Kbilli

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Kbilli
im Werk Karl Mays
Weltkarte1911.jpg

Durch die Wüste
nur erwähnt in:
Von Bagdad nach Stambul
Der Schut
Die Rose von Kaïrwan

Reiseroute über Kbilli

Kebili (arabisch قبلي, alternative Transkriptionen: Kebilli, Kbilli, Q'ebilli oder Guebelli[1]), ist die Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernorats in Tunesien und Zentrum der beiden Gemeinden Kebili Nord (arabisch: قبلي الشمالية) und Kebili Süd (arabisch: قبلي الجنوبية). Kebili hat knapp dreißigtausend Einwohner (Stand 2014). Es liegt in der Oasenregion Nefzaoua[2] aum südöstlichen Ende des Chott el Djerid.

Die Stadt Kebili in ihrer heutigen Lage wurde durch die französische Besatzungsmacht mit einem Dekret im Jahr 1890 als regionales Zentrum der Militärverwaltung gegründet und in den darauffolgenden Jahren aufgebaut. Die zuvor bestehende, deutlich kleinere Stadt wurde in der Folge nach und nach aufgegeben; ein Prozess, der sich bis etwa 1970 hinzog. Ihre Überreste sind als Alt-Kebili in gut zwei Kilometern Entfernung südlich des neuen Stadtzentrums noch vorhanden.

Die ältere Geschichte Kebilis liegt weitgehend im Dunkeln. Zwar gibt es außer erhalten gebliebenen Teilen römischer Bewässerungsanlagen keine antiken Bauwerke mehr, aber die Steine der abgebrochenen Bauwerke, etliche auch mit Inschriften, sind durch ihre Wiederverwendung in neueren Häusern in so großer Zahl erhalten geblieben, auch zahlreiche römische Säulen in Moscheen, dass in der Forschung Einigkeit besteht, dass Kebili in der Nachfolge einer antiken Stadt steht.
Keine Einigkeit gibt es in der Frage, ob es sich dabei um eine der namentlich bekannten Städte handelt, die in dieser Gegend gelegen haben müssen: Vepillium, Ad Templum (wobei auch die Möglichkeit berücksichtigt werden muss, dass diese beiden identisch sind) oder Turris Tamalleni. Zwar ist Turris Tamalleni identifiziert; es lag weiter nördlich dort, wo heute die Dörfer Mansoura, Telmine, Rabta und Jedida liegen, aber einige Forscher meinen, dass auch Kebili dazugehört.
Obwohl viele die Ähnlichkeit der Namen Kebili und Vepillium für ein wichtiges Indiz halten, neigen die meisten Wissenschaftler zu der Meinung, dass keiner dieser antiken Namen zutrifft.
Auch die arabischen Geografen erwähnen außer den beiden Städten, deren Lage identifiziert ist (Bechri und Torra bzw. Thora, das ist Turris Tamalleni), keine weitere.

Die ersten Erwähnungen Kebilis stammen aus dem achtzehnten Jahrhundert; sie berichten von der Stadt als ein Zentrum des Sklavenhandels. Detaillierter werden die Berichte in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Kebili war die wichtigste Stadt der Nefzaoua und wohlhabend. Die Stadt war von einer Stadtmauer mit fünf Stadttoren umgeben und zusätzlich mit einem Wassergraben geschützt, und sie besaß fünf Moscheen. Die eigentliche Oase mit über 30.000 Palmen lag wie ein Park östlich vor den Toren der Stadt.

Herrscher Tunesiens war der Bey von Tunis, er war jedoch zu schwach, um eine dauerhafte Kontrolle über den Süden des Landes auszuüben. Deswegen waren auch die Bewohner Kebilis relativ unabhängig und mussten nur Strafexpeditionen des Beys fürchten, wenn sie es mit der Steuerverweigerung übertrieben. Um seine Macht über die Region ansatzweise aufrechtzuerhalten und weiter Steuererträge aus Kebili und der Region zu ziehen, ernannte der Bey im willkürlichen Wechsel die Führer unterschiedlicher Stämme zu „Caïds“, zu den lokalen Vertretern seiner Macht, und schürte dadurch ein Konkurrenzdenken und die Uneinigkeit zwischen den Stämmen. Trotzdem kam es immer wieder zu Aufständen gegen den Herrscher in fernen Tunis. Zunächst gingen diese wegen des ausgewogenen Kräfteverhältnisses für beide Seiten relativ glimpflich aus.

