Das Vaterhaus (Gedicht)

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Das Vaterhaus ist ein Gedicht von Karl May.

Text[Bearbeiten]

          Das Vaterhaus.
  Hab Dank, hab Dank, du liebes Vaterhaus!
Du schirmtest meiner Jugend selges Leben.
  Wie denk ich dein und denk es doch nicht aus,
Was du mir warst und was du mir gegeben.
Kein einziger von allen Erdenorten
  Wird jemals so, wie du, mir heilig sein,
Denn was ich bin, bin ich durch dich geworden;
  Das weiß ich nun; ich seh es endlich ein.
  Ich mußte fort von dir und meinem Glück,
Hab nirgendwo ein andres Glück gefunden.
  Dann kehrte ich zu spät, zu spät zurück,
Denn als ich kam, da warest du verschwunden.
Doch hab ich dich ganz so, wie du gewesen,
  In meinem Herzen wieder aufgebaut
Und steig zu dir hinab, um zu genesen,
  Wenn ich mich an der Welt hab krank geschaut.
  Hab Dank, hab Dank, du lichtes Vaterhaus!
Du warst ein Gnadenwerk, von Gott geschehen.
  Du dehntest deine Hallen um mich aus,
Und ich, das Kind, ich hab sie nicht gesehen.
Doch, als ich dann die Räume meiner Jugend
  Bei meiner Heimkehr nicht mehr stehen sah,
Da standest du, hell wie die Himmelstugend,
  Vor meinem innern Auge plötzlich da.
  Ich sehne mich hinauf, zu dir empor.
Ich glaube ja und möchte gern auch hoffen.
  Wie groß, wie weitgeöffnet ist dein Thor;
O stünde es für mich, für mich auch offen!
Ich seh den Weg und will ihn ernstlich gehen;
  Der Hüter winkt; er läßt, er läßt mich ein!
Ich muß hinauf, darf nicht mehr wartend stehen;
  Ich will in meinem Vaterhause sein![1]

Textgeschichte[Bearbeiten]

Am 18. Dezember 1900 erschien ein Gedichtband Mays mit dem Titel Himmelsgedanken im Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld.[2] In dieser Ausgabe ist das Gedicht auf den Seiten 266 und 267 enthalten. Der auf der folgenden Seite abgedruckte Aphorismus lautet:

Wir sprechen von unserm geistigen Auge, aber nicht von unserer geistigen Zunge. Sie ist ebenso vorhanden, wie das Auge des geistigen Erkennens. Und wo, wann, wie und was sie redet und erzählt, wenn wir das Alles wüßten![3]

aktuelle Ausgaben[Bearbeiten]

siehe auch[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Karl May: Himmelsgedanken, S. 266 f.
  2. Hainer Plaul/Gerhard Klußmeier: Illustrierte Karl-May-Bibliographie, S. 244.
  3. Karl May: Himmelsgedanken, S. 268.

Weblinks[Bearbeiten]


Karl May: Himmelsgedanken
Himmelsgedanken 1900.jpg

Widmung. • Meine Legitimation. • Ragende Berge. • Gottesgedanke. • Liebe. • Ewig. • Gottesstunde. • Werdet frei! • Mein Himmel. • Sternensprache. • Sternschnuppe. • Sternkunde. • Bitte. • Gottesmahnung. • Hinauf – hinab. • Gnade. • Ade. • Heilesbotschaft. • "Vater!" • Läuterung. • Wohlthätigkeit. • Verzeihen. • Dein Auge. • Güte. • In die Berge. • Empor. • Ergieb dich drein. • Das Gewissen. • Selbstprüfung. • Einsicht. • Wohin? • Frage. • Räthsel. • Doppelsieg. • Berufung. • Unsern Dichtern. • Vogelsang. • Auf dem Friedhofe. • Wo sind die deinen? • Meine Engel. • An die Mutter. • Des Kindes Seligkeit. • Großmütterchen. • Frühling. • Blind und doch sehend. • Im Alter. • Die Leiden. • Kindschaft. • Heimkehr. • Umkehr. • Wunsch. • Das Kapellchen am See. • Mahnung. • Kannst du noch beten? • Andacht. • Hilf mir! • Reue. • Kanaan. • Im Traum. • Du hast – – – • Nur einer? • "Mehr Licht!" • Ich bin bei dir. • O bete gern! • Ich liebe. • Verständige Liebe. • Rückkehr zum Glauben. • Segen. • Meinem Schutzengel. • Tagesscheiden. • Dein Engel. • Zwei Worte. • Abendgebet. • Ein Wort von oben. • Ruhe. • Das Glück. • Drei Fragen. • Klarheit. • Der Mensch. • Zuversicht. • In tiefer Noth. • Das heilige Land. • Klage. • Nachruf. • Wahrheitstraum. • Guter Rath. • Zufall. • Abschied. • Schweigen. • Ernste Weisung. • Der Feind. • Deine Welt. • Sein ist die Zeit. • Eine Freundesstimme. • Das Volkslied. • Dichterwunsch. • Erdenleid. • Das Ich. • Wo? • Entwickelung. • Schön. • Des Waldes Seele. • Sonnenschein. • Das Vaterhaus. • Die Ehe. • Der Himmel auf Erden. • Vorwärts! • Die zweite Welt. • Abwehr. • Menschenliebe. • Der Völkerfriede. • In Ewigkeit. • Nachsicht. • Leitung. • Sei weise! • Wie das Meer. • Dank. • Menschenunmöglichkeit. • Quitt. • Bedachtsamkeit. • Selbstbetrug. • Von Kampf zu Kampf. • Zeit. • Das Wort. • Dein eigener Richterspruch. • Ein inneres Land. • Ueberflüssig. • Trost. • Weltweisheit. • Die Menschheitsseele. • Oberflächlichkeit. • 1901. • Zum Schluss.