Schohrd

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Schohrd
im Werk Karl Mays
Weltkarte1911.jpg

Durchs wilde Kurdistan
nur erwähnt in:
Von Bagdad nach Stambul
Im Reiche des silbernen Löwen II
Im Reiche des silbernen Löwen IV

Route über Schuhrd

Shurd war ein nahe dem Großen Zab gelegenes Dorf assyrischer Christen des Stammes Untere Tiyari. Nach einer britischen Militärkarte zweifelhafter Genauigkeit aus dem Jahr 1910 lag es an einem linken Nebenfluss des Großen Zab namens Tkhub Su, knapp zwei Kilometer vor seiner Einmündung in den Großen Zab. Heute liegt diese Stelle in der Provinz Hakkâri in der Türkei, gut zwei Kilometer nördlich der Grenze zum Irak und ist unbesiedelt.

Das Dorf wird unter variierenden Bezeichnungen wie Shoordh, Shoord, Shurd, Schuhrdh, Shurt oder Shurth vereinzelt in der Literatur erwähnt, jedoch mit zwei Ausnahmen ohne weitere Angaben dazu.

Der Weg des englischen Missionars Badger führte 1843 in der Nähe von Shurd entlang; er erwähnt aber nicht, dass er das Dorf gesehen habe. Entsprechend seinem vorrangig kirchlichen und religösen Interesse nennt er dagegen „Shoord“ in einer Liste von Gemeinden der Diözese des Patriarchen Mar Shimun. Demnach wohnten im Jahr 1850 12 Familien in dem Dorf; es gab keinen Priester und keine Kirche.[1]

Der vermutlich einzige Augenzeugenbericht stammt aus dem Jahr 1846 von Layard:

Nun kamen wir in ein von einem Bergstrome gebildetes Thal, der sich unterhalb Lizan mit dem Zab vereinigt. Auf der entgegengesetzten Seite, aber sehr weit entfernt, lagen die kurdischen Dörfer des Distriktes von Chal, von Bäumen und Gärten umgeben. Wir kamen durch das kleine chaldäische Dorf Schuhrdh, jetzt ein Ruinenhaufen, von einigen elenden Familien bewohnt, deren Priester erst vor Kurzem auf Befehl Nur-Ullah Bey's, des Häuptlings der Hakkiari, hingerichtet worden war. Von Schuhrdh aus stiegen wir in eine wilde und felsige Thalschlucht hinab, die nach dem einst so reichen und bevölkerten Thale von Raola führte.[2]

In einer Liste der bis 1915 existierenden Dörfer der Unteren Tiyari ist Shurd noch enthalten.[3]

Im Rahmen des Völkermords an den Assyrern und Aramäern organisierte der Pascha von Mossul eine Kampagne gegen die assyrischen Stämme, bei der am 11. Juni 1915 kurdische Truppen in das Tal, in dem Salabkhan (Salabekkan) lag, vordrangen und sämtliche Dörfer niederbrannten.[4] Salabkhan ist ein weiteres Dorf, das heute nicht mehr aufzufinden ist. Nach den alten Karten lag es im selben Seitental des Großen Zab wie Shurd, das nach dieser Nachricht also auch zerstört wurde. Danach ist keine Erwähnung Shurds mehr zu finden.

im Werk Karl Mays[Bearbeiten]

Schohrd ist Wohnort der folgenden Personen: Nedschir-Bey, dem Raïs (Oberhaupt) von Schohrd, seiner Tochter Ingdscha und von Madana.

Nachdem in „Durchs wilde Kurdistan“, dem zweiten Band des „Orientzyklus“, Kara Ben Nemsi und seine Gefährten Halef, Mohammed Emin, Sir David Lindsay und Amad el Ghandur zusammen mit dem Bey von Gumri bei Mia von den Leuten des Melek von Lizan gefangengenommen wurden, gerät Kara Ben Nemsi mit Nedschir-Bey aneinander, der ein Verbündeter des Melek von Lizan ist. Da er inzwischen aber mehr Gast als Gefangener des Melek ist, bleibt diese Begegnung zunächst folgenlos. Später aber überfallen die Leute des Nedschir-Bey Kara Ben Nemsi, um die von ihm initiierten Friedensverhandlungen zwischen den Tijari des Melek von Lizan und den Berwari-Kurden des Bey von Gumri zu hintertreiben. Er wird in einer einsamen Hütte bei Schohrd gefangen gehalten. Durch seine Bekanntschaft mit Marah Durimeh kann er die Freundschaft seiner Wächterinnen, Ingdscha und Madana gewinnen, zusammen mit Marah Durimeh alles zum Guten wenden und den Frieden herbeiführen.

May verwendet drei unterschiedliche Schreibweisen des Ortsnamens. Zunächst wird Nedschir-Bey zweimal als der Raïs von Schuhrd bezeichnet. Anschließend wird mit je einer Ausnahme sowohl das Dorf als auch sein Raïs Schohrd geschrieben; die Ausnahmen lauten Dschohrd.[5]

In der von May hier verwendeten deutschen Übersetzung von Layards Bericht wird das Dorf Schuhrdh geschrieben (im englischen Original heißt es Shoordh), in der dazugehörigen Karte jedoch Schuhrd, so wie May den Ort zunächst auch nennt.[6] Dass er später fast durchgängig Schohrd schreibt, deutet darauf hin, dass May außer der deutschen Übersetzung von Layard noch weitere Quellen genutzt haben könnte.

Erwähnt wird Schohrd bzw. der Raïs oder Scheik von Schohrd noch in drei weiteren Bänden: „Von Bagdad nach Stambul“, „Im Reiche des silbernen Löwen II“ und „Im Reiche des silbernen Löwen IV“.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Badger, George Percy: The Nestorians and Their Rituals, Volume I. Joseph Mastern, London 1852, S. 394.
  2. Layard, Austen Henry: Niniveh und seine Ueberreste, Neue wohlfeile Ausgabe Dyk'sche Buchhandlung, Leipzig 1854, S. 105.
    Inventar-Nr. KM0689 in Karl Mays Bibliothek.
  3. Yonan, Gabriele: Lest We Perish - A Forgotten Holocaust - the Extermination of the Christian Assyrians in Turkey and Persia Assyrian International News Agency, 1996, S. 88 (Teil 2).
  4. Yonan, Gabriele: Lest We Perish - A Forgotten Holocaust - the Extermination of the Christian Assyrians in Turkey and Persia Assyrian International News Agency, 1996, S. 97-98 (Teil 2).
  5. Karl May: Durchs wilde Kurdistan, Band 2 der Gesammelten Reiseromane, Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld, Freiburg 1892.
  6. Die phonetische Umsetzung von „Shoordh“ in „Schuhrdh“ ist stimmig. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei der Schreibweise „Schuhrd“, die May aus der Karte übernommen hat, um einen Setzfehler handelt.