Als aber der Bey von Tunis wegen seiner chronisch leeren Kassen eine Verdoppelung der Steuern verfügte, kam es zu hartnäckigerem Widerstand. Den Truppen des Beys gelang es im Jahr 1855, Kebili mit Gewalt einzunehmen. Sie verübten ein Massaker an der Bevölkerung und zerstörten die Stadt großenteils.

Weil Kebili über Wasser im Überfluss und sehr fruchtbare Böden verfügte, konnte sich die Stadt schnell erholen, aber ihre vorherige Blüte erreichte sie nicht mehr. Die Befestigung der Stadt blieb teilweise zerstört und auch mehr als die Hälfte der Wohnhäuser waren ganz oder teilweise zerstört.

Im Jahr 1881 besetzte Frankreich Tunesien mit der Begründung, die Einfälle der Krumir nach Algerien unterbinden zu wollen und erklärte es zum „Protektorat“. Während im Norden eine zivile Verwaltung eingesetzt wurde, wurde der Süden Militärgebiet („territoire de commandement militaire“). Kebili wurde zum Sitz der Verwaltung des gleichnamigen Militärkreises („cercle militaire de Kébili“).

Nach der Unabhängigkeit Tunesiens im Jahr 1956 gehörte Kebili zum Gouvernorat Gabès, bevor 1981 das Gouvernorat Kebili gegründet wurde.

bei Karl May[Bearbeiten]

Gefangennahme Hamd el Amasats durch Omar Ben Sadek beim Wekil in Kbilli

Im ersten Band des „Orientzyklus“, „Durch die Wüste“, kommen Kara Ben Nemsi, Hadschi Halef Omar und Omar Ben Sadek bei der Verfolgung des Mörders Hamd el Amasat über den Schott Dscherid von Kris nach Kbilli.

Er (i. e. Omar Ben Sadek) ging schweigend weiter und führte uns in eine Hütte, wo wir einige Datteln aßen und eine Schale Lagmi tranken. Dann ging es nach Beschni, Negua und Mansurah, wo wir auf unsere Erkundigungen überall in Erfahrung brachten, daß wir dem Gesuchten auf den Fersen seien. Von Mansurah ist es gar nicht weit bis zu der großen Oase Kbilli. Dort gab es damals noch einen türkischen Wekil (** Statthalter.), welcher unter der Aufsicht des Regenten von Tunis den Nifzaua verwaltete. Hierzu waren ihm zehn Soldaten zur Verfügung gestellt worden.[3]

Der Wekil von Kbilli will den Verbrecher schützen, wird jedoch von Kara Ben Nemsi gezwungen, ihn festzunehmen. Trotz des Widerspruchs der Gattin des Wekil, Mersinah, genannt die „Rose von Kbilli“, lässt der Wekil Hamd el Amasat jedoch fliehen. Omar Ben Sadek verfolgt ihn, aber erst im letzten Band des Zyklus „Der Schut“ kann er ihn bestrafen.

Bei dem gut 250 Kilometer langen Beginn der Reise stützt May sich fast vollständig auf einen in der „Deutschen Rundschau für Geographie und Statistik“ erschienenen Aufsatz von Joseph Chavanne, „Das algerisch-tunesische Binnenmeer“, und die dazugehörige Karte.[4] Alle Routenpunkte und weitere geografische Namen stimmen einschließlich der Schreibweise mit dieser Karte überein, so auch Kbilli.

