Beschni

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Bechri (arab. بشري, auch Becheri transkribiert) ist ein Dorf in Tunesien. Es gehört zur Gemeinde Souk Lahad (arab. سوق الأحد) im Gouvernorat Kébili.

Bechri liegt in der Oasenregion Nefzaoua[1] auf einer von Süden her in den Chott el Djerid ragenden Halbinsel.

An der Stelle Bechris hat früher eine bedeutende Stadt gestanden, wie anhand zahlreicher archäologischer Funde erkennbar ist. Archäologen gehen davon aus, dass diese Stadt im Zusammenhang mit dem Limes Tripolitanus stand, also der südlichen Außengrenze des Römischen Reichs, die hier verlief. Einige von ihnen vertreten die Überzeugung, dass es sich um die in der Tabula Peutingeriana dargestellte Stadt Ad Templum handelt. Diese Meinung ist nicht unumstritten, aber ein anderer Name für die unzweifelhaft bereits in der Antike hier vorhandene Stadt ist nicht bekannt. Zwar gibt es zahlreiche Steine, bei denen erkennbar ist, dass sie römische Inschriften trugen, aber von diesen sind bestenfalls kleine Bruchstücke lesbar, weil die Steine bis heute immer wieder zum Bau neuer Häuser verwendet wurden.

Weniger strittig ist die Erwähnung dieser Stadt im 11. Jahrhundert durch den arabischen Geografen El-Bekri, auch wenn er ihren Namen mit Nefzaoua angibt, was heute, wie schon seit Jahrhunderten, der Name der ganzen Region ist. El-Bekri beschreibt eine Stadt mit einem djamê[2] und einigen vielbesuchten Bazaren, die von einer Mauer aus Natur- und Ziegelsteinen umgeben war und sechs Stadttore hatte. Sie wurde von einer großen Anzahl von Quellen mit Wasser versorgt.

Im 14. Jahrhundert ist die Stadt erstmals unter dem heutigen Namen dokumentiert. Et-Tidjani nennt sie in der Beschreibung seiner Reise in den Jahren 1306 bis 1309 als einen der zwei Hauptorte der Region Nefzaoua.

Ebenfalls im 14. Jahrhundert ist Ibn Chaldun das in Bechri stehende Grabmal des Omar, Sohn des Rahhou, eine Erwähnung in seiner „Geschichte der Berber ...“ wert.

Bechri hat seine Bedeutung also weit über das Ende des Römischen Reichs und über die arabischen Eroberungen hinaus behaupten können. Wann und aus welchem Grund der Niedergang begann, ist unbekannt. Es wird jedoch aus dem 19. Jahrhundert aus der ganzen Schott-Region ein kontinuierlicher Rückgang der Ergiebigkeit der Quellen berichtet. Bereits zu dieser Zeit bildete Bechri mit dem heute zur selben Gemeinde gehörenden Nachbardorf Fatnassa eine gemeinsame Oase. Diese hatte große Probleme mit Trockenheit und Versandung; die Quellen lieferten nur noch einen Teil des für die zuvor florierende Landwirtschaft benötigten Wassers. Im Jahr 1892 wurden nur noch 60 steuerpflichtige Einwohner Bechris gemeldet.

Frankreich, das 1881 Tunesien besetzte, legte ein umfassendes Programm zum Bau und zur Ertüchtigung von Brunnen und Zisternen auf. Dies führte zu einer Bevölkerungszunahme in Bechri. Im Jahr 1924 wurde die Überschreitung der 500-Einwohner-Marke verzeichnet.

Die Bewohner Bechris gehörten im neunzehnten Jahrhundert dem kleinen Stamm der Oulad Çaïd an.

bei Karl May[Bearbeiten]

Beschni
im Werk Karl Mays
Weltkarte1911.jpg

Durch die Wüste

Reiseroute über Bechri

Im ersten Band des „Orientzyklus“, „Durch die Wüste“, führt die Reiseroute Kara Ben Nemsis von Algerien in den Süden Tunesiens. Bei der im Wadi Tarfaui begonnenen Verfolgung des Mörders Hamd el Amasat führt ihn der Ritt durch Beschni. Begleitet wird er dabei von Halef. Es wird nie ganz klar, welcher Zweck mit der Verfolgung beabsichtigt wird, zumal Kara Ben Nemsi den Mörder zweimal einholt, nämlich noch im Wadi Tarfaui und dann in Kris, ihn aber jedes Mal laufen lässt. Bei Omar Ben Sadek, der die beiden führt, liegt die Sache anders; dieser sucht Hamd el Amasat, um den Mord an seinem Vater zu rächen.

Hier entwickelt sich Hamd el Amasat zu einer der wesentlichen Figuren des Orientzyklus. Auf Seite 19 von insgesamt 3665 Seiten hat er seinen ersten Auftritt, und erst zehn Seiten vor dem Ende ereilt ihn sein Schicksal.

Er (i. e. Omar Ben Sadek) ging schweigend weiter und führte uns in eine Hütte, wo wir einige Datteln aßen und eine Schale Lagmi tranken. Dann ging es nach Beschni, Negua und Mansurah, wo wir auf unsere Erkundigungen überall in Erfahrung brachten, daß wir dem Gesuchten auf den Fersen seien. Von Mansurah ist es gar nicht weit bis zu der großen Oase Kbilli.[3]

Bei dem gut 250 Kilometer langen Beginn der Reise stützt May sich fast vollständig auf einen in der „Deutschen Rundschau für Geographie und Statistik“ erschienenen Aufsatz von Joseph Chavanne, „Das algerisch-tunesische Binnenmeer“ und die dazugehörige Karte.[4] Alle Routenpunkte und weitere geografische Namen stimmen einschließlich der Schreibweise mit dieser Karte überein. Bei Bechri jedoch weist die Karte einen Mangel auf, man liest hier „Beschni“, so wie May den Ort folglich schreibt. Erst ein genauer Vergleich der Buchstaben lässt erkennen, dass dort tatsächlich „Beschri“ steht; aber eine Linie, die den in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Weg von Bouabdallah nach Bir Rekeb[5] jenseits des Schotts darstellt, liegt so unglücklich am Ende des „r“, dass dieses wie ein „n“ erscheint. Damit teilt Bechri das Schicksal zweier weiterer Orte des „Orientzyklus“, die May aufgrund einer misslungenen Kartendarstellung falsch lesen musste: Stujanowa und Shiganzy.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bakrī, ʻAbd Allāh ibn ʻAbd al-ʻAzīz Abū ʻUbayd al- (El-Bekri): Description de l'Afrique septentrionale. Ins Französische übersetzt durch William MacGuckin de Slane, Imprimerie Impériale, Paris 1859
  • Donau, Le Boeuf, de Pontbriand, Goulon & Tardy: Notes et documents sur les voies stratégiques et sur l'occupation militaire du sud tunisien à l'époque romaine. In: Bulletin archéologique du Comité des travaux historiques et scientifiques, Jg. 1903, 2. Lieferung Ernest Leroux, Paris, S. 272
  • et-Tidjani, Abu Mohammed Abdallah Mohammed ben Ibrahim: Voyage du Scheikh et-Tidjani dans la Régence de Tunis, pendant les années 706, 707 et 708 de l'Hégire, traduit de l'arabe par Alphonse Rousseau Imprimerie Impériale, Paris 1853
  • Lallemand, Charles: La Tunisie, pays de protectorat français Librairies-Imprimeries Réunies, Paris 1892
  • Ministère des Affaires Étrangères: Rapport au Président de la République sur la situation de la Tunisie en 1902 Imprimerie Nationale, Paris 1904
  • Ministère des Affaires Étrangères: Rapport au Président de la République sur la situation de la Tunisie en 1924 Imprimerie Albert Guenard, Tunis 1925
  • Teisserenc de Bort, Léon: Sur les ruines d'une ville dans le Nefzaoua. In: Compte rendu des séances de la Société de Géographie et de la Commission Centrale, Jg. 1886 Société de Géographie, Paris, S. 218
  • Tissot, Charles-Joseph: Notice sur le Chott El Djerid In: Bulletin de la Société de Géographie. Sixième Série - Tome Dix-Huitième, Ch. Delagrave, Paris 1879
  • Trousset, Pol: Recherches sur le limes tripolitanus du Chott El-Djerid à la frontière tuniso-libyenne. Éditions du Centre National de la Recherche Scientifique, Paris 1974
  • Walī ad-Dīn ʿAbd ar-Rahmān ibn Muhammad Ibn Chaldūn al-Hadramī (Ibn Chaldun): Histoire des Berères et des Musulmanes de l'Afrique septentrionale. Tome quatrième. Ins Französische übersetzt durch William MacGuckin de Slane, Imprimerie du Gouvernement, Alger 1856
  • Zaccone, Pierre: Notes sur la Régence de Tunis Ch. Tanera, Paris 1875

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Von Karl May im „Orientzyklus“ entsprechend der von ihm verwendeten Karte als „Nifzaua“ erwähnt.
  2. Ein bedeutendes Gotteshaus, das zu einer einfachen Moschee etwa im gleichen Verhältnis steht wie eine Kathedrale zu einer Dorfkirche.
  3. Karl May: Durch Wüste und Harem. Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld, Freiburg 1892, S. 54.
  4. Chavanne, Joseph: Das algerisch-tunesische Binnenmeer. In: Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik. II. Jahrgang Heft 6, A. Hartleben, Wien/Pest/Leipzig 1880.
    Daraus entnommen die Karte Das Algerisch-Tunesische Schott-Becken nach Capt. Roudaire's Aufnahmen.
    Inventar-Nr. KK002a in Karl Mays Bibliothek.
  5. Auch May nennt Bir Rekeb. Bei den Erkundigungen Omar Ben Sadeks nach dem Mörder seines Vaters erfährt er, dass dessen Führer über den Schott, Arfan Rakedihm, für den Rückweg nach Kris den Weg über Bir Rekeb gewählt habe. Damit gibt May seiner Beschreibung den Anschein von Authentizität. Da dem Komplizen des Mörders der direkte Rückweg natürlich verwehrt war, stellt der genannte Weg —zumindest nach der Karte zu urteilen— eine sinnvolle Alternative dar.
    Ganz gelungen ist der Anschein von Authentizität jedoch nicht, da es sich nicht um eine Ortschaft, sondern um eine Wasserstelle, einen Brunnen (Bir) handelt. Statt „nach Bir Rekeb“ hätte May also „zum Bir Rekeb“ schreiben müssen.