiten. Seine Tochter Paula will Kellermann gegen deren Willen an den Raufbold Fingerlfranz verheiraten. Der Fex, der Paula liebt, unterbindet das mit Hilfe des Wurzelsepp, der dem Müller mit einem Schatzsuchespuk einen aberwitzigen Schabernack spielt. Im Rollstuhl des Müllers findet der Fex Beweise für seine Herkunft. Durch den Wurzelsepp und ein Geständnis des Silberbauern kommen die Verbrechen ans Licht. Er wird verhaftet und lebenslänglich ins Zuchthaus gesteckt.

Sonstiges

May schreibt den Familiennamen ab und an versehentlich "Keller" statt "Kellermann".

Anmerkungen

  1. Karl May: Der Weg zum Glück – Höchst interessante Begebenheiten aus dem Leben und Wirken des Königs Ludwig II. von Baiern. Erstausgabe Verlag H. G. Münchmeyer Juli 1886 bis August 1888, S. 165 (Onlinefassung)
  2. May: Weg zum Glück, S. 140 (Onlinefassung)

Literatur

Informationen zu Figuren in Karl Mays Werken finden Sie auch im Karl May Figurenlexikon.
Die zweite Auflage dieses Werkes finden Sie online auf den Seiten der KMG.