Das Volkslied (Gedicht)

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Das Volkslied ist ein Gedicht von Karl May.

Text

          Das Volkslied.
Wach auf, wach auf, du deutscher Wald;
  Laß deinen Sang nicht schweigen!
Ich such und such, ob sich wohl bald
  Ein Kehlchen möge zeigen.
Der Häher schreit am Wasserfall;
  Der Ammer zankt im Ried.
Doch wo, wo bleibt die Nachtigall
  Und wo der Drossel Lied?
    Hörst du denn nicht der Aexte Schlag
      Durchs Heiligthum erschallen,
    Und siehest du nicht Tag für Tag
      Die Säulen niederfallen?
    Berechnend tritt der Tod heran,
      Vor dem das Leben flieht,
    Und wenn es stirbt und schwindet, dann
      Stirbt mit ihm auch das Lied.
Wach auf, wach auf im Dichterwald,
  Du Sang, der einst erklungen!
Wirst du im neuen Reich nicht bald
  Auch wieder neu gesungen?
Ich such den klaren, warmen Ton,
  Der durch die Herzen zieht.
Der Worte giebt es Legion;
  Wo aber bleibt das Lied?
    Siehst du denn nicht die heilge Kunst
      Ins Ausland betteln gehen,
    Weil um der Magdalenen Gunst
      Die hagern Dichter flehen?
    Such nicht, such nicht nach Liebesdank
      Bei der, die man verrieth,
    Denn ist des Volkes Seele krank,
      Krankt auch des Volkes Lied.[1]

Textgeschichte

Am 18. Dezember 1900 erschien ein Gedichtband Mays mit dem Titel Himmelsgedanken im Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld.[2] In dieser Ausgabe ist das Gedicht auf den Seiten 233 und 234 enthalten. Der auf der folgenden Seite abgedruckte Aphorismus lautet:

Es gingen hundert Menschen in die Kirche; aber nur einem von ihnen merkte man es noch am nächsten Tage an, daß er am vorhergehenden in der Kirche gewesen war.[3]

aktuelle Ausgaben

Anmerkungen

  1. ↑ Karl May: Himmelsgedanken, S. 233 f.
  2. ↑ Hainer Plaul/Gerhard Klußmeier: Illustrierte Karl-May-Bibliographie, S. 244.
  3. ↑ Karl May: Himmelsgedanken, S. 235.

Literatur

  • Ingmar Winter: "Rigi". Analyse eines Karl-May-Gedichts. Zugleich: Methodische Annotationen zur May-Rezeption. Beispiel: Karl May: "Das Volkslied". Sonderheft der Karl-May-Gesellschaft Nr. 84, 1990.

Weblinks


Karl May: Himmelsgedanken
Himmelsgedanken 1900.jpg

Widmung. • Meine Legitimation. • Ragende Berge. • Gottesgedanke. • Liebe. • Ewig. • Gottesstunde. • Werdet frei! • Mein Himmel. • Sternensprache. • Sternschnuppe. • Sternkunde. • Bitte. • Gottesmahnung. • Hinauf – hinab. • Gnade. • Ade. • Heilesbotschaft. • "Vater!" • Läuterung. • Wohlthätigkeit. • Verzeihen. • Dein Auge. • Güte. • In die Berge. • Empor. • Ergieb dich drein. • Das Gewissen. • Selbstprüfung. • Einsicht. • Wohin? • Frage. • Räthsel. • Doppelsieg. • Berufung. • Unsern Dichtern. • Vogelsang. • Auf dem Friedhofe. • Wo sind die deinen? • Meine Engel. • An die Mutter. • Des Kindes Seligkeit. • Großmütterchen. • Frühling. • Blind und doch sehend. • Im Alter. • Die Leiden. • Kindschaft. • Heimkehr. • Umkehr. • Wunsch. • Das Kapellchen am See. • Mahnung. • Kannst du noch beten? • Andacht. • Hilf mir! • Reue. • Kanaan. • Im Traum. • Du hast – – – • Nur einer? • "Mehr Licht!" • Ich bin bei dir. • O bete gern! • Ich liebe. • Verständige Liebe. • Rückkehr zum Glauben. • Segen. • Meinem Schutzengel. • Tagesscheiden. • Dein Engel. • Zwei Worte. • Abendgebet. • Ein Wort von oben. • Ruhe. • Das Glück. • Drei Fragen. • Klarheit. • Der Mensch. • Zuversicht. • In tiefer Noth. • Das heilige Land. • Klage. • Nachruf. • Wahrheitstraum. • Guter Rath. • Zufall. • Abschied. • Schweigen. • Ernste Weisung. • Der Feind. • Deine Welt. • Sein ist die Zeit. • Eine Freundesstimme. • Das Volkslied. • Dichterwunsch. • Erdenleid. • Das Ich. • Wo? • Entwickelung. • Schön. • Des Waldes Seele. • Sonnenschein. • Das Vaterhaus. • Die Ehe. • Der Himmel auf Erden. • Vorwärts! • Die zweite Welt. • Abwehr. • Menschenliebe. • Der Völkerfriede. • In Ewigkeit. • Nachsicht. • Leitung. • Sei weise! • Wie das Meer. • Dank. • Menschenunmöglichkeit. • Quitt. • Bedachtsamkeit. • Selbstbetrug. • Von Kampf zu Kampf. • Zeit. • Das Wort. • Dein eigener Richterspruch. • Ein inneres Land. • Ueberflüssig. • Trost. • Weltweisheit. • Die Menschheitsseele. • Oberflächlichkeit. • 1901. • Zum Schluss.