An der Schilderung der Zustände in Kbilli wird jedoch deutlich, dass May sich auch aus anderen Quellen über die Verhältnisse in Tunesien informiert hat:

Ein Wekil mit zehn Stück Soldaten in einer so vorgeschobenen, vergessenen Oase - er war jedenfalls einmal nichts anderes gewesen, als höchstens Tschausch oder Mülasim, und man weiß ja, was man von einem türkischen Lieutenant zu halten hat. Diese Subalternen sind oder waren nichts anderes, als die Stiefelputzer und Pfeifenstopfer der höheren Chargen. Man hatte den guten Mann nach Kbilli gesetzt, um ihm Gelegenheit zu geben, für sich selbst zu sorgen, und dann jedenfalls niemals wieder an ihn gedacht, denn der Bei von Tunis hatte bereits alle türkischen Soldaten aus dem Lande gejagt, und die Beduinenstämme standen nur in der Weise unter dem Schutze des Großherrn, daß er ihren Häuptlingen jährlich die ausbedungenen Ehrenburnusse schickte, während sie sich ihm dadurch dankbar erwiesen, daß sie gar nicht mehr an ihn dachten.[5]

Insbesondere die Angaben, dass es prinzipiell keine türkischen Soldaten mehr im Land gab und dass die Stämme der Nefzaoua sich vom Bey unabhängig fühlten sowie die Erwähnung der Ehrenburnusse verraten ein —wenn auch oberflächliches— Wissen, dass er bei Chavanne nicht finden konnte.

In zwei weiteren Bändes des „Orientzyklus“, „Von Bagdad nach Stambul“ und „Der Schut“, sowie in dem Band „Die Rose von Kaïrwan“ wird Kbilli im Zusammenhang mit dem Mord an Sadek oder dem Ritt über den Schott Dscherid erwähnt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Baraban, Léopold: A travers la Tunisie, études sur les oasis, les dunes, les forêts, la flore et la géologie J. Rothschild, Paris 1887.
  • Bisson, Vincent: Défi à Kébili. Enjeux fonciers et appropriation urbaine au Sahara tunisien. In: Annales de Géographie Nr. 644 (114. Jg.), Armand Colin, Malakoff 2005, S. 399-421.
  • Dilhan, Alphonse: Histoire abrégée de la régence de Tunis, Imprimerie Balitout, Questroy et Co., Paris 1866.
  • Guérin, Victor: Voyage archéologique dans la régence de Tunis, tome premier Henri Plon, Paris 1862.
  • Jacobs, Daniel; Morris, Peter u.a.: The Rough Guide to Tunisia Rough Guides, London 2001.
  • Petermann, August: H. Duveyrier's Ankunft in Ghadames. In: Mittheilungen aus Justus Perthes’ Geographischer Anstalt über wichtige neue Erforschungen auf dem Gesammtgebiete der Geographie von Dr. A. Petermann Justus Perthes, Gotha 1860, S. 484-485.
    Inventar-Nr. KK0136a in Karl Mays Bibliothek.
  • Philebert, Charles: La conquête pacifique de l'intérieur africain : nègres, musulmans et chrétiens. Ernest Leroux, Paris 1889.
  • Trousset, Pol: Recherches sur le limes tripolitanus du Chott El-Djerid à la frontière tuniso-libyenne. Éditions du Centre National de la Recherche Scientifique, Paris 1974.
  • Zaccone, Pierre: Notes sur la Régence de Tunis Ch. Tanera, Paris 1875.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. In der Literatur wird übereinstimmend berichtet, dass die Bewohner der Region den „k“- bzw. „q“-Laut nicht sprechen, sondern stattdessen „g“.
  2. Von Karl May im „Orientzyklus“ entsprechend der von ihm verwendeten Karte als „Nifzaua“ erwähnt.
  3. Karl May: Durch die Wüste. Gesammelte Reiserzählungen, Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld, Freiburg 1892, S. 44.
  4. Chavanne, Joseph: Das algerisch-tunesische Binnenmeer. In: Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik. II. Jahrgang Heft 6, A. Hartleben, Wien/Pest/Leipzig 1880.
    Daraus entnommen die Karte Das Algerisch-Tunesische Schott-Becken nach Capt. Roudaire's Aufnahmen.
    Inventar-Nr. KK002a in Karl Mays Bibliothek.
  5. Karl May: Durch Wüste und Harem. Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld, Freiburg 1892, S. 59-60.

Weblinks[Bearbeiten]