Abendgebet (Gedicht)

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Abendgebet, auch Herr, bleib bei uns!, ist ein Gedicht von Karl May.

Text[Bearbeiten]

          Abendgebet.
Herr, bleib bei uns! Es will die Nacht sich neigen;
  Die Sonne sank schon längst hinab zur Ruh.
Herr, bleib bei uns! Es will kein Stern sich zeigen,
  Und tiefes Dunkel deckt die Erde zu.
Warst du bei uns, als uns der Tag noch glühte
  Und uns sein Strahl hell in das Aug gelacht,
So sei und bleib bei uns, Herr, und behüte
  Durch deine Engel uns auch in der Nacht!
Herr, bleib bei uns, und sende deine Boten
  Zu uns ins ihnen treue, stille Haus.
Herr, bleib bei uns, und treib die Glaubenstodten
  Aus unserm Heim, von unserm Herd hinaus.
Laß uns den Kampf mit ihrer Macht bestehen,
  Die aus dem Dunkel zu uns aufwärts stieg;
Laß deine Gnade helfend uns umwehen;
  Gieb deinen Engeln, und gieb uns den Sieg!
Herr, bleib bei uns jetzt und zu allen Zeiten;
  Vor allem bleib, wenn unser Aug einst bricht.
Laß dein Erbarmen uns hinüberleiten
  Zur ewgen Wahrheit und zum ewgen Licht.
Wie dir schon jetzt der Sphären Lieder klingen,
  Die von der Last der Schwere du befreit,
So sollen dir auch unsre Lippen bringen
  Ein Halleluja, Herr, in Ewigkeit![1]

Textgeschichte[Bearbeiten]

Manuskript[Bearbeiten]

Am 10. Februar 1898 sandte Karl Mays erste Frau Emma May eine Abschrift dieses Gedichts an Max Welte mit der Bemerkung:

Hiermit erhalten Sie einstweilen Eins von den Gedichten meines Mannes, es war mir unmöglich, die andern abzuschreiben. Aber kein Mensch darf etwas davon erfahren, selbst Fr[au] Ploehn nicht, ich bitte Sie darum! Weshalb, sag ich Ihnen später.[2]

Himmelsgedanken.[Bearbeiten]

Am 18. Dezember 1900 erschien ein Gedichtband Mays mit dem Titel Himmelsgedanken im Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld.[3] In dieser Ausgabe ist das Gedicht auf den Seiten 179 und 180 enthalten. Der auf der gegenüberliegenden Seite abgedruckte Aphorismus lautet:

Die Sonne reinigt das Wasser, indem sie es ohne Unterlaß von der Erde trennt und emporzieht, um es ihr dann geläutert wieder zu spenden. Ob es wohl in einem andern Reiche einen ähnlichen Vorgang giebt?[4]

Vertonungen[Bearbeiten]

aktuelle Ausgaben[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Karl May: Himmelsgedanken, S. 179 f.
  2. Dieter Sudhoff/Hans-Dieter Steinmetz: Karl-May-Chronik II. Sonderband zu den Gesammelten Werken. Karl-May-Verlag Bamberg–Radebeul 2005, S. 110. ISBN 978-3-7802-0170-6.
  3. Hainer Plaul/Gerhard Klußmeier: Illustrierte Karl-May-Bibliographie, S. 244.
  4. Karl May: Himmelsgedanken, S. 181.

Weblinks[Bearbeiten]


Karl May: Himmelsgedanken
Himmelsgedanken 1900.jpg

Widmung. • Meine Legitimation. • Ragende Berge. • Gottesgedanke. • Liebe. • Ewig. • Gottesstunde. • Werdet frei! • Mein Himmel. • Sternensprache. • Sternschnuppe. • Sternkunde. • Bitte. • Gottesmahnung. • Hinauf – hinab. • Gnade. • Ade. • Heilesbotschaft. • "Vater!" • Läuterung. • Wohlthätigkeit. • Verzeihen. • Dein Auge. • Güte. • In die Berge. • Empor. • Ergieb dich drein. • Das Gewissen. • Selbstprüfung. • Einsicht. • Wohin? • Frage. • Räthsel. • Doppelsieg. • Berufung. • Unsern Dichtern. • Vogelsang. • Auf dem Friedhofe. • Wo sind die deinen? • Meine Engel. • An die Mutter. • Des Kindes Seligkeit. • Großmütterchen. • Frühling. • Blind und doch sehend. • Im Alter. • Die Leiden. • Kindschaft. • Heimkehr. • Umkehr. • Wunsch. • Das Kapellchen am See. • Mahnung. • Kannst du noch beten? • Andacht. • Hilf mir! • Reue. • Kanaan. • Im Traum. • Du hast – – – • Nur einer? • "Mehr Licht!" • Ich bin bei dir. • O bete gern! • Ich liebe. • Verständige Liebe. • Rückkehr zum Glauben. • Segen. • Meinem Schutzengel. • Tagesscheiden. • Dein Engel. • Zwei Worte. • Abendgebet. • Ein Wort von oben. • Ruhe. • Das Glück. • Drei Fragen. • Klarheit. • Der Mensch. • Zuversicht. • In tiefer Noth. • Das heilige Land. • Klage. • Nachruf. • Wahrheitstraum. • Guter Rath. • Zufall. • Abschied. • Schweigen. • Ernste Weisung. • Der Feind. • Deine Welt. • Sein ist die Zeit. • Eine Freundesstimme. • Das Volkslied. • Dichterwunsch. • Erdenleid. • Das Ich. • Wo? • Entwickelung. • Schön. • Des Waldes Seele. • Sonnenschein. • Das Vaterhaus. • Die Ehe. • Der Himmel auf Erden. • Vorwärts! • Die zweite Welt. • Abwehr. • Menschenliebe. • Der Völkerfriede. • In Ewigkeit. • Nachsicht. • Leitung. • Sei weise! • Wie das Meer. • Dank. • Menschenunmöglichkeit. • Quitt. • Bedachtsamkeit. • Selbstbetrug. • Von Kampf zu Kampf. • Zeit. • Das Wort. • Dein eigener Richterspruch. • Ein inneres Land. • Ueberflüssig. • Trost. • Weltweisheit. • Die Menschheitsseele. • Oberflächlichkeit. • 1901. • Zum Schluss.