Hilla

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Hilla
im Werk Karl Mays
Weltkarte1911.jpg

Von Bagdad nach Stambul
Im Reiche des silbernen Löwen

Hilla mit der Schiffbrücke über den Euphrat im 19. Jahrhundert
Route von Bagdad über Hilla nach Birs Nimrud

Hilla (arabisch: الحلّة) ist eine Großstadt im Gouvernorat Bābil im Irak. Sie liegt an einem nach ihr benannten Altarm des Euphrat, 90 Kilometer südlich der irakischen Hauptstadt Bagdad, inmitten der Überreste der antiken Stadt Babylon.

Nach dem Untergang Babylons siedelte noch eine jüdische Restbevölkerung in dessen Ruinen, verließ diese aber in der zweiten Hälfte des elften Jahrhunderts. Um das Jahr 1100 erfolgte durch Seif ed-Daula eine Neugründung der Stadt am rechten Ufer des Euphrat unter dem Namen Hilla, der der Name eines Stadtteils von Babylon gewesen sein soll. Zum Bau der Stadt wurden die ringsum verfügbaren Ziegel der Ruinen Babylons verwendet.

Zunächst war Hilla eine bedeutende, wohlhabende Stadt; schon Ende des zwölften Jahrhunderts gab es eine Schiffbrücke über den Euphrat wie die im neunzehnten Jahrhundert geschilderte.

Der Niedergang Hillas begann mit der Eroberung Bagdads und der Umgebung durch mongolische Streitkräfte unter ihrem Heerführer Hülegü Khan im Jahr 1258. Zwar hatte sich die rein schiitische Stadt Hilla gegen das verhasste sunnitische Abbasiden-Kalifat in Bagdad[1] auf die Seite der mongolischen Eroberer geschlagen und blieb deswegen von direkten Kriegsfolgen verschont, aber die Zerstörung Bagdads und somit das Fehlen der nahen Metropole und vor allem die im Zuge der Kämpfe erfolgte Zerstörung des über Jahrhunderte aufgebauten und perfektionierten Bewässerungssystems bewirkten den Verfall der Wirtschaft. Bis zum Ende der Kalifenzeit haben arabische Schriftsteller das ganze Land zwischen Bagdad und Hilla als einen durchgehenden Garten beschrieben; nun wurde es größtenteils zur Wüste. An manchen Stellen bildeten sich durch das jetzt fehlgeleitete Wasser dagegen krankheitsfördernde Sümpfe. Damit versank auch Hilla für Jahrhunderte in Armut und Bedeutungslosigkeit. Die Region blieb umkämpft und kam im sechzehnten Jahrhundert unter osmanische Herrschaft.

Im neunzehnten Jahrhundert gehörte Hilla zum Eyâlet bzw. Vilâyet Bagdad; es gab hier einen aus Bagdad eingesetzten Statthalter. Von den inzwischen wegen der Ruinen Babylons zahlreichen abendländischen Reisenden wird es als eine arme, vernachlässigte und unbedeutende Stadt beschrieben, die etwa fünf Quadratkilometer groß und von einer teilweise verfallenen Stadtmauer umgeben war. Sie ersteckte sich immer noch fast nur auf dem rechten, westlichen Euphratufer; am linken Ufer gab es nur wenige Häuser. Auch das Innere der Stadt war teilweise verfallen, und von den übrigen Häusern waren fast alle in sehr schlechtem Zustand. Gebaut waren die Häuser aber immer noch aus den babylonischen Ziegeln, überall waren Inschriften Nebukadnezars zu sehen.

Die Böden waren fruchtbar, aber die Landwirtschaft wurde nicht so betrieben, wie es möglich gewesen wäre. Als Grund hierfür wird zum einen Misswirtschaft durch eine die Bevölkerung unterdrückende Obrigkeit genannt und zum anderen Absatzprobleme wegen unverhältnismäßig hoher Transportkosten. Diese wiederum hatten neben den Schwierigkeiten des Geländes mit den zahlreichen verfallenen Kanälen ebenfalls ihre Ursache in einer schlechten Verwaltung, der es nicht gelang, das Land zu befrieden und für ein sicheres Reisen zu sorgen.

Der Euphrat war zunächst noch saisonabhängig schiffbar, sechs Monate im Jahr konnten größere Flussschiffe Hilla von Basra aus erreichen. Im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts jedoch suchte sich der Euphrat ein neues Bett im Hindiya-Kanal, so dass der alte Lauf durch Hilla zunehmend verschlammte. Mit mehreren Wasserbau-Projekten wurde versucht, gegenzusteuern, aber nur mit jeweils kurzzeitigem Erfolg, und ein Dammbruch im Jahr 1903 führte endgültig zu dem heutigen Verlauf des Euphrat etwa 13 Kilometer westlich von Hilla.

Vor der großen Pest im Jahr 1831 hatte Hilla rund 30.000 Einwohner, danach weniger als die Hälfte, mit abnehmender Tendenz. Die meisten waren immer noch Schiiten, aber es gab jetzt auch etliche Sunniten und eine kleine jüdische Gemeinde mit einer Synagoge. Christen gab es fast nicht.

Hilla war eine türkische Garnisonsstadt; unter anderem war hier ein aus Kurden bestehendes Artillerie-Detachement stationiert.

im Werk Karl Mays[Bearbeiten]

May verwendet vier unterschiedliche Schreibweisen des Namens der Stadt: einmal "Hillah", sonst durchgehend "Hilla" im Orientzyklus; durchgehend "Hilleh" in "Im Reiche des silbernen Löwen" (hier aber auch einmal "Hilla") und in "Am Jenseits", und "Hillēh" in "Babel und Bibel". In den von ihm nachweislich verwendeten Quellen herrschen die Varianten "Hillah" und "Hille" vor; diese hat er also fast völlig vermieden und andere, ebenfalls gebräuchliche bevorzugt.

Orientyklus[Bearbeiten]

In "Von Bagdad nach Stambul", dem dritten Band des Orientzyklus reitet Kara Ben Nemsi mit Halef, Sir David Lindsay, Hassan Ardschir-Mirza, dessen Frau Dschanah, dessen Schwester Benda und deren Dienerin Alwah sowie Mirza Selim Agha von Bagdad aus in Richtung Kerbela, wo Hassan Ardschir-Mirza seinen Vater bestatten will. Lindsay will unterwegs bei den Ruinen von Babylon bleiben, um Ausgrabungen durchzuführen. Auch Kara Ben Nemsi beabsichtigt, Kerbela zu besuchen, kann das als Christ aber nur heimlich tun. Deswegen gibt er vor, über Hilla bis zum Birs Nimrud mitzureiten, um Lindsay zu begleiten:

Wir zogen am Flusse hinauf, um über die obere Schiffbrücke zu reiten. […]
Zwischen der Straße nach Basra links und derjenigen nach Deïr rechts, kamen wir an Ziegeleien und an dem Grabmale der Zobeïde vorüber, passierten den Oschach-Kanal und befanden uns nun im freien Felde. Um Hilla zu erreichen, hatten wir den schmalen Isthmus zu durchschneiden, welcher den Euphrat von dem Tigris trennt. Hier stand noch zu Ende des Mittelalters Garten an Garten; da wehten die Palmen, da dufteten die Blumen, da glänzten die herrlichsten der Früchte am blätterreichen Geäst. Jetzt gilt hier Uhlands Wort:
„Kein Baum verstreuet Schatten, kein Quell durchdringt den Sand.“ Die lebenspendenden Kanäle sind vertrocknet und scheinen nur vorhanden zu sein, um räuberischen Beduinen zum Schlupfwinkel zu dienen. […]
Zum Glück erreichte ich wenigstens so viel, daß wir, als wir abends an einen Khan gelangten, in welchem der Pilgerzug gerastet hatte, dort nicht übernachteten, sondern entfernt davon in einem breiten Kanale unser Lager aufschlugen. […]
Endlich, am späten Nachmittag, sahen wir zu unserer rechten Hand die Ruine El Himaar vor uns auftauchen; sie liegt nur wenig über eine Meile von Hilla entfernt. Bald erschien der vor El Mudschellibeh stehende Höhenzug und südlicher die Amran-Ibn-Aly-Stätte; wir gelangten durch die am linken Euphratufer liegenden Gärten von Hilla und ritten über eine höchst unzuverlässige Schiffbrücke in das Städtchen. Dasselbe ist berüchtigt durch sein Ungeziefer, seine selbst für den Orient grenzenlose Unreinlichkeit und seine bis zur Tollheit fanatische Bevölkerung. Wir hielten uns nur so lange auf, als nötig war, um anderthalb Schock am Wege sitzender Bettler summarisch zu befriedigen, und eilten dann weiter, dem Birs Nimrud, dem babylonischen Turm zu, der dritthalb Wegstunden im Südwesten von Hilla liegt. Da diese Stadt ungefähr die Mitte des noch vorhandenen Ruinenfeldes einnimmt, so kann man sich eine Vorstellung von der ungeheuren Ausdehnung des alten Babel machen.
[2]

Sämtliche hier gegebenen Informationen hat May in seiner Bibliothek gefunden; in von Schweiger-Lerchenfelds auch sonst ausgiebig verwendeten Werk „Der Orient“:

[…] und den Tigris auf der nördlicheren der beiden Schiffsbrücken übersetzen. Von dort geht es am Saume der rechtsufrigen Vorstadt, knapp am Grabmal der Zobeïde vorüber und über den großen Oschasch-Canal[3] weiter nach Hillah, […]
Herabstimmender noch als das Ruinenbild wirkt der öde Platz ringsum, wo einst die Lustgärten der Sassaniden-Könige sich erstreckten. […]
Eine Karawane ist zwei Tage unterwegs, doch fehlt es auf der Strecke nicht an großen, mauerumzogenen Hans, welche diejenigen zur Rast einladen, die genug starke Nerven haben, um den Pestgestank der von den schiitischen Pilgern mitgebrachten Todten, welche nach Kerbela gebracht werden, zu ertragen. Solche starke Nerven scheinen auch die Beduinenhorden zu besitzen, die in den zahlreichen trockenen Kanälen auf Beute lauern. […]
Dieses Hillah, am rechten Euphrat-Ufer gelegen, ist mitten in das ungeheuer ausgedehnte Ruinenfeld von Babylon hineingesetzt. Freilich ist die Stadt selbst, in die man über eine baufällige Schiffbrücke gelangt, unansehnlich, voll giftigen Gewürms und der Heimsitz einer äußerst fanatischen Bevölkerung.
[4]

Was im Text an Angaben fehlt, konnte May zwei beigefügten Plänen von Bagdad und von Hilla entnehmen.[5] Hier fand er alles weitere, wie die Ziegeleien am Ausgang von Bagdad, die Lage der Straßen nach Basra, nach Hilla und nach Deïr, die Gärten von Hilla oder die Lage der erwähnten Ruinenstätten.

Im Reiche des silbernen Löwen[Bearbeiten]

Im ersten Band von "Im Reiche des silbernen Löwen" beschließen Kara Ben Nemsi und Halef, Bagdad und die Ruinen von Babylon wieder zu besuchen. Dabei wird explizit Bezug genommen auf den ersten Besuch im Orientzyklus. Sie nehmen ihre Wohnung wieder bei ihrem damaligen Wirt Dozorca und seinem Diener Kepek. Dozorca erzählt seine früheren Erlebnisse am Birs Nimrud, wobei auch Hilla eine Rolle spielt.

Der zweite Band beginnt mit dem Ritt Kara Ben Nemsis und Halefs von Bagdad zum Birs Nimrud. Wie beim ersten Mal führt sie der Weg über Hilla, wo sie diesmal aber in einem Gasthaus einkehren und in eine Auseinandersetzung mit drei Ghasai-Beduinen geraten, die sich als Solaib ausgeben. Sie bleiben Sieger und reiten weiter zum Birs Nimrud.

Dort werden sie von türkischen Soldaten für Schmuggler gehalten, gefangen genommen und nach Hilla zurückgebracht, um vor Gericht gestellt zu werden. Es folgt, wie des Öfteren bei May, ein Zerrbild einer Gerichtsverhandlung, die beiden eine Zeitlang über sich ergehen lassen. Dann jedoch reiten sie einfach davon und verlassen Hilla erneut.

Am Euphrat werden sie von der Verbrecherbande der Sillan überrumpelt und gefangen. Kara Ben Nemsi kann sich zwar befreien, wird aber wieder überlistet und zusammen mit Halef im Birs Nimrud eingesperrt. Noch einmal kann er sich befreien; er kehrt nach Hilla zurück und holt das Militär zu Hilfe. So kann auch Halef aus dem Birs Nimrud befreit und die dortige Abteilung der Sillan unschädlich gemacht werden.

Danach geht es noch ein letztes Mal nach Hilla, wo Kara Ben Nemsi und Halef eine Nacht als Gäste des türkischen Offiziers Amuhd Mahuli verbringen.

Auch in diesem, Reisebeschreibung genannten Werk darf natürlich eine Beschreibung der berührten Orte nicht fehlen. May greift dazu vor allem auf den Orientzyklus zurück, fügt aber interessante Details über den Weg nach Hilla hinzu:

Durch diese Einöde führte unser Weg erst nach dem Khan Assad und dann nach dem Khan Bir Nust, den wir kurz vor Abend erreichte. Im Khane selbst zu übernachten, fiel uns wegen des dortigen Ungeziefers nicht ein; wir suchten ihn nur auf, um unsere Pferde zu tränken, und ritten dann noch ein Stück in der Richtung nach dem Khan Iskenderijeh weiter, wo wir abstiegen, die Tiere anpflockten und unsere Decken zum Lager ausbreiteten.[6]

Hier erkennt man, dass May inzwischen Heinrich Kieperts 1883 erschienene Karte Ruinenfelder der Umgegend von Babylon erworben hatte,[7] die die drei genannten Gasthöfe darstellt.[8]

weitere Werke[Bearbeiten]

In "Am Jenseits" wird Hilleh einige Male zur Wegbeschreibung erwähnt, und im Drama "Babel und Bibel" wird erwähnt, dass Marah Durimeh in Hillēh sei.

Literatur[Bearbeiten]

  • Niebuhr, Carsten: Reisebeschreibung nach Arabien und anderen umliegenden Ländern. Zweyter Band. Hofdruckerey bey Nicolaus Möller, Kopenhagen 1778
  • Porter, Robert Ker: Travels in Georgia, Persia, Armenia, Ancient Babylonia, &c. &c. Vol. II Longman, Hurst, Rees, Orme and Brown, London 1822
  • Taylor, William Cooke: Geschichte des Mahomedanismus und seiner Sekten Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1837
  • Layard, Austen Henry: Nineveh und Babylon. Nebst Beschreibungen seiner Reisen in Armenien, Kurdistan und der Wüste Dyk’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1856
  • Oppert, Jules: Expédition scientifique en Mésopotamie, Tome I Imprimerie Impériale, Paris 1863
  • Herzog, Christoph: Die Osmanische Herrschaft und Modernisierung im Irak, Die Provinz Bagdad, 1817-1917 University of Bamberg Press, Bamberg 2012

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Zeitgenössische Quellen berichten auch, dass die Einnahme Bagdads durch die Mongolen durch den Verrat des schiitischen Wesirs Ibn al Kami an dem letzten Abassiden-Kalifen, Al-Mostazem, möglich geworden sei. Unabhängig von der Glaubwürdigkeit dieser Quellen war aber die Einnahme der Stadt allein wegen der militärischen Übermacht des mongolischen Heers unausweichlich.
  2. Karl May: Von Bagdad nach Stambul Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld, Freiburg 1892, S. 300-312.
  3. Die Schreibweise "Oschasch" scheint die korrekte zu sein; May schreibt jedoch "Oschach" und übernimmt damit offenbar einen Schreibfehler aus von Schweiger-Lerchenfelds Plan von Bagdad.
  4. von Schweiger-Lerchenfeld, Amand: Der Orient A. Hartleben, Wien / Pest / Leipzig 1882, S. 362-365.
    Inventar-Nr. KM0472 in Karl Mays Bibliothek.
  5. von Schweiger-Lerchenfeld, Amand: Der Orient, Ergänzungen S. XLI und XLIII.
  6. Karl May: Im Reiche des silbernen Löwen – 2. Band. Friedrich Ernst Fehsenfeld, Freiburg i. Br. 1898, S. 2.
  7. Die Begleitworte zu dieser Karte befinden sich unter der Inventar-Nr. KM2028 in seiner Bibliothek.
  8. Auch hier wählt May wieder abweichende Schreibweisen der Namen. Zusätzlich muss es sich bei "Bir Nust" um einen Lese-, Schreib- oder Setzfehler handeln; richtig wäre "Bir Nusf". Bir heißt Brunnen und Nusf Mitte oder Hälfte, wie May uns im Waldröschen anlässlich der Übersetzung von "nossf el leel" mit Mitternacht erklärt hatte. Dieser Gasthof lag etwa auf halbem Wege von Bagdad nach Hilla

Weblinks[Bearbeiten]