Aïn Ata

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Route von Baalbek über Dschead (Yeid), Aïn Ata (Ainette) und Tripolis nach Beirut

Ainata (arabisch: عيناتا, alternative Schreibweisen ‘Ain ‘Ata, Aïnâta, ‘Aynāt oder ‘Aynātā) ist ein Dorf im Libanon.
Es liegt im Distrikt Baalbek des Gouvernorats Baalbek-Hermel, 3 km nordwestlich von Baalbek und 63 km nordöstlich der Hauptstadt Beirut.

Nach Burton und Tyrwhitt-Drake[1] handelt es sich bei Ainata um die in der Bibel, im Alten Testament, vielfach genannte Stadt Anatot.[2] Eine in früheren Zeiten größere Bedeutung des Ortes wird auch durch die im achtzehnten Jahrhundert noch vorhandene Ruine eines Kastells belegt.[3]

Die frühere Geschichte Ainatas liegt im Dunklen; die arabischen Geografen erwähnen es nicht. Erste Erwähnungen eines Dorfs gibt es zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts, als zahlreiche europäische Reisende sowohl die Ruinen von Baalbek als auch die berühmten Zedern des Libanon besuchten. Der Weg zwischen beiden führte über Ainata, das wegen seiner Quelle guten Wassers meist als Nachtlager gewählt wurde.

Die aus dem ganzen neunzehnten Jahrhundert vorliegenden Berichte, die den Ort unter den Namen Ain Ata, Ain-Ata, Ain Nede, Ain Nete, Ainat, Ainete, Ainitha, Ainnet, Ainnete, Anietta, Ayn Aty, Aynátá und Nubbeh Ain Eaty nennen, spiegeln eine sehr wechselvolle Geschichte des Dorfes wider.
Bis 1853 wird entweder ein verlassenes, verfallenes Dorf erwähnt, oder gar kein Dorf, sondern nur die Quelle. Einige der zu Ainata gehörenden Felder wurden allerdings von Bauern der benachbarten Dörfer bebaut, die während der Ernte in provisorischen Hütten lebten.[4][5]
Erst ab 1857 wird es als ärmliches Dorf beschrieben, im Jahr 1880 als von 60 Maroniten bewohnt.

Der Grund für die Zerstörung und Aufgabe des Dorfes ist in einer kriegsähnlichen Fehde zwischen unterschiedlichen Familienverbänden zu suchen. Burckhardt nennt als Gegner nur Schiiten[5], Petermann die schiitische Familie Harfouch[6] und Buchanan die Leute aus dem 16 Kilometer nordwestlich liegenden Ort Ehden.[7]

Trotz dieser sich über einen langen Zeitraum hinziehenden Kämpfe – Burckhardt berichtet aus dem Jahr 1810, Buchanan aus dem Jahr 1857 – war im neunzehnten Jahrhundert Ainata für den Honig von seinen Bergen berühmt, der als der beste des Libanon galt.

bei Karl May[Bearbeiten]

Aïn Ata
im Werk Karl Mays
Weltkarte1911.jpg

Von Bagdad nach Stambul

Das Dorf Aïn Ata wird im dritten Band des Orientzyklus von der Route Kara Ben Nemsis und Halefs berührt. Von Damaskus aus verfolgen sie zusammen mit Jacub Afarah und den Dienern Sir David Lindsays, Bill und Fred den Juwelendieb Abrahim Mamur. In Baalbek treffen sie auf den bis vor kurzem totgeglaubten Lindsay, der Abrahim Mamur inzwischen die gestohlenen Juwelen abgenommen hat. Der aber kann sie erneut stehlen und in Richtung Tripolis fliehen, so dass die Verfolgung, jetzt unter Lindsays Mitwirkung, weitergeht:

Dann erreichten wir das Dorf Dschead. Hier erkundigten wir uns und hörten, daß gestern kein Fremder übernachtet habe, daß aber ein von Aïn Ata kommender Bewohner des Dorfes einem einsamen Reiter begegnet sei, welcher jedenfalls nach diesem Orte gewollt habe. In Aïn Ata erfuhren wir dann, daß dieser Reiter wirklich dort durchgeritten sei und sich einen Mann gemietet habe, der genau den kürzesten Weg nach Tripoli wisse.[8]

Der Rest des über 60 Kilometer langen Ritts über das Libanongebirge bis zum Hafen von Tripolis, wo ihnen Abrahim Mamur mit dem Schiff zunächst entkommt, wird nur noch summarisch in wenigen Sätzen geschildert.

Mays Schreibweise des Ortsnamens ist auch hier wieder einzigartig. In keiner der Quellen seiner Zeit ist das Trema in Aïn Ata zu finden. Er kannte aber aus der Vielzahl von ihm studierten Quellen andere Orte mit dem Namensteil Aïn, die mit dem Trema geschrieben wurden, so zum Beispiel Aïn el Khalkhan.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Burton, Richard Francis; Tyrwhitt-Drake, Charles Francis: Unexplored Syria: Visits to the Libanus, the Tulúl el Safá, the Anti-Libanus, the northern Libanus, and the 'Aláh. Vol.I. Tinsley Brothers, London 1872, S. 75
  2. Beispielsweise Jos 21,18, aber auch in den Büchern 1. Könige, 1. Chronik, Esra, Nehemia und Jeremia.
    Diese Identifizierung ist umstritten. Meist wird ‘Anātā im Westjordanland mit Anatot identifiziert, es gibt aber noch weitere Kandidaten.
  3. Ritter, Carl: Die Erdkunde von Asien. Band VIII. Zweite Abtheilung. Die Sinai-Halbinsel, Palästina und Syrien. Dritter Abschnitt. G. Reimer, Berlin 1854,S. 301
  4. Kruse, Fr., Hinrichs, Müller, et.al. (Hrsg.): Ulrich Jasper Seetzen's Reisen durch Syrien, ... Erster Band G. Reimers, Berlin 1854, S. 180.
    Inventar-Nr. KM0490[a] in Karl Mays Bibliothek
  5. 5,0 5,1 Burckhardt, Johann Ludwig: Reisen in Syrien, Paläestina und der Gegend des Berges Sinai Band 1, (hg. von Wilhelm Gesenius) Gr. S. priv. Landes-Industrie-Comptoir, Weimar 1823, S. 60-61.
  6. Petermann, Julius Heinrich: Reisen im Orient. Erster Band. Veit & Comp., Leipzig 1860 S. 318
  7. Buchanan, Robert: Notes of a Clerical Furlough spent chiefly in the Holy Land. Third Thousand. Blackie and Son, London 1859 ,S. 430-431
  8. Karl May: Von Bagdad nach Stambul Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld, Freiburg 1892, S. 